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23.06.2018, Russland, Sotschi: Fußball, WM, Vorrunde, Gruppe F: Deutschland - Schweden im Fisht-Stadion. DFB-Büroleiter Georg Behlau jubelt nach dem Sieg-Tor zum 2:1 von Kroos am Spielfeldrand. Provozieren, lamentieren, reklamieren. Der Fairplay-Gedanke scheint bei der Endrunde auf der Strecke geblieben zu sein. Foto: Ina Fassbender/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Kommentar zu Georg Behlau

Nach dem Totalversagen der deutschen Mannschaft auf dem Rasen und der wichtigsten Funktionäre im Umfeld der WM kleben die Verantwortlichen an ihren hoch dotierten Posten. Dafür steht ein vergleichsweise unbedeutender Mitarbeiter am Pranger. In der Öffentlichkeit hat es den Anschein, als wenn die DFB-Granden in ihm ein Bauernopfer suchten. Dafür spricht, dass und mit welchen Details die internen Ermittlungen gegen Georg Behlau der „Bild“ gesteckt wurden.

Nach dem Totalversagen der deutschen Mannschaft auf dem Rasen und der wichtigsten Funktionäre im Umfeld der WM kleben die Verantwortlichen an ihren hoch dotierten Posten. Dafür steht ein vergleichsweise unbedeutender Mitarbeiter am Pranger. In der Öffentlichkeit hat es den Anschein, als wenn die DFB-Granden in ihm ein Bauernopfer suchten. Dafür spricht, dass und mit welchen Details die internen Ermittlungen gegen Georg Behlau der „Bild“ gesteckt wurden.

Dem Limburger ist klar, dass sein Jubel nach dem Schweden-Spiel ungehörig und ein Fehler war. Da sind ihm die „Gäule durchgegangen“. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, wird jetzt aber vermengt.

Ihn in Verbindung mit vermeintlich zwiespältigen Geschäften zu bringen, ist starker Tobak. Wenn die Prüfung des Compliance-Beauftragten nicht mehr ans Tageslicht bringt als bisher bekannt ist, bleibt am Ende noch nicht mal ein „Geschmäckle“ übrig.

Fakt ist bislang: Georg Behlau hat sich nicht persönlich bereichert. Er hat sich nicht etwa vom Hauptsponsor Daimler ein Auto vor die Tür stellen, vom Reisebüro einen Urlaub finanzieren oder von den Spezialisten einen Kunstrasen in seinem Garten verlegen lassen. Der DFB-Angestellte hat nur seine guten Kontakte genutzt, um seinen Heimatverein zu unterstützen. Das wäre nicht erlaubt und müsste bestraft werden, wenn er Aufträge an diese Partner vergeben könnte und diese von Zuschüssen für den VfR 07 abhängig gemacht hätte. Das ist, Stand heute, nicht der Fall.

Behlau hat in diesem Zusammenhang nicht getrickst, gemauschelt, verheimlicht oder vertuscht. Alle Zuwendungen für den Verein waren und sind transparent. Wir haben darüber berichtet. Gut, für hundertprozentige Saubermänner geht es zu weit, überhaupt Beziehungen zu haben. Doch ohne läuft heute vieles schlechter – oder gar nicht. Ob das tolerabel ist oder nicht, kommt auf den Standpunkt an. So lange die Grenze der Grauzone nicht überschritten wird, darf man sich aufregen, muss sich aber nicht empören.

Die Diskussion um Behlau ist auf jeden Fall ein Signal an alle Ehrenamtlichen: so oder so. Sie müssen in jedem Einzelfall abwägen, ob Compliance-Regeln verletzt werden. Manch einer wird sich künftig freilich noch mehr überlegen, ob er sich in seiner Freizeit für die Gemeinschaft engagieren soll. Das gilt gerade für beruflich erfolgreiche Personen in wichtigen Positionen. Sie haben die besten Möglichkeiten, Gelder loszueisen. Von den Mitgliedsbeiträgen allein kann kein Verein leben, jeder ist auf Spenden angewiesen. Und Zuschüsse aus der Wirtschaft oder von Ministerien kommen nicht aus heiterem Himmel. Da bedarf es hie und da schon einer Anregung – und guter Kontakte.

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