Die Kreisklinik in Groß-Gerau arbeitet nach wie vor nicht wirtschaftlich. Zu diesem Thema soll es noch in diesem Jahr eine Sondersitzung des Kreistages geben. FOTO: Hans Dieter Erlenbach
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Die Kreisklinik in Groß-Gerau arbeitet nach wie vor nicht wirtschaftlich. Zu diesem Thema soll es noch in diesem Jahr eine Sondersitzung des Kreistages geben.

Gesundheitswesen

Die Kreisklinik bleibt das Sorgenkind

Das Krankenhaus arbeitet weiterhin defizitär. Der Kreistag erwartet einen umfassenden Bericht zur Situation.

Kreis Groß-Gerau -Dass der Kreis Groß-Gerau nicht, wie in früheren Jahren von der Opposition immer wieder gefordert, sein defizitäres Krankenhaus geschlossen hatte, erwies sich in den vergangenen Monaten nicht nur für die schwerstkranken Corona-Patienten aus dem Kreisgebiet als Segen, sondern auch für andere Patienten aus der Rhein-Main-Region, die wegen voller Betten in ihrem direkten Umfeld in Groß-Gerau behandelt werden konnten. Dennoch bleibt die Kreisklinik das Sorgenkind, denn trotz vieler Sanierungsmaßnahmen kommt das Krankenhaus nicht so richtig auf die Beine. In einer Sondersitzung soll der Kreistag noch dieses Jahr darüber beraten, wie es mit der Klinik in Zukunft weitergeht. Das hat der Kreistag am Montag beschlossen.

Die Belegungszahlen des Kreiskrankenhauses bleiben nach wie vor deutlich unter denen anderer Kliniken und den angepeilten Zahlen zurück. Die 120 Betten sind nach einem Bericht der Klinikleitung nur zu etwas mehr als 50 Prozent ausgelastet. Nötig wären mehr als 70 Prozent. Der Planwert von 508 zu behandelnder Fälle wurde bisher noch nie erreicht. Zudem handelte es sich bei den Patienten meist nur um leichte Fälle. Die Aufenthaltsdauer in der Kreisklinik war deshalb meist nur gering, was sich negativ auf die Einnahmen auswirkt. Im Mai und August waren aus dem Kreisetat jeweils rund 1,5 Millionen Euro an Zuschuss an das Kreiskrankenhaus überwiesen worden.

In einem Bericht erklärt die Krankenhausleitung, die Klinik sei noch mitten in der Sanierungs- und Umstrukturierungsphase, der Kreis muss sich demnach noch auf eine längere Phase mit Zuschüssen einrichten. Für einen Teil der Kommunalpolitiker ist das kein Problem, andere Fraktionen fordern, das Kreiskrankenhaus müsse sich Richtung Kostendeckung bewegen.

In der Sondersitzung erwarten die Fraktionen von der Klinikleitung einen umfassenden Bericht, wie und wo Geld eingespart und weitere Einnahmen generiert werden können, um zumindest von dem derzeitigen Millionenzuschuss mittelfristig herunterzukommen.

Lüftungsanlagen für Grundschulen

In einem weiteren Tagesordnungspunkt befasste sich der Kreistag mit den Schulen. An mehreren Grundschulen des Kreises werden mobile Lüftungsanlagen eingebaut. Allerdings erst bis zu den Sommerferien 2022, denn wegen der großen Nachfrage sind die Anlagen auf dem Markt derzeit Mangelware. Da der Kreis bereits seit 2009 bei Schulsanierungen Lüftungsanlagen einbaut, hat er hier gegenüber anderen Landkreisen einen Vorsprung. Nur an sechs Grundschulen, vor allem im Süden des Kreises, sollen nun mobile Anlagen beschafft werden, wobei der Ergänzungsantrag der CDU angenommen wurde, Landes- und Bundeszuschüsse auszuschöpfen. Auch über Corona hinaus sollen später die mobilen Anlagen in den Schulen verbleiben.

An den Schulen des Kreises sind in den vergangenen Monaten 354 Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren an Corona erkrankt. Deshalb müsse in den kommenden Monaten alles getan werden, um die Kinder in den Schulen zu schützen. Da in der kalten Jahreszeit nicht ständig die Fenster offen sein können, sind Lüftungsanlagen umso wichtiger. Bis die mobilen Geräte zur Verfügung stehen, muss aber immer noch regelmäßig gelüftet werden, die Kinder müssen sich entsprechend warm anziehen. Nur Freie Wähler und AfD waren gegen die Anlagen. Burghardt Ziegler sagte für die Freien Wähler, man solle in jedem Einzelfall prüfen, ob Lüftungsgeräte erforderlich seien.

Soll der Kreis Groß-Gerau mehr Flüchtlinge aus Afghanistan aufnehmen als er eigentlich laut Zuweisung muss? Diese Frage wurde am Montag im Kreistag heftig diskutiert. SPD, Grüne und Linke/Offene Liste hatten sich dafür ausgesprochen, gefährdete Menschen aufzunehmen und ihnen die Möglichkeit zu geben, hier sesshaft zu werden, eine Ausbildung zu machen und in Frieden zu leben.

Marcel Baymus (Linke) betonte, der Kreis habe sich selbst den Titel "Sicherer Hafen" gegeben. Er betonte, in Afghanistan seien nicht nur jene Menschen gefährdet, die deutsche Truppen unterstützt hätten, sondern auch Frauen, die in Emanzipationsbewegungen aktiv waren, oder geschlechtlich divers orientierte Menschen. Sie alle seien vom Tod bedroht. "Wir dürfen diese Menschen nicht im Stich lassen", so Baymus, zudem dürften in Zukunft keine Menschen mehr nach Afghanistan abgeschoben werden.

Ioannis Karathanasis (grüne) erklärte, der Kreis habe bisher 85 Menschen aus Afghanistan aufgenommen, darunter drei Familien von afghanischen Mitarbeitern der Bundeswehr. "Da ist noch viel Potenzial". Nun gelte es, für diese Menschen bürokratische Hürden abzubauen und ihnen Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.

Adäquate Unterbringung

Sabine Bächle-Scholz (CDU) konzentrierte sich darauf, die entsprechenden Beschlüsse von Bund und Land aufzuzählen. Hessen stelle sich bereits der Verantwortung, "aber wir alleine können die Not der Menschen am Hindukusch nicht lösen".

Ingeborg Horn-Posmyk (AfD) meinte, die Flüchtlingswelle von 2015 dürfe sich nicht wiederholen. Die Menschen aus Afghanistan sollten statt in Deutschland lieber in den Nachbarstaaten ihres Heimatlandes unterkommen, weil dort auch ihre Religion gelebt werde. "Nur wer sich hier anpasst, sollten wir aufnehmen", so Horn-Posmyk.

Die Freien Wähler hatten mit dem Antrag, mehr afghanische Flüchtlinge aufzunehmen, noch den sozialen Wohnungsbau verknüpft, was bei einigen Fraktionen Verwunderung auslöste. Das sei ein Thema, das extra diskutiert werden müsse. Ziegler sagte, nur wenn genügend bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehe, könnten geflüchtete Menschen adäquat untergebracht werden. Der Koalitionsantrag wurde schließlich angenommen. Hans Dieter Erlenbach

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