+
Wilhelm Witke, Ehrenmitglied des Aufsichtsrates der GBK, steht an ?seinem? jungen Baum der Sorte ?Ruhm von Kelsterbach? ? mit einem Apfel in der Hand.

Streuobst

Der Apfel des Jahres kommt vom Untermain

  • schließen

Er trägt einen klangvollen Namen und ist jetzt tatsächlich eine kleine Berühmtheit: Der "Ruhm von Kelsterbach" ist die hessische Streuobstsorte des Jahres. In der Untermainstadt wurde jüngst aus einem besonderen Anlass ein Baum dieser Sorte gepflanzt.

Im Garten vor dem großen Wohnhaus der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Kelsterbach (GBK) am Zusammentreffen der Heegwald- mit der Tannenstraße steht ein frisch gepflanztes Bäumchen. Wer genauer hinsieht, erkennt ein Faltblatt des Pomologen-Vereins mit Erläuterungen. Aber auch eine Hinweistafel ist angebracht. Auf dieser ist zu lesen, dass der Baum der Sorte „Ruhm aus Kelsterbach“ anlässlich des 90. Geburtstags von Wilhelm Witke, dem langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden der GBK, gepflanzt wurde. Witke hat auf seinem Wochenendgrundstück im Odenwald ebenfalls einen Baum „Ruhm aus Kelsterbach“, will aber mit dieser Neuanpflanzung die Sorte in der Untermainstadt fördern.

„Ich habe dem Baum gesagt, dass er wachsen und gedeihen möge. Eine große Krone soll er bekommen und starke Wurzeln“, erzählt Witke und verweist auf seine persönliche Verwurzelung in Kelsterbach. Der rüstige Jubilar war von 1954 an Leiter des Stadtbauamtes Kelsterbach, unter seiner Ägide wurden das Freizeitbad und das Bürgerhaus gebaut. Zudem war Witke 26 Jahre lang Aufsichtsratschef der GBK. „Wenn der Baum auch so alt werden darf wie ich, dann wird er viele schöne Ruhmesfrüchte bringen“, meint Witke, der seinen „Zögling“ immer wieder mal besuchen will.

Aber wie kam der Apfel „Ruhm aus Kelsterbach“ eigentlich zu seinem Ruhm? Und weshalb wurde er von der Pomologen-Gesellschaft zum Apfel des Jahres gekürt? Der Ruhm aus Kelsterbach ist eine Sorte des Kulturapfels (Malus domestica). Der rotbackige Apfel ist eine hessische Lokalsorte, die hauptsächlich im Rhein-Main-Gebiet um Kelsterbach kultiviert und angepflanzt wurde. Wie der „Ruhm aus Kelsterbach“ zu seinem klangvollen Namen kam, ist nicht mehr genau nachzuvollziehen. Doch durch die Erhebung zur hessischen Lokalsorte des Jahres, genauer gesagt zur Streuobstsorte des Jahres 2018, kommt der Ruhm aus Kelsterbach nun zu neuen Ehren.

Entdeckt wurde der „Ruhm aus Kelsterbach“, mündlichen Berichten zufolge, um das Jahr 1900 auf dem Gelände einer Ziegelei in der Untermainstadt. Die erste schriftliche Erwähnung des Apfels stammt von Richard Zorn, der ihn 1934 als „Schöner aus Kelsterbach“ beschrieb. Weitere schriftliche Aufzeichnungen existieren aus den 1940er Jahren, etwa im Sortenverzeichnis von Hessen-Nassau oder in der Zeitschrift „Das Gartenjahr“. Zu dieser Zeit war der „Ruhm aus Kelsterbach“ auf den Streuobstwiesen im Raum Frankfurt relativ stark verbreitet. Durch die späte Reife und lange Lagerfähigkeit in den Wintermonaten war diese Sorte vor allem im Zweiten Weltkrieg recht begehrt.

Die Ähnlichkeit zur weit verbreiteten „Roten Sternrenette“ sorgte dafür, dass er häufig mit dieser verwechselt und dadurch nur noch sehr selten nachgezogen wurde. In den 2000er Jahren, als man sich wieder um die Pflege von alten Apfelsorten bemühte, waren fast nur noch ältere Bäume vorhanden. Spezialisten der Pomologen-Gesellschaft entdeckten jedoch vereinzelte Jungbäume, die ebenfalls aus Verwechslungen mit der Sternrenette stammten und wohl unbeabsichtigt gepflanzt wurden. Spätestens mit der Ernennung zur hessischen Streuobstsorte des Jahres wurde jetzt wieder damit begonnen, den „Ruhm aus Kelsterbach“ gezielt nachzupflanzen. So wurden im Frühjahr auf dem Gelände des Naturschutzhauses „Weilbacher Kiesgruben“ ein paar Bäume der Sorte gepflanzt.

Wer es Wilhelm Witke nachempfinden will und einen Baum der Sorte „Ruhm von Kelsterbach“ pflanzen möchte, der findet bei den mit dem Pomologen-Verein kooperierenden Baumschulen Heinrich in Bischofsheim oder Köhler in Bruchköbel entsprechende Jungbäume. Wer den „Ruhm aus Kelsterbach“ lieber in flüssiger Form genießen will, der wird bei der Kelterei Possmann fündig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare