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KOMMENTAR zum geplanten Neubaugebiet: Volkswirtschaftlicher Wahnsinn

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Auch Großkopferte haben manchmal schräge Kopfgeburten. Als da wären an vorderster Stelle der CDU-Politiker Thomas Horn, Chef des Regionalverbands, und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier.

Auch Großkopferte haben manchmal schräge Kopfgeburten. Als da wären an vorderster Stelle der CDU-Politiker Thomas Horn, Chef des Regionalverbands, und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier. Horn befürwortet es, rund ums Main-Taunus-Zentrum ein großes Neubaugebiet zu errichten. Er ist der Impulsgeber, der die Idee in die Welt setzte. Sein Parteikollege Bouffier äußerte Sympathie für den Vorschlag. Ich bin anderer Meinung. Ja, die Nachfrage nach Wohnraum in Frankfurt und der engeren Umgebung steigt. Ja, es ist nötig, Baulücken zu schließen und nach Möglichkeit bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Aber ich mag mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, Trabantenstädte in die Peripherie zu pflanzen. Die Monstersiedlungen, wie sie rund ums MTZ und weiter nördlich an der A 5 ernsthaft im Gespräch sind, zerstören wertvolle Ackerböden und zerschneiden beliebte Naherholungsgebiete. Sie würden der Region einen Teil jenes Charakters rauben, die sie von anderen Metropolen abhebt: Wir haben Wälder, viele Grünflächen und reichlich Felder, die die bewohnten Gebiete durchziehen und einen Siedlungsbrei verhindern. Wollen wir diesen Bonus gefährden? Ist es sinnvoll, den Ballungsraum über Gebühr zu verdichten, mit noch mehr Verkehr vollzustopfen und gleichzeitig den ländlichen Raum zu vernachlässigen? Sollten wir in oder bei Frankfurt ansprechende Gegenden zupflastern, während 40 Kilometer entfernt Dörfer veröden? Ist das volkswirtschaftlich vernünftig? Kürzlich gründete sich eine Initiative, die eine solch fragwürdige Politik in Frage stellt. Den ländlichen Raum in Hessen zu stärken ist der richtige Weg. Entstünde irgendwann in den 2020er Jahren das Neubaugebiet am MTZ, so ist die Frage, wie die Menschen dort hin und wieder wegkommen. Die Planer sehen zum Beispiel vor, die Straßenbahnlinie 11 in Richtung MTZ zu verlängern. Bisher schaffte es Frankfurt ja nicht einmal, die „Tram“ an den Höchster Bahnhof anzubinden. Jetzt soll es durch die dicht bebauten Stadtteile Höchst und Unterliederbach noch weiter hinausgehen? Dieser skurrile Vorschlag sei vermutlich aus der Not geboren, etwas präsentieren zu müssen, mutmaßt der BUND und genießt meine Zustimmung. Wenn Sie mich fragen: Der Regionalverband sollte seine Pläne für eine „MTZ-Stadt“ einstampfen.

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