1. Startseite
  2. Region
  3. Kreis Groß-Gerau

Am Bismarckplatz darf nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Langsam satt hat die Königstädterin Julia Fritsch es, ständig angepöbelt zu werden, wenn sie auf der Straße rund um den Bismarckplatz Schritttempo fährt. Mit ihren Kindern verbrachte sie einige Stunden vor Ort und tat, was auf einer Spielstraße erlaubt ist.

Clara und Felix malen mit Kreide Blumen auf die Straße. Genau dort, wo an allen drei Zufahrten ein großes blaues Schild darauf hinweist, dass es sich um eine verkehrsberuhigte oder Spielstraße handelt. Ständig kommen Autos gefahren, die erst beim Anblick der Kinder abbremsen. „Spielstraße“, ruft Clara und deutet mit ernstem Blick auf eines der blauen Schilder. Die Reaktion des Fahrers am Steuer seines Wagens ist Kopfschütteln.

Julia Fritsch, die mit aufmerksamem Blick ihre Kinder und die herannahenden Autos im Auge behält, erzählt, sie sei mit Schrittgeschwindigkeit in der Spielstraße gefahren, als ein Autofahrer sie hupend überholte und sie unflätig beschimpft habe. An der Ecke zur Astheimer Straße passte er sie ab und fragte wütend, warum sie so langsam fahre. Sie erklärte ihm die Sache mit der verkehrsberuhigten Zone, worauf sie sich sagen lassen musste, sie würde lügen.

Deutliche Symbole

Drei große blaue Schilder sind jeweils an den Straßeneinfahrten angebracht. Sie zeigen ein ballspielendes Kind, einen Erwachsenen, ein Auto und ein Haus. Deutliche Symbole für eine Spielstraße. In so gekennzeichneten Straßenabschnitten haben Kinder und Erwachsene, die zu Fuß unterwegs sind, Vorrang. Andere Verkehrsteilnehmer müssen besondere Rücksicht nehmen. Es gilt Schritttempo, das zwischen vier und sieben Kilometern pro Stunde liegt. Diese Vorsichtsmaßnahmen sind dafür gedacht, dass Kinder ohne Gefährdung spielen können. Verkehrsteilnehmer sind verpflichtet, stehen zu bleiben und zu warten, bis die Kleinen sie wahrnehmen und Platz machen.

So weit lautet die Theorie. Doch der sonnige Nachmittag zeigt, dass die Praxis völlig anders aussieht. „Wenn keine Kinder auf der Straße sind, dann wird Gas gegeben. Dann interessiert es keinen“, sagt Fritsch. Im sozialen Netzwerk informierte sie zuvor darüber, dass sie an diesem Tag vor Ort sein wird und bat um Unterstützung.

Plötzlich steht Margit Mondorf da, die am Bismarckplatz im Haus Nummer 8 wohnt. „Da spielen ja Kinder. Ich bin erschrocken. Das ist ja so gefährlich. Ich bin runtergekommen, um die Kinder zu warnen“, sagt sie und ist beruhigt, als sie die Eltern sieht, die auf ihren Nachwuchs aufpassen. „Die schauen einen an, als ob wir sie nicht alle hätten“, ärgert sich Fritsch.

Erfahrungen gesammelt

„Die Autofahrer haben Vorrecht“, ruft ein älterer Herr aus seinem Auto heraus. Auch Admir Mitko Nurkovic, der Pächter der Krone am Bismarckplatz, hat schon seine Erfahrungen gesammelt. Man habe ihn angepflaumt und er musste sich anhören, er brauche wohl noch mal Fahrstunden, nur weil er das gesetzlich vorgeschriebene Schritttempo einhielt. Die kleine spontane Aktion der Kinder unterstützt er, indem er ihnen Getränke bringt.

Ortsvorsteher Karl-Heinz Schneckenberger (Linke) schaut auch vorbei. Die ganze Straßenführung im Bereich Bismarckplatz gefällt ihm nicht. Köpfe werden geschüttelt und es hagelt wütende Blicke und aggressive Kommentare von den Autofahrern. Selbst eine Radfahrerin schüttelt den Kopf. Niemand lässt sich auf die Erklärungen der die Spielstraße Nutzenden ein. Es scheint nicht gemocht zu werden, auf eigenes Fehlverhalten hingewiesen zu werden. Ein Autofahrer gibt sogar noch Gas, als er weiterfährt.

Dann kommt ein Fahrschulauto und der Fahrlehrer lässt seinen Schüler Schritttempo fahren. Er wendet sich den Anwesenden zu und schenkt ihnen ein wohlwollendes Lächeln.

Rund zwei Stunden bleiben fünf Kinder und ihre erwachsenen Begleiter auf der Spielstraße. Verständnis ist bei den meisten Verkehrsteilnehmern nicht zu finden. Die Aktion, mit der darauf aufmerksam gemacht werden sollte, dass die Straßen um den Bismarckplatz nur mit Schritttempo befahren werden dürfen, hat nicht viel gebracht. Vielleicht bewirken Knöllchen etwas. Auf jeden Fall ist es vor Ort viel zu gefährlich für spielende Kinder.

Auch interessant

Kommentare