Jetzt kehrt Ruhe ein

Für Pfarrer gleicht die Weihnachtszeit einem Marathon

Am zweiten Weihnachtstag haben Pfarrerin Katharina Meckbach und Pfarrer Wilfried Ritz gemeinsam den mainspitzweiten Gottesdienst gestaltet. Für die beiden Pastoren kehrt damit nun etwas Ruhe ein. In den letzten sechs Woche vor Weihnachten hatten sie nämlich ganz schön viel zu tun.

Viele Menschen denken, dass Pfarrer nur an den Wochenenden arbeiten, eben dann, wenn sie im Gottesdienst zu sehen sind.

Doch diese Annahme ist falsch. Besonders vor Weihnachten, Ostern und Pfingsten sind oft 60 Wochenstunden und mehr angesagt, wie Katharina Meckback, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde in Bischofsheim und Pfarrer Wilfried Ritz von der evangelischen Gemeinde in Ginsheim erzählen.

Zum Alltagsgeschäft der Pfarrer mit Beerdigungen, Trauungen, Taufen, Geburtstagsbesuchen, der Seelsorge und der vielen Verwaltungsarbeit käme dann im November noch einiges mehr an Aufgaben hinzu. „Eigentlich fängt der Trubel noch etwas früher an“, bemerkt Pfarrer Wilfried Ritz.

Schon vor dem Volkstrauertag gehe es mit zunehmenden Vorbereitungen los. „Dann endet das Kirchenjahr und das vermehrte Arbeitsaufkommen durch Weihnachtsfeiern geht nahtlos in den Advent über. Ab dann sind 60-Stunden-Wochen für mich normal“, gibt Ritz zu. Er versuche sich, da er auch sonst fast immer an den Wochenenden arbeite, zumindest die Donnerstage für private Erledigungen und Familienangelegenheiten frei zu halten. Doch das sei in der Vorweihnachtszeit nicht mehr möglich.

Katharina Meckbach schildert Ähnliches. Seit einem Jahr ist die junge Frau Pfarrerin in Bischofsheim. „Bis zum Ferienbeginn bin ich auch an den Schulen in Bischofsheim und an der IGS Mainspitze tätig. Da gibt es im Advent ebenfalls diverse Feiern. Dazu kommen die ganzen Gruppen, die wir betreuen“, berichtet Meckbach.

Eine emotionale Zeit

Außerdem seien die Pfarrerin und der Pfarrer in die Vorbereitungen für die Weihnachtsspiele im Familiengottesdienst am Heiligen Abend mit involviert. Erfahrungsgemäß sei die Zeit vor Weihnachten bei den Menschen emotional sehr aufgeladen, erklärt Pfarrer Wilfried Ritz.

„Gerade in dieser Zeit kocht in den Menschen und zwischen den Menschen – beispielsweise in ihren Familien – vieles hoch und so sind auch wir als Pfarrer damit in besonderer Weise entweder direkt seelsorgerlich konfrontiert oder einfach dadurch, dass es im ehrenamtlichen Bereich zu Ausfällen oder Unstimmigkeiten kommt.“

Die Kirchengemeinde funktioniere sehr weitreichend über ehrenamtliche Arbeit. Fällt jemand aus, müssten die Hauptamtlichen das wieder auffangen oder umorganisieren.

Wilfried Ritz übt das Amt des Pfarrers seit vielen Jahren aus. Was ihn rückblickend über die Jahre belastet habe ist, dass er an keinem einzigen Weihnachten nicht im Dienst gewesen sei, sagt er. „Das gibt es wohl bei keiner Berufsgruppe außerhalb der Kirche“, vermutet Ritz.

Auch am Heiligen Abend vor wenigen Tagen habe er lediglich zwei Stunden Zeit für seine Familie gehabt.

Enger Terminplan

„Ich bin am Morgen um 9 Uhr aus dem Haus und habe in der Kirche alles für die drei Gottesdienste, die ich an dem Tage hatte, vorbereitet. Um 19 Uhr bin ich kurz zum Abendessen und zu einer schnellen Bescherung nach Hause, nur um gegen 21 Uhr wieder vor dem Altar zu stehen. Um kurz vor Mitternacht war die Arbeit am Heiligen Abend dann für mich beendet“, berichtet der Pfarrer.

Er übe seinen Beruf sehr gerne aus, doch dass er noch nie einen Heiligen Abend ohne Arbeit mit seiner Familie verbringen konnte, sei eine der negativen Seiten des Jobs.

Neben Pfarrern seien Küster und Organisten ebenfalls von der Häufung der Gottesdienste vor und an Weihnachten betroffen. Generell bestehe für Gemeinde-Pfarrerinnen und Pfarrer an Weihnachten, Ostern und Pfingsten eine Urlaubssperre, fährt Wilfried Ritz fort.

Katharina Meckbach habe vor Weihnachten sogar kaum Zeit gehabt, Geschenke zu besorgen. „Das musste ich alles online regeln. In die Stadt zum Shoppen zu gehen, ist im Advent für mich undenkbar“, stellt sie fest.

Trotzdem habe diese stressige Zeit auch viel Positives: „Als ich mit den Kindern für unser Krippenspiel geprobt und gesehen habe, wie viele plötzlich aus sich herausgehen, hat mich das sehr glücklich gemacht. Das sind die Lichtmomente.“

Gestern haben Katharina Meckbach und Wilfried Ritz gemeinsam den mainspitzweiten Gottesdienst gestaltet. Das sei der Höhepunkt in der Weihnachtszeit gewesen. Zwischen den Jahren werde es nun bis zum 31. Dezember erfahrungsgemäß etwas ruhiger werden, stellen Ritz und Meckbach fest.

Doch in ihrem Beruf sei es ein wenig wie beim Fußball, meinen die beiden Pfarrer lachend: „Nach dem Spiel ist immer gleich auch wieder vor dem Spiel.“

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