Landrat Thomas Will meldet sich per Video aus dem Helvetia Parc: Im Hintergrund viele Wartende.
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Landrat Thomas Will meldet sich per Video aus dem Helvetia Parc: Im Hintergrund viele Wartende.

Corona

„Ein schlechter Witz“: Landrat verärgert mit Booster-Aussage

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Der Landrat in Groß-Gerau will Klartext reden und seinen Frust über die Corona-Politik des Bundes loswerden. Doch eine Aussage verärgert Booster-Impfwillige.

Groß-Gerau – Eigentlich wollte Landrat Thomas Will (SPD) nur über die aktuelle Corona-Impfsituation im Kreis Groß-Gerau aufklären. Doch mit einer Formulierung löste der Landrat alles andere als positive Reaktionen aus.

Was war geschehen? In einem Video auf der Facebook-Seite des Kreises informiert der Landrat über die aktuelle Corona-Lage. Im Hintergrund ist eine lange Schlange von mehreren Hundert Menschen auf dem Gelände des Helvetia Parcs in Groß-Gerau zu sehen. Will selbst bezeichnet dieses Bild als Symbol „für das Scheitern der Bundespolitik im Bereich Gesundheit, Impfen und Vorsorge“. Viele Landräte und Bürgermeister hätten sich für die Impfzentren eingesetzt, stattdessen seien sie geschlossen worden.

Corona in Groß-Gerau: Landrat verärgert mit Aussage zu Booster-Impfungen

Nun seien die wenigen Stationen absolut überlaufen und man sei nur langsam in der Lage, neue Stellen zu schaffen. Nur vier Tage habe man etwa Zeit gehabt, um im Helvetia Parc in Groß-Gerau alles aufzubauen. „Das war eine riesige Kraftanstrengung“, sagt der Landrat. 300 Menschen wolle man nun dort jeden Tag gegen Corona impfen. Zusätzlich plane man ein „Impfzentrum Light“ in Rüsselsheim.

Dann jedoch traf er eine Aussage, die später teils kontrovers aufgenommen wurde. „Wir müssen vor allem jene impfen, die ihre Erstimpfung noch nicht haben“, so Will. Man müsse mit dem Boostern verantwortungsvoll umgehen. „Boostern ja, aber bitte jetzt nicht alle noch im November und Dezember“. Boostern reiche auch noch im Januar und Februar, schließlich sei ein Corona-Impfschutz schon vorhanden.

Auch Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer (Grüne) wiederholte diese Aussage und bat um Verständnis, dass man die Boosterauffrischung etwas nach hinten schiebe, „wir schaffen es leider nicht mit dem Personal“.

Corona in Groß-Gerau: Booster-Impfwillige haben wenig Verständnis für Aussage

Viele Facebook-Nutzer hatten dafür gelinde gesagt wenig Verständnis. „Der Gesundheitsminister fordert zum Boostern auf und vor Ort bekommt man gesagt, bleibt Zuhause. Mir ist schon klar, warum es in vielen Ländern besser läuft als bei uns. Am Bürger liegt es jedenfalls vorrangig nicht!“, kommentierte eine Nutzerin.

Andere berichten, dass sie mehrere Stunden in der Kälte warteten und dann am Ende vom Helvetia Parc weggeschickt wurden, weil es an dem Tag keinen Corona-Impfstoff mehr gegeben habe.

Die Corona-Lage in Groß-Gerau sei stückweise auch hausgemacht, meint ein anderer. „Wenn man auf seiner Homepage zum mobilen Impfen nicht schreibt, wer eine Boosterimpfung bekommt (z.B. frühestens nach sechs Monaten), muss man sich nicht wundern, wenn zu viele kommen und genervt sind, wenn sie weggeschickt werden, obwohl man ihnen vorher sagte, dass sie kommen können.“

Corona in Groß-Gerau: „Die Menschen hatten Zeit genug, sich impfen zu lassen!

Eine Lösung wäre wohl, wie ein anderer Nutzer schreibt, die Apotheken fürs Impfen heranzuziehen. „Die können das.“ Viele ärgerten sich über die Lage. So schrieb etwa ein Nutzer: „300 Menschen pro Tag impfen, das ist doch ein schlechter Witz. Die Hausärzte sind bis Januar mit den Auffrischungsimpfungen für 70+ ausgelastet. Jeder, der jünger als 70 ist, kommt aktuell nicht an eine Auffrischungsimpfung dran.“ Ein Facebook-Teilnehmer schrieb: „Die Menschen hatten Zeit genug, sich impfen zu lassen! Selber schuld!“.

Aber es gab auch Verständnis für die Lage. So schreibt eine Nutzerin: „Die Kritik, dass nicht jeder gleich dran kommt, an Herrn Will oder an Herrn Astheimer, finde ich ganz schlimm. Dann muss man halt noch mal kommen. Seid doch einfach mal dankbar, dass es bei uns so was überhaupt gibt. Danke, an die Impfteams für Euren Einsatz, gerade in der oft angeheizten Stimmung.“ (als)

Der Chefarzt in der Kreisklinik Groß-Gerau rechnet mit einem Anstieg der Erkrankungen mit Long-Covid.

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