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Thomas Remlein

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„Jemand, der die Welt in ihrer Wirklichkeit wahrnimmt mit ihren verschiedenen Vorgängen, und gleichzeitig einen Blick hat auf Gott, der ist ein guter Jesuit.

„Jemand, der die Welt in ihrer Wirklichkeit wahrnimmt mit ihren verschiedenen Vorgängen, und gleichzeitig einen Blick hat auf Gott, der ist ein guter Jesuit.“ So hat der Rektor der theologischen Hochschule, Ansgar Wucherpfennig, im Oktober 2016 in einem Interview mit dieser Zeitung den Maßstab gesetzt.

Kein Zweifel: Ansgar Wucherpfenning ist ein guter Jesuit. Er hat sich der Probleme seiner Kirche mit kritischer Zeitgenossenschaft angenommen. Sei es der Umgang mit Homosexualität oder die Situation wiederverheirateter Geschiedener. Wucherpfennig ist Vertreter einer offenen Kirche, die am Markt, aber nicht vom Markt ist. Will heißen: Er achtet als guter Seelsorger die Sorge und Nöte der Menschen, ohne marktschreierisch um deren Gunst zu buhlen. Diese Offenheit ist Wucherpfennig zwei Jahre später beruflich zum Verhängnis geworden. Dabei hätte die katholische Kirche vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandal allen Grund zu diskutieren, wie sie ihre Strukturen verändern muss, um sexualisierte Gewalt in ihren Reihen zu unterbinden. „Roma locuta, causa finita“, heißt es im Kirchenrecht. Zu deutsch: Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt. Aber Rom spricht nicht immer klug. So wird der Vatikan die Debatte um nötige Veränderungen in der Kirche nicht zum Verstummen bringen.

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