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Die Ludwigstraße verläuft in einem Bogen am Sprudelhof (Mitte) entlang. Die Ostseite der Straße ist bebaut, für die Westseite sieht das Hölzinger-Konzept ebenfalls Wohnhäuser vor. Bürgermeister Klaus Kreß will darüber die Bürger entscheiden lassen.

Sprudelhof-Konzept

Konzept für Sprudelhof wird von Politikern und Initiative diskutiert

Wütender Protest, ein Bürgerbegehren, das in einen Bürgerentscheid mündet: So ist es bezüglich der Pläne für ein Fachmarktzentrum auf dem Stoll-Gelände gelaufen. Eine solche Eskalation will Bad Nauheims Bürgermeister Klaus Kreß in Sachen Sprudelhof-Konzept vermeiden. Er möchte den Bürgerentscheid gleich vom Parlament beschließen lassen. Bei der Politik löst sein Vorstoß viel Skepsis aus.

Für Bürgermeister Klaus Kreß (unabhängig) ist klar: „Der Sprudelhof ist das Herzstück der Innenstadt.“ Wenn im Umfeld neben Therme und Hotel auch Wohnhäuser, Tiefgaragen und terrassierte Grünanlagen geplant seien, müsse der Bürger gefragt werden, hatte er in Lokalzeitungen geäußert.

Erst soll ein Architektenwettbewerb für die Wohnhäuser entlang der Ludwigstraße abgeschlossen sein und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung fürs Gesamtkonzept vorliegen, das Architekt Johannes Hölzinger und Fachbereichsleiter Jürgen Patscha entwickelten. Über den Siegerentwurf des Wettbewerbs könnten die Bürger abstimmen – frühstens 2019. Voraussetzung wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament.

Doch es gibt Bedenken zu Kreß’ Vorschlag. Die „Initiative für einen zügigen Thermenneubau ohne Reihenhausbebauung“, in der sich Gegner des Hölzinger-Modells sammeln, begrüßt den Vorstoß des Bürgermeisters zwar „ausdrücklich“, betonen die Sprecher Erik Meyer und Anne Schneider. Sie fordern aber „mit Nachdruck“, die Bad Nauheimer bereits zur Landtagswahl am 28. Oktober über die Wohnbebauung abstimmen zu lassen. Damit sei eine hohe Beteiligung gesichert. An einem Bürgerentscheid müssen mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten teilnehmen, sonst ist das Ergebnis nicht bindend.

Die Initiative hatte im April die Online-Petition „Rettet den Sprudelhof“ gestartet. Bislang (Stand: 27. Juli) folgen 1491 Personen der Forderung nach einem Verzicht auf Wohnbebauung. 768 Unterstützer sollen aus Bad Nauheim stammen, viele sind aber anonym. Zum Vergleich: In der Kurstadt gibt es rund 20 000 Wahlberechtigte.

Die Stadtverordneten wurden von der Initiative des Rathauschefs überrascht. „Es ist gewagt und nicht schön, dass Kreß an die Öffentlichkeit geht, ohne die Fraktionen vorab zu informieren. So kennen wir den Bürgermeister nicht“, sagt CDU-Fraktionschef Manfred Jordis. Die Union befürworte Bürgerbeteiligung, derzeit fehlten aber Entscheidungsgrundlagen – Architektenentwurf und Wirtschaftlichkeitsgutachten. „Es ist zu früh, um sich auf eine Vorgehensweise festzulegen. Kann gut sein, dass das Parlament das Konzept ablehnt, wenn alle Fakten bekannt sind“, sagt Jordis. Ein Bürgerentscheid wäre dann nicht nötig. Ähnlich argumentiert SPD-Fraktionschef Axel Bertrand. Die Grünen wollen sich mit dem Thema erst nach den Ferien befassen.

Am eindeutigsten hinter dem Grundsatzbeschluss des Parlaments pro Hölzinger-Konzept steht die FDP. „Das ist für uns die Diskussionsbasis“, sagt Fraktionschef Benjamin Pizarro. Ganz anders die Position der Freien Wähler. Fraktionschef Markus Theis hält einen frühen Bürgerentscheid für denkbar. Zunächst sieht Theis aber das Parlament am Zug.

(bk)

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