Motorsport

Atemberaubende Flugeinlagen der Crossfahrer

Der Duft von Zweitaktgemisch, hochspritzender Schlamm und atemberaubende Flugeinlagen der Crossfahrer: 220 Teilnehmer in elf Klassen gingen beim Motocross-Cup in Bauschheim an den Start.

Vergangenen Montag ist er acht Jahre alt geworden. Cross fährt Oliver Jüngling aus Neuwied am Rhein seit seinem dritten Lebensjahr. „Es war ’ne gute Saison. Ich hab mich gefreut, alle bisherigen Läufe in der 50-Kubik-Klasse des ADAC-Cups gewonnen zu haben“, sagt Oliver und spricht dabei schon wie ein Profi, dem hunderte Reporter ihr Mikrofon hinhalten. Gerade eben hat er sich endgültig den Meistertitel erfahren, ist also der Beste bei den Jüngsten.

Dabei ist dies noch nicht der letzte Lauf gewesen. Nach Punkten kann ihn aber niemand mehr einholen. Vater, Mutter und der 21 Jahre alte Bruder Dawid unterstützen das junge Talent in jeder Hinsicht. Statt in Urlaub zu fahren, verbringt die Familie ihre Zeit an Rennstrecken in ganz Deutschland.

Motorrad und Fahrer starren noch vor Dreck. Beim Fahren auf der Strecke werden feuchte Erdklumpen aufgewirbelt und spritzen auf Mann und Maschine. Das Einzige, was an dem Motorrad von Oliver noch ganz sauber ist, ist die rote Meister-Startnummerntafel, die gerade eben für das Foto anmontiert wurde. Acht Minuten und eine Runde dauerte der Lauf, mit dem er sich den Sieg eingefahren hat.

„Nein, ich bin nicht kaputt“, sagt er so kurz nach dem Rennen. Schließlich fährt Oliver auch schon bei der 65-Kubik-Klasse mit einer sogenannten KTM mit. Die sei schwerer, größer und schneller. Doch ihm ist anzumerken, dass er mit dem Kopf noch nicht zur Ruhe gekommen ist, noch immer die gedrehten Kurven und Sprünge Revue passieren lässt. Außerdem ist es für den Achtjährigen das erste Interview, das mit ihm gemacht wird.

Das mit dem fehlenden Urlaub macht der Familie nichts aus. Als Familie zusammen zu sein, an einem Strang zu ziehen, und den Lebensweg gemeinsam zu bestreiten sei das, was alle wollen. Auch Bruder Dawid fährt Cross, aber keine Rennen mehr. Gemeinsam trainieren die Brüder, und der ältere hat die Rolle eines Coachs übernommen.

Da gehört es auch dazu, dem Kleinen als Erster zu gratulieren und ihn mal herzlich in den Arm zu nehmen. „Mein Bruder hat deutlich mehr Potenzial als ich“, gibt Dawid ohne Neid zu. Auch seien gerade die frühen Jahre entscheidend und prägend, um sein Talent zu trainieren. Er selbst habe viel zu spät mit dem Cross-Fahren begonnen.

Wenn es gut läuft, wird viermal die Woche trainiert. Auch im Winter. Da gebe es Sandbahnen und Hallen wie in Bauschheim, wo das ganze Jahr über trainiert werden könne.

Mehr als 20 Rennen hat die Familie in dieser Saison bereits besucht. Und was wünscht der Meister sich für die Zukunft? „Noch mehr Titel holen“, sagt Oliver ohne zu zögern. Und dass ihm dies gelingen wird, ist ziemlich wahrscheinlich, bei der großartigen Unterstützung durch die Familie.

Doch nicht nur Oliver Jährling nutzt die Bauschheimer Strecke, um zu zeigen, was er kann. Gerade bei den 15 Startern in der Klasse 2 mit 65 Kubik scheint der Faktor Angst völlig ausgeblendet zu sein. Schon beim Start lassen sich äußerst nervöse Handgelenke auf der Seite, auf der das Gaspedal zu finden ist, erkennen. Ohne an einen Bremsgriff zu denken, nehmen die Jungen im Alter zwischen neun und 12 Jahren die Kurven und fliegen meterhoch über Erhöhungen. „Die sind noch zu jung, um Schiss zu haben“, sagt ein Zuschauer am Streckenrand.

Der elfjährige Lennart wird von seinem Vater lautstark angefeuert und reagiert darauf, indem er gekonnt, aber auch ein wenig riskanter die hohe Kurve nimmt, während die Mutter es wohl lieber hätte, wenn die Männer der Familie nicht alles so verbissen sehen würden.

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