Etwa ein Drittel der Wahlberechtigten in Bischofsheim hat sich 2021 für die Briefwahl entschieden. Foto: Dorothea Ittmann
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Etwa ein Drittel der Wahlberechtigten in Bischofsheim hat sich 2021 für die Briefwahl entschieden.

Kommunalwahl

GALB kann Stimmenanteil verdoppeln

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Grüne jubeln über Wahlerfolg - Freie Wähler müssen Einbußen hinnehmen

Vor dem Eiscafé Venezia tummeln sich am Sonntagnachmittag mehr Bischofsheimer als vor den Wahllokalen, so scheint es jedenfalls. Das könnte daran liegen, dass laut Wahlleiter Thomas Hofmann 3174 Bürger in den vergangenen Wochen Briefwahl beantragt haben. Gemessen an den rund 9500 Wahlberechtigten sind dies immerhin rund 30 Prozent.

Bei der Auszählung geht es in Bischofsheim dann aber vergleichsweise schnell. Schon vor 21 Uhr liegen die Trend-Ergebnisse vor. Der große Gewinner bei der Wahl zur Gemeindevertretung ist die Grüne Alternative Liste (GALB) mit 20,3 Prozent der Stimmen. Dieter Beorchia, der für die Partei auf Listenplatz 19 steht, ist ganz aus dem Häuschen. "Eine Zwei steht vorne, das ist fantastisch!" Bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren noch hatte die GALB mit 10,3 Prozent drei Sitze in der Gemeindevertretung ergattert. Mit mehr als 20 Prozent kann sie sich schon einmal auf sechs Sitze freuen. "Bei einem solchen Ergebnis sind unsere Kandidaten hoch motiviert", ist sich Beorchia sicher.

Zugelegt hat auch die CDU, die mit Ingo Kalweit den Bürgermeister stellt. Mit 29,4 Prozent der Stimmen liegt sie 6,1 Prozentpunkte über dem Ergebnis von 2016 und gewinnt zwei weitere Sitze. Fraktionsvorsitzender Simon Kanz ist vorsichtig optimistisch: "Wir sind zufrieden." Er blickt mit Spannung auf die Einzelauszählung der restlichen Wahlbriefe in den kommenden Tagen und hofft, dass noch ein paar Stimmen auf die CDU entfallen.

Warten auf die Einzelauszählung

Dieselbe Hoffnung hegt SPD-Spitzenkandidat Karsten Will. "Bei der letzten Kommunalwahl haben wir so noch ein paar Prozent dazugewonnen", erinnert er sich. Seine Partei hat mit 33.6 Prozent der Stimmen 3,4 Prozentpunkte eingebüßt, das ist ein Sitz weniger als die bisher 12. "Aber wir liegen mit mehr als 30 Prozent über dem Bundesdurchschnitt", ist Will guter Dinge.

Zu den Verlierern der Kommunalwahl zählen die Freien Wähler (BFW). Die vormals mit 29,3 Prozent in die Gemeindevertretung gewählte Wählergemeinschaft kann jetzt nur noch 16,8 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Fraktionsvorsitzende Ute Rothenburger ist gefasst. "Ich bin ein wenig enttäuscht", gibt sie zu. "Aber ich habe mit einem Einbruch der Zahlen gerechnet." Der Verlust sei unter anderem auf Querelen innerhalb der Wählergemeinschaft zurückzuführen, so Rothenburger. Vier Mitglieder hatten sich in der Folge von der BFW abgewandt und entweder fraktionslos ihr Mandat ausgeübt oder als "Die Freie Fraktion" (DFF) in der Gemeindevertretung abgestimmt. Die Bürgernähe sei zudem in den vergangenen Jahren verlorengegangen, bedauert Rothenburger. Den engen Kontakt zu den Bürgern werde die BFW wieder herstellen. Mit den verbleibenden fünf Sitzen wollen die Freien Wähler weiterhin ihre Rolle als Opposition erfüllen. "Es ist wichtig, dass Bischofsheim eine unabhängige Kraft hat", gibt sich die Fraktionsvorsitzende kämpferisch.

Erfreulich ist: Die Wahlbeteiligung liegt bei 50,6 Prozent. Vor fünf Jahren waren in Bischofsheim noch 47,1 Prozent der Bürger an die Urnen gegangen. Dabei hatte der Wahlsonntag für die Wahlhelfer eher unschön begonnen. Gegen 7 Uhr standen 30 bis 40 Wahlhelfer vor dem Bischofsheimer Bürgerhaus Schlange, um einen Corona-Schnelltest machen zu lassen. Der Grund: "Es stand nur eine Mitarbeiterin zur Verfügung", erinnert sich Kerstin Geis (SPD), die ebenfalls dort gewesen war.

Die junge Frau im Testcenter war mit dem unerwarteten Andrang überfordert. Eigentlich sei vorgesehen gewesen, die Wahlhelfer über ein Zeitfenster von zwei Stunden zu testen. Dass alle auf einmal kommen, habe sie nicht erwartet, sagt sie. Normalerweise arbeite der Schnelltest-Anbieter mit Online-Anmeldungen, die sicherstellen, dass die Kunden zeitnah an die Reihe kommen. Weil die Feststellung der Personendaten einige Minuten in Anspruch nehme und die Auswertung etwa 25 Minuten dauere, hätten die Wahlhelfer eine ganze Zeit lang warten müssen, bis sie drankommen. Als zwei Stunden später eine Kollegin zur Hilfe eilte, seien bereits einige vorzeitig gegangen.

Von Dorothea Ittmann

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