Justizbehörden Darmstadt
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Am Landgericht Darmstadt endete am Mittwoch der Prozess gegen einen 29-Jährigen wegen besonders schweren Raubes.

Justiz

Stimmen hätten ihn geleitet

  • vonWalter Scheele
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Er zwang eine Frau, aus ihrem Auto auszusteigen. Dann brauste der Mann mit dem Wagen davon. Jetzt stand er vor Gericht.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft endete am Mittwoch der Prozess gegen einen 29-jährigen Angeklagten mit Freispruch. Doch auf freien Fuß kommt der des besonders schweren Raubes Beschuldigte nicht. Statt in einer Gefängniszelle wird er mindestens die nächsten fünf Jahre in der forensischen Psychiatrie Kloster Haina verbringen. Laut Gutachten des Psychiaters Peter Haag war der Mann bei der Tat schuldunfähig.

Für die 1. Große Strafkammer am Landgericht stand gestern nach zweitägiger Beweisaufnahme fest, das der Asylant am 2. Juli vergangenen Jahres in der Darmstädter Straße in Bischofsheim eine 59-jährige Frau mit einem Messer überfallen hat. Er forderte sie mit vorgehaltenem Messer dazu auf, aus dem Fahrzeug auszusteigen, und entriss dem schockierten Opfer den Schlüssel für den Mercedes SLK 280 Cabrio. Nach mindestens zwei fehlgeschlagenen Startversuchen brauste er davon. Sein Opfer leide noch heute an Angstzuständen und Schlafstörungen als Folge der Tat.

Zeuge wird beinahe Opfer

Einen 19-jährigen Studenten brachte der Autoräuber in Lebensgefahr. Als der sich vor den Wagen stellte und ihn so zu stoppen versuchte, drohte der Angeklagte den jungen Mann zu rammen. Dieser brachte sich nur noch mit einem Hechtsprung zur Seite in Sicherheit.

Die sofort eingeleitete Fahndung der Polizei lief ins Leere. Auch der Einsatz eines Polizeihubschraubers erwies sich als erfolglos. Die spätere Erfolgsmeldung der Darmstädter Polizei, man habe den Wagen am 6. Juli in Bayern geortet und den Fahrer festgenommen, erwies sich als so nicht richtig. In der Gerichtsverhandlung stellte sich der Ablauf anders dar. Demnach hatte eine Streife der Bundespolizei vor einem Supermarkt in Weiden geparkt. Der 29-Jährige kam auf die Beamten zu, stellte sich und gab den Raub der Nobelkarosse zu. Wegen seines "seltsamen Verhaltens" ließen die Beamten den Autoräuber in die Psychiatrie in Regensburg einweisen.

Erst eine gute Weile später kam der Geständige nach Hessen in Untersuchungshaft. Er räumte hier die Tat auch ein, sagte, "Stimmen" hätten ihm befohlen, den Wagen zu schnappen. Mehrfach sei er mit dem geraubten Mercedes in Tschechien gewesen, dann aber nach Deutschland zurückgekehrt. "Weil ich mich hier sicherer fühle," sagte er gestern der Vorsitzenden Richterin Ingrid Schroff.

Die 1. Große Strafkammer stand bei der Aufklärung der Tat vor einer schwierigen Aufgabe. Zu kompliziert und verwickelt waren die Angaben des Asylanten, der "Befehle vom Teufel" bekommen haben will und sich als Prophet fühlt, wie er sagte. Erst dem erfahrenen Gerichtsgutachter, Facharzt für Psychiatrie Peter Haag, gelang es, das Vertrauen des Angeklagten so weit zu gewinnen, dass er am vergangenen Freitag (12. März) etwas Licht in die verworrene Gedankenwelt des Angeklagten bringen konnte. Der Gutachter bescheinigte dem Mann schließlich Schuldunfähigkeit im Sinne des deutschen Strafrechts wegen schwerer paranoider Schizophrenie.

Gefahr für die Öffentlichkeit

Gleichzeitig machte Peter Haag dem Gericht klar, dass der 29-Jährige in seinem gegenwärtigen Zustand eine dauernde Gefahr für die Öffentlichkeit sei. Ohne intensive psychiatrische Therapie, die sorgfältig überwachte Einnahme von Medikamenten und eine Lösung aus seinem sozialen Umfeld in Groß-Gerau bestehe für die Zukunft die Gefahr weiterer Straftaten.

Vorsitzende Richterin Ingrid Schroff und die Strafkammer folgten dieser Einschätzung. Zwar war der Angeklagte wegen Schuldunfähigkeit nach Paragraf 20 des Strafgesetzbuches freizusprechen, doch war die Sache für ihn damit nicht erledigt. Nach dem offiziellen Ende des Verfahrens verfügte die Kammer mit einem Unterbringungshaftbefehl die sofortige Überstellung des Häftlings aus der Untersuchungshaft in die forensische Psychiatrie im ehemaligen Kloster Haina.

Walter Scheele

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