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NTT und Yondr wollen auf dem Gelände "In der Tagweide" ein Rechenzentrum bauen und vermieten. Die einmalige Zahlung von 15 Millionen Euro an die Gemeinde machen das IT-Unternehmen Yondr zum Favoriten. Foto: dpa

Wirtschaft

Eine Gewerbefläche, drei Angebote

  • Dorothea Ittmann
    vonDorothea Ittmann
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Drei Bewerber stellen ihre Pläne im Bauausschuss vor. Ein IT-Unternehmen unterbreitet ein verlockendes Angebot.

Bischofsheim -Die Gemeinde Bischofsheim bekommt ein Rechenzentrum, das ist so weit bekannt. Im September 2019 hatte die Gemeindevertretung für den Verkauf eines rund 35 000 Quadratmeter großen Grundstücks im Gewerbegebiet "In der Tagweide" gestimmt. Darauf sollte die E-Shelter Services GmbH aus Frankfurt, die zur NTT-Gruppe mit Sitz in London gehört, ein Rechenzentrum bauen. Dann wurde es lange Zeit still um das Bauprojekt. Am Dienstagabend teilte Bürgermeister Ingo Kalweit (CDU) im Bauausschuss mit, dass der Mieter für das Rechenzentrum abgesprungen sei, NTT wolle das Gelände dennoch entwickeln und bewerbe sich erneut um den Standort in Bischofsheim.

Diesesmal hat der englische Technologie-Riese allerdings Konkurrenz bekommen. Zwei weitere Firmen haben es auf das Areal abgesehen - die VGP-Gruppe mit Sitz in Antwerpen und die Yondr-Gruppe mit Sitz in Amsterdam. Die Vertreter der Unternehmergruppen stellten ihre Projekte vor. NTT machte den Anfang. E-Shelter-Technik-Vorstand Klaus Rudolph und Bauleiter Ulf Achenbach erläuterten die Pläne des IT-Unternehmens, das gleichzeitig als Entwickler, Bauherr, Eigentümer und Vermieter von Rechenzentren in Erscheinung tritt.

NTT will drei Gebäude auf dem Grundstück errichten, die nacheinander in Betrieb gehen sollen. Planung und Bau dauerten etwa zwei Jahre, so dass das Unternehmen mit einer Übergabe an den Betreiber im Jahr 2023 rechne. Etwa 100 Mitarbeiter würden das Zentrum betreiben. "Wir garantieren Gewerbesteuereinnahmen", betonte Achenbach einen Punkt, der wohl für die Gemeindevertreter entscheidend sein dürfte. Bei genauerer Nachfrage nennt Achenbach die Summe von rund 800 000 Euro pro Jahr. Die Baukörper für das Gebäude stünden bereits in Hattersheim bereit und müssten nur noch zusammengesetzt werden, bemerkte Rudolph.

Fußweg über das Firmengelände

Einen Fußweg über einen Teil des Geländes von der Bushaltestelle zum Arbeitsplatz, wie ihn sich die Angestellten der benachbarten Firma Bettmer wünschen, wolle NTT nicht bauen. Das Sicherheitsbedürfnis der Mieter sei groß, erklärte Rudolph die Ablehnung. Die anderen beiden Unternehmen zeigten sich in dieser Hinsicht aufgeschlossen.

VGP-Vertriebsmanagerin Maleen Landwehr verwies auf eine bereits erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Ansiedlung des Versandhändlers Bettmer im Gewerbegebiet. VGP baut und vermietet Logistikimmobilien. Der wachsende Online-Händler Vicampo aus Mainz möchte sich in der Immobilie in Bischofsheim einmieten. Max Gärtner, einer von drei Unternehmensgründern, zeigte sich optimistisch. Das Geschäft boome besonders in Corona-Zeiten. Vicampo verkaufe Weine von rund 500 Winzern an Privatkunden und wolle für die nächsten zehn Jahre in einen weiteren Standort investieren.

Der Verkehr auf dem Gelände sei "überschaubar". Gärtner sprach von etwa 10 bis 15 Lastwagen pro Tag, die größere Wein-Chargen abholen. Sprinterverkehr oder Einzelabholung sei ausgeschlossen. Etwa 140 Mitarbeiter möchte Vicampo in Bischofsheim beschäftigen. Die Gewerbesteuerzahlungen würden über die kommenden sechs Jahre kontinuierlich steigen - von anfangs rund 400 000 Euro bis 800 000 Euro in 2026.

Ein Jahr Planungs- und Bauzeit

Den dritten Bewerber Yondr, der ebenfalls ein Rechenzentrum "In der Tagweide" bauen und vermieten möchte, stellte Architekt Christopher Hammerschmidt, Geschäftsführer des Frankfurter Unternehmens ATP, vor. Er unterstrich die schnelle und effiziente Planungs- und Bauzeit von einem Jahr. Der Bebauungsplan sei so gut wie fertig und könne sofort eingereicht werden, das Zentrum entstehe in Modulbauweise. Die Restfläche solle ansprechend begrünt werden. Man wolle etwa 100 Arbeitsplätze an dem Standort schaffen.

Im Unterschied zu den anderen Bewerbern will Yondr eine fixe Summe von 15 Millionen Euro mit Unterzeichnung des Kaufvertrags an die Gemeinde zahlen. Darin enthalten ist der Kaufpreis und eine auf Steuerprognosen beruhende Gewerbesteuervorauszahlung von rund 9,3 Millionen Euro. Wie hoch dann noch die jährliche Gewerbesteuer ausfallen soll, sei laut Bürgermeister noch Gegenstand der Verhandlungen.

Die Fraktionen CDU, BFW und Galb stimmten mehrheitlich für den Verkauf an das IT-Unternehmen Yondr. Die SPD favorisierte VGP und Vicampo. Die Pläne von NTT fanden keine Zustimmung. Einen endgültigen Beschluss fassen die Mitglieder der Gemeindevertretung am kommenden Donnerstag.

Dorothea Ittmann

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