Die Wände stehen und sind kaum zu übersehen. Bernd Baton, Rolf Sauer, Ottmar Kunert und Volker Hartmann (von links) auf dem Gerüst des Kunstwürfels bei einer kurzen Arbeitspause. Foto: Grösch
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Die Wände stehen und sind kaum zu übersehen. Bernd Baton, Rolf Sauer, Ottmar Kunert und Volker Hartmann (von links) auf dem Gerüst des Kunstwürfels bei einer kurzen Arbeitspause.

Kultur

Vier bunte Wände für die Kreativen

  • Anna Grösch
    vonAnna Grösch
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Arbeiten am Kulturprojekt Kunstwürfel gehen voran - Verein startet Crowdfunding-Kampagne

Keine Konzerte, keine Lesungen, geschlossene Museen - für die Kunst- und Kulturszene ist die Corona-Pandemie eine Katastrophe. Dass es so kommen würde, damit konnte das Team des Vereins Kunst-Würfel selbstverständlich nicht rechnen, als 2017 die Idee entstand, aus den Mauern des ehemaligen Tegut-Gebäudes einen Ort für Kunst und Kultur zu machen. Nun steht der Kunstwürfel bei der Hans-Dorr-Allee. Eigentlich sollte es bis zu den ersten Veranstaltungen nicht mehr lange dauern. Doch wie dieser Sommer für Künstler weitergeht, das weiß niemand.

Das Team rund um Volker Hartmann vom Kunstwürfel hat sich deshalb etwas ausgedacht und eine Crowdfunding-Kampagne, also eine Sammelaktion über eine Online-Plattform gestartet. Tatenlos zusehen will man nicht. "Normalerweise zahlen wir den Künstlern kein Honorar", erklärt Hartmann, während er vor dem eingerüsteten Würfel steht, an dem seine Mitstreiter werkeln. "Aber in dieser Zeit wollen wir den Künstlern etwas für ihren Aufwand geben." Von den Einschränkungen seien sie schließlich besonders betroffen. Am Freitag, zwei Tage nach Start der Crowdfunding-Kampagne, sind auf der Website der Überlandwerke GmbH (ÜWG) "GG-Crowd" schon mehr als 500 Euro zusammengekommen.

Es geht an die Detail-Arbeit

2800 Euro sind das Ziel. Spender bekommen auch etwas für ihre Unterstützung. Ab 50 Euro erhält man zum Beispiel ein Originalbild, ab 75 Euro den Kunstwürfel im Mini-Format als Sitzgelegenheit. Kommt der Zielbetrag nicht zusammen, bekommen alle Spender ihr Geld zurück. Die ÜWG gibt zu jeder Spende ab zehn Euro noch weitere zehn Euro dazu. Wann der Kunstwürfel aber wirklich für Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen öffnen kann, ist noch unklar, nicht zuletzt wegen der Corona-Einschränkungen. Zuerst müssen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Hartmann rechnet damit, dass das nicht mehr allzu lange dauert. Mai oder Juni dieses Jahres schweben ihm vor. Der Boden ist betoniert, die Wände von innen gestrichen und dank Überdachung vorm Regen geschützt.

Dabei passiert viel in Eigenregie, wie Hartmann erzählt. "Auf der Baustelle sind wir meist drei bis vier Personen." Hartmann ist für die Elektrik zuständig. Die meiste Arbeit werde durch Freiwillige, Sponsoren und Spenden finanziert. "Ich bin wirklich erstaunt und erfreut, wie viele Firmen aus Bischofsheim und der Umgebung uns bisher unterstützt haben."

Der künstlerische Anspruch ist da

Doch der Kunstwürfel soll mehr als ein buntes Beton-Quadrat am Rande des Wohnviertels werden. "Die Aufmerksamkeit, die er von außen auf sich zieht, soll er auch im Inneren bekommen." Deshalb sei eine Deckenverkleidung zur besseren Akustik in Planung, demnächst soll auch die kleine Bühne im Raum aufgebaut werden, ein großer Wandschrank für die Bestuhlung und Equipment ist in Planung. Vorrichtungen für eine Wandgalerie sind ebenfalls in Arbeit. Hartmann und sein Team sind schon mit einer Musikhochschule im Gespräch. Die jungen Künstler sollen im Kunstwürfel die Möglichkeit bekommen, ihre ersten Schritte zu gehen.

Hartmann selbst verbringt in der Woche rund 30 Stunden auf der Baustelle. "Zum Leidwesen meiner Frau und meiner Familie", wie er schmunzelnd sagt. "Aber es macht mir Spaß." Als Marketing-Experte in Rente weiß er außerdem, wie wichtig es ist, auch dafür ein gutes Konzept zu haben. Eine Master-Studentin hat dieses für den Kunstwürfel im Rahmen ihrer Abschlussarbeit erstellt. "Wir haben einen gewissen Anspruch an das Projekt", erklärt Hartmann. Und deswegen geht es dann auch mit dem Einsetzen der Fenster weiter. "Damit werden wir heute hoffentlich fertig." Die Plattform für Spenden ist erreichbar unter gg-crowd.de/kuenstler-untertstuetzung.

Weitere Infos zum Kunstwürfel gibt es per E-Mail an info@kunst-wuerfel.de oder direkt bei Volker Hartmann unter 01 71 - 5 73 98 76. Anna Grösch

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