Faya Michel Koniono ist verzweifelt. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Doch als Homosexueller drohe ihm in seinem Herkunftsland Guinea Gefängnis, Misshandlung und im schlimmsten Fall der Tod, sagt er. Foto: Daniela Hamann
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Faya Michel Koniono ist verzweifelt. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Doch als Homosexueller drohe ihm in seinem Herkunftsland Guinea Gefängnis, Misshandlung und im schlimmsten Fall der Tod, sagt er.

BISCHOFSHEIM/GUSTAVSBURG

Ihm drohen Gefängnis und Tod

Faya Michel Koniono ist verzweifelt. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Doch als Homosexueller drohe ihm in seinem Herkunftsland Guinea Gefängnis, Misshandlung und im schlimmsten Fall der Tod.

Faya Michel Koniono ist ein ruhiger, junger Mann. Er spricht leise, mit einer sanften Aussprache, die wahrscheinlich nicht nur mit der typischen Zurückhaltung zusammenhängt, die viele Männer mit afrikanischen Wurzeln zu haben scheinen. Am 28. Januar 2018 ist Faya Michel Koniono aus dem afrikanischen Guinea nach Deutschland gekommen. Gleich nach der Landung auf dem Frankfurter Flughafen hatte er sein erstes Interview bei der dortigen Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und beantragte Asyl.

Nach einem kurzen Aufenthalt in einer Unterkunft in Gießen wurde er in das Flüchtlingswohnheim nach Gustavsburg geschickt, wo er seitdem zusammen mit wechselnden Zimmergenossen in eher prekären Verhältnissen lebt. Dies sei wohl auch der Grund dafür, dass ihn die meiste Post der Behörden nicht erreicht habe, meint Koniono im Gespräch.

Beim Roten Kreuz aktiv

Das Treffen findet im Vereinsheim des Roten Kreuzes (DRK) Mainspitze statt. Mit dabei ist auch Hans Reinheimer, Vorsitzender der DRK-Ortsgruppe, der sich sehr dafür einsetzt, dass Koniono in Deutschland bleiben darf. Beim DRK ist der 33-Jährige seit gut sechs Monaten ehrenamtlich im Rettungsdienst aktiv. Zudem ist er seit fast einem Jahr Mitglied der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Gustavsburg.

Dadurch, dass er seinen Ablehnungsbescheid zu seinem Asylantrag nicht erhalten habe, so Koniono, habe er die Einspruchsfristen nicht wahren können. Somit und aufgrund der Tatsache, dass er den Behörden seine Identität nicht nachweisen kann, hat der 33-Jährige aktuell eine rechtliche Form der Duldung, die es ihm nicht erlaubt, zu arbeiten oder eine Ausbildung zu beginnen. Obwohl, wie Hans Reinheimer bemerkt, er dem jungen Mann gerne die Möglichkeiten geben würde, beim DRK eine Lehre im Rettungsdienst zu absolvieren.

Auch Patrick Pfannschmidt vom Büro für Gemeinwesenarbeit der Caritas hat den Asylbewerber bereits vielfach bei der Kommunikation mit den Behörden unterstützt - bisher jedoch ohne den Erfolg, den sich Koniono wünschen würde - wie der Caritas-Mitarbeiter berichtet.

"Ich habe panische Angst, jederzeit abgeschoben zu werden. Das könnte für mich den Tod bedeuten", schildert Faya Michel Koniono nach einigem Zögern. "Ich bin homosexuell, und in meinem Herkunftsland, das zu 90 Prozent muslimisch und sehr traditionell ist, bedeutet dies Verfolgung, Misshandlung, Gefängnis und potenziell den Verlust meines Lebens."

Seine Homosexualität ist es auch, die Faya Michel Koniono vor drei Jahren dazu veranlasst hat, nach Deutschland zu fliehen. Vom Vater, der vier Ehefrauen hat, sei er aufgrund seiner sexuellen Orientierung abgelehnt und verflucht worden. Seine Mutter, die ihn unterstützte, sei infolge eines Herzinfarkts nach einem Vergewaltigungstrauma 2002 gestorben.

"Ich durfte nicht an ihrer Beerdigung teilnehmen. Das hat mir mein Vater verboten", erzählt der 33-Jährige traurig. Trotzdem habe er es geschafft, an einer privaten Universität zu studieren und 2011 seinen Abschluss zu machen. "Danach habe ich beschlossen, für die Rechte von Homosexuellen zu kämpfen." Das Engagement habe ihm jedoch gravierende Probleme eingebracht. "Ich musste mich verstecken. Schließlich habe ich jedoch bei einer chinesischen Firma Arbeit gefunden. Ich musste ja für meinen Lebensunterhalt sorgen."

Unter den Augen der Polizei

Dort lernte Faya Michel Koniono einen jungen Mann aus der Elfenbeinküste kennen, erzählt er weiter. Sie seien miteinander ausgegangen, hätten sich verliebt - bis zu dem Abend, als sie als Homosexuelle erkannt und von einigen Personen, unter den Augen der Polizei, brutal zusammengeschlagen worden seien. "Die Polizei hat die Angreifer noch angestachelt und gesagt, wir würden mit unserem Verhalten die Homosexualität in Guinea fördern."

Er sei nach dem Vorfall bei seiner Tante untergetaucht, bis sie ihn gebeten habe, das Land zu verlassen, weil sie um sein Leben fürchtete. So sei er erst in den Senegal und dann nach Deutschland gekommen. "Als ich im Senegal war, hat mir meine Tante per E-Mail eine polizeiliche Fahndungsmeldung über mich geschickt. Sie wollten mich ins Gefängnis werfen, wenn ich nach Guinea zurückkehre."

Die Tante - die letzte Verwandte, die ihm geholfen habe - sei im vergangenen Jahr infolge einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. "Ich habe in Guinea niemanden mehr", stellt Koniono traurig fest. "Ich möchte hierbleiben, eine Ausbildung machen und mir ein Leben aufbauen. Aber das Bamf will mich abschieben. Ich bin verzweifelt." Von Daniela Hamann

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