+
Die 16-jährige Setayish Farzam aus Afghanistan absolviert als Bestandteil ihres Fachabiturs ein Jahrespraktikum in der Bischofsheimer Gemeindeverwaltung. Foto Gemeindeverwaltung Bischofsheim/Verena Kastrup

Seit drei Jahren in Deutschland

Setayish Farzam ist auf dem Weg zur Fachhochschulreife

Vor drei Jahren kam Setayish Farzam als Flüchtlinge mit ihren Eltern nach Deutschland. Seit dem hat sich viel getan. Die junge Frau hat Deutsch gelernt und absolviert derzeit ein Praktikum im Rathaus von Bischofsheim.

Nach 45 Tagen Flucht hat die damals 13 Jahre alte Setayish Farzam im September 2015 erst Gießen und dann Eltville erreicht. Die damals 13 Jahre alte Setayish Farzam war mit ihren Eltern und der kleinen Schwester aus dem rund 5000 Kilometer entfernten Baghlan, einer Stadt in Afghanistan, geflüchtet. Nur drei Jahre später kann die heute 16-Jährige einen Realschulabschluss vorweisen.

Jetzt besucht sie die Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim. In zwei Jahren möchte sie das Fachabitur in der Tasche haben. Doch dazu gehört ein einjähriges Praktikum in einer Kommunalverwaltung. Das absolviert sie in den Rathäusern von Bischofsheim, berichtet die Gemeinde. Sie startete dort Anfang August und werde nun alle drei Monate die Abteilung wechseln, um die Verwaltung kennenzulernen. An drei Tagen in der Woche arbeitet sie dort und an zwei Tagen besucht sie den Schulunterricht.

„Wir wollen aktiv zur Integration von Geflüchteten beitragen“, berichtet Bürgermeister Ingo Kalweit (CDU), der das Bewerbungsgespräch mit Setayish Farzam führte. „Mir wurde die junge Dame empfohlen. Sie spricht schon sehr gutes Deutsch und trotz schlimmer Fluchterfahrungen, strahlt sie Offenheit und eine positive Lebenseinstellung aus“, zeigt sich Kalweit beeindruckt.

Über den Iran, die Türkei, Griechenland bis nach Mazedonien führte der Fluchtweg. Zuletzt wurde die Familie offiziell nach Deutschland gebracht und kam vorläufig in einer Turnhalle in Eltville unter. „Es hat ein paar Tage gedauert, dann konnte ich erste Sätze auf Deutsch sprechen“, freut sich Setayish. Ehrenamtliche Helfer kümmerten sich sofort um die Angekommenen und machten sie mit der neuen Sprache vertraut. Deutschsprachige Bücher und Filme halfen ebenfalls das Vokabular zu erweitern. Ihre Eltern seien immer ihre größten Unterstützer, die sie ermutigten, sagt Setayish. Sie selbst und ihre Eltern sprachen schon Englisch und konnten bei Ankunft in Deutschland als Übersetzer andere Flüchtlinge und die Helfer unterstützen.

Die junge Frau sei aufgrund ihrer Erfahrungen schnell gereift. „Afghanistan und hier – das sind zwei komplett verschiedene Welten. Ich hatte eine verletzende Vergangenheit, aber ich lasse mich dadurch nicht runterziehen. Das Leben geht weiter, ob man die Zeit nutzt oder einfach nur vergehen lässt“, gibt sich Setayish stark. Sie und ihre Familie haben sich für das Nutzen der Zeit entschieden. Besonders schätzt sie, welche Möglichkeiten Frauen hier haben. „Ich kannte keine Gleichberechtigung. Hier habe ich die Möglichkeit meine Persönlichkeit frei zu entwickeln. Dazu kommt die Chance einer sehr guten Ausbildung, die ich ergreifen will“, sagt Setayish. Sobald sie ihr Fachabitur abgeschlossen hat, plant sie zu studieren. In welche Fachrichtung das gehen soll, darüber denkt die junge Frau noch nach. In der Bischofsheimer Verwaltung ist Setayish besonders gespannt auf die Abteilung „Finanzen, Steuern und Grundstücksmanagement“, denn in diese Richtung könnte das Studium gehen. red

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare