Während der Corona-bedingten Isolation hat Ellen Ribbe neue Techniken ausprobiert, die sie nun nach und nach verfeinert.
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Während der Corona-bedingten Isolation hat Ellen Ribbe neue Techniken ausprobiert, die sie nun nach und nach verfeinert.

Kunst

In der Isolation hat sie sich neu erfunden

Für die Künstlerin Ellen Ribbe hat die Pandemie nicht nur negative Auswirkungen. Sie nutzt die Ruhe und Abgeschiedenheit, um neue Techniken auszuprobieren.

Bischofsheim -Schon lange hat sich Ellen Ribbe nicht nur in Deutschland einen Namen in der Kunstszene gemacht. Sie zählt auch Ausstellungen in Dänemark zu ihren Erfolgen. Als Mitglied der Rüsselsheimer Künstlervereinigung Malkasten hat sie ihre Werke bereits vielfach in der Region und natürlich in ihrer Heimatgemeinde Bischofsheim gezeigt.

Derzeit hält sich Ellen Ribbe in ihrer zweiten Heimat Nordfriesland auf. Dort möchte sie gemeinsam mit ihrem Mann nach der Rente einmal ganz hinziehen. Doch aktuell ist es für sie nur ein geliebter Rückzugsort, um ungestört arbeiten und entspannen zu können. "Durch die Pandemie hatte ich allerdings in diesem Jahr noch mehr Ruhe und Zeit", berichtet Ribbe als wir sie per Videoanruf im hohen Norden der Republik erreichen.

Neue Techniken ausprobiert

"Durch den Lockdown konnte ich viel an meiner Kunst arbeiten. Hier in Nordfriesland - ich bin nun seit kurz vor Weihnachten vor Ort und komme erst im Februar wieder nach Bischofsheim - konnte ich mich intensiv mit neuen künstlerischen Richtungen beschäftigen." So hat sich Ribbe neuen Techniken zugewandt, deren Ergebnisse sie regelmäßig auf ihrem Instagram-Account veröffentlicht. Ribbe sagt, sie habe sich mit Monotypien und mit Transfer-Lithografien beschäftigt. Dies sei eine Technik, bei der Öl und Wasser - eigentlich Elemente, die sich abstoßen - eingesetzt würden. Diese Eigenschaft führe zu faszinierenden und abstrakten Arbeiten.

"Ich nutze dazu zunächst Fotografien mit vergrößerten und abstrahierten Ausschnitten, die ich fotokopiere, als Druckstock. Die Kopie reibe ich dann mit Gummi Arabicum ein. Danach sprühe ich Wasser auf. Dadurch separiert sich der Druck. Schließlich gebe ich Ölfarbe auf den Druckstock. Der Druckstock kann auf alles Mögliche gedruckt werden, sei es zum Beispiel Papier oder Stoff. Es ist schön und spannend zu sehen, was dabei am Ende herauskommt."

Diese Technik erlaube auch eine Kombination mit Zeichnungen auf Papier oder anderen Materialien. "Ich habe bei den letzten Arbeiten ein Gessobord verwendet, denn ich arbeite nicht so gerne auf Leinwand", sagt Ribbe. Ein Gessobord ist eine Hartfaserplatte, auf der Farbe besonders gut hält.

Spielraum für Interpretationen

Eine der letzten Arbeiten auf Gessobord, die Ellen Ribbe auf ihrem Instagram-Account zeigt, ist eine Abstrahierung getrockneter Blütenständen von Disteln in Kombination mit Gestängen von Hochspannungsmasten. Die Arbeit hat noch immer eine naturalistische Note, erinnert den Betrachter im ersten Augenblick an eine Naturlandschaft, einen Spaziergang durch ein Feld. Die Künstlerin möchte dem Betrachter ihrer Werke Spielraum für Interpretationen lassen. Das Werk mit den Disteln und Hochspannungsmasten ist Teil einer Serie mit dem Titel "Dopplung". "Der Name entstand dadurch, dass ich die Druckplatte zwei Mal verwendet habe", erklärt Ribbe.

Ein wenig bedauert die Künstlerin, dass ihr und fast allen Kollegen wegen der Pandemie die Plattformen genommen wurden, um die Arbeiten in zu zeigen. "Zwei Tage vor dem Lockdown haben einige Kolleginnen von Malkasten und ich eine Ausstellung im Foyer des Rüsselsheimer Theaters eröffnet. Dann wurde das Theater geschlossen. Nun hat man uns jedoch gesagt, dass die Arbeiten der Ausstellung länger hängen bleiben dürfen."

Ribbe würde sich auch über die Teilnahme an virtuellen Ausstellungen freuen. "Ich bin offen für alles", betont sie. Ihre Werke verkaufe sie momentan ohnehin nur online. Für das neue Jahr sei allerdings noch kaum etwas geplant. "Die Galerien und Ausstellungshäuser möchten zunächst einmal noch das Programm von 2020 abarbeiten. Wir sind dennoch innerhalb der Künstlervereinigung im Gespräch. Möglicherweise ergibt sich auch etwas bei den Opelvillen. Man muss die weitere Entwicklung abwarten."

In den kommenden Wochen des Stillstands möchte sich Ellen Ribbe weiterhin ganz ihrer Kunst widmen. "Ich habe noch viele Ideen. Dadurch ist der Lockdown nicht ganz so schmerzlich für mich, wie vielleicht für andere Menschen." Der physische Kontakt, das Umarmen von Freunden und Bekannten fehle ihr jedoch sehr, gibt die Bischofsheimerin dann zu. Aber es gebe ja nun viel Licht am anderen Ende des Tunnels. Bis dahin nutze sie die Zeit, um weiter kreativ zu sein.

Daniela Hamann

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