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Training mit Maske und Flasche: Philipp Schneider, Florian Niehaus, Max Aue und Maximilian Berny bei der Atemschutzüberwachung.

Großübung

So kommt die Wehr nicht außer Puste

Einmal im Jahr rückt die Feuerwehr Kelkheim zum Training aus. Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen. Am Zauberberg wappneten sich die Mannen für besondere Einsätze.

Einsatzwagen der Kelkheimer Feuerwehr säumen das Gelände am Zauberberg in Ruppertshain. Unruhe oder Panik sind nicht zu beobachten. Zu sehen sind aber kleine Gruppen von vier bis sechs Wehrleuten, die über das Gelände flanieren und die einzelnen Winkel des imposanten Gebäudes in Augenschein nehmen. „Einmal jährlich machen wir Übungen, um das Wissen aufzufrischen und für den Ernstfall gewappnet zu sein“, erklärt Herbert Schneider, Stellvertretender Wehrführer der Feuerwehr Ruppertshain und Mitglied im Ausbildungsausschuss der Stadt Kelkheim. Die sechs Stadtteilwehren, Münster, Hornau, Mitte, Fischbach, Eppenhain und Ruppertshain treffen sich diesmal zum umfangreichen Training unter dem Motto „Atemschutz“.

„An vier Stationen wird das Thema intensiviert“, erläutert Schneider. 24 Wehrmänner sind zum Training zusammengekommen. Das Alter reicht von gerade mal 18 bis über 50 Jahre. „Alle hier anwesenden Wehrmänner haben eine Grundausbildung. Viele sind bereits seit dem zehnten Lebensjahr in der Jugendwehr bei uns“, weiß Fachmann Schneider. „Für den heutigen Tag ist zusätzlich ein absolvierter Atemschutzgerätelehrgang Teilnahmevoraussetzung.“

Trotz langjähriger Erfahrungen dient das Programm, das in den Morgenstunden bis mittags in verschiedenen Übungsphasen stattfindet, der Verständnisauffrischung und Informationsweitergabe. Frank Darmstadt, Stellvertretender Stadtbrandinspektor in Kelkheim, erklärt an der ersten Station Funktionen und Kontaktaufnahme am Funkgerät. Verschiedene Modi, wie die Umstellung von Funkkanälen oder wann welche Funksignale ausgelöst werden müssen, aber auch die Meldung der Atemschutzüberwachung, sind hier Thema. Vier Feuerwehrmänner erarbeiten bei Darmstadt die Einsatzmöglichkeiten des Funksenders.

„Auch wenn man es schon weiß, hat man die Möglichkeit, eigene Kenntnisse aufzufrischen“, weiß Tobias Unger, Hornauer Feuerwehrmann und Teilnehmer des Trainings . „Neben der Wiederholung lernt man zusätzlich neue Dinge. Wir bekommen ja auch immer wieder neue Geräte, die man dann bedienen muss.“

Die zweite Station im hinteren Hofbereich des Zauberbergs nutzt Wehrmann Roger Dörr als Atemschutzgerätewart für Angriffsvorbereitungen im Ernstfall. Mehrere Schlauchstücke werden zusammen fixiert. „Zur Angriffsvorbereitung gehört auch das Schlauchmanagement. Das bedeutet, man muss wissen, wie die Schläuche am sinnvollsten gelegt werden, um sie im Ernstfall einfach und schnell mitnehmen zu können“, erklärt Schneider die Übung.

Robin Piper, Fachgebietsaus- und fortbilder der Wehr Kelkheim-Mitte bespricht unterdessen an seiner Station verschiedene Arbeitsschritte zur Personensuche und Rettung. „Ihr müsst genau und schnell überlegen: Gehe ich da rein und wie? Schaut auch hinter Euch“, rät er seiner Gruppe. Sascha Hahn und Jens Hartleb sind an der vierten und letzten Station mit der unter Profis bekannten „Türmarkierung“ beschäftigt. Dabei geht es laut Ausbilder Hartleb um Fragen wie: Wurde der Raum bereits aufgesucht? Wenn ja, wie wird das kommuniziert? Alle Teilnehmer durchlaufen bis zum Trainingsende jede der vier Stationen.

Das jährliche Training ist an wechselnden Orten vorgesehen. „Auch die Themen wechseln“, erklärt Schneider. Er ist froh, dass die Brandschützer dieses Mal am Zauberberg ein besonderen Übungsgelände gefunden haben. „Das Gebäude ist anspruchsvoll. Es ist nicht nur groß, sondern hat unterschiedliche Höhen und ist verwinkelt“, sagt Schneider. Den positiven Nebeneffekt, dass die Wehrmänner durch das Training mit den Örtlichkeiten besser vertraut werden, befürwortet auch der Verwalter des Zauberbergs, Thomas Weck. Er ist im Magistrat zudem Feuerwehrdezernent. „Wir begrüßen es, dass hier geübt wird. Das Gebäude ist sehr komplex, und je besser sich die Feuerwehr hier auskennt, desto besser ist das für die Anwohner“, betont Weck. Nach Abschluss der Trainingseinheit erhielten alle Teilnehmer noch ein Feedback und Handlungsempfehlungen für ein noch kompetenteres und sicheres Auftreten im Ernstfall.

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