Kinder-Uni

In einer Jeans steckt viel Chemie

Die Kinder-Uni soll dem Nachwuchs einen Einblick in den Universitätsbetrieb gewähren. Dabei ging es in diesem Jahr um ein Kleidungsstück, das alle zu Hause im Schrank hängen haben: Die Jeanshose.

Simon Vogelsang ist begeistert: „Das hat alles mein Sohn mitgeschrieben“. Verblüfft hält er eine dicht beschriebene Seite in der Hand. Ganz akkurat hat der achtjährige Noah notiert, was ihn bei der Vorlesung interessiert hat.

Den Schüler der Bauschheimer Otto-Hahn-Schule hat vor allem beeindruckt, wie viel Chemie beim Herstellen einer Jeanshose zum Einsatz kommt. „Darauf will ich in Zukunft achten, ich will umweltfreundliche Sachen anziehen“, beteuert er. Insgesamt sei die Vorlesung toll gewesen, sagt er, während er mit seinem Vater in Richtung Mensa läuft. Nach einer Stunde Theorie im Hörsaal der Fachhochschule ist nun eine Essenspause eingeplant. Danach steht ein Workshop im Stadt- und Industriemuseum auf dem Plan.

Auch in diesem Jahr ist es den Organisatoren – einem Team aus Mitarbeitern von städtischer Jugendförderung und Hochschule Rhein-Main – gelungen, eine der drei Veranstaltungen des Kinder-Uni-Wintersemesters passend zur aktuellen Mitmach-Ausstellung im Museum anzubieten. Während die Vorlesungen offen für alle sind, sind die Plätze für die Workshops auf 75 begrenzt „Und immer heiß begehrt“, weiß Ronja Hörl von der Jugendförderung.

Die Vorlesung von Professor Michael Ballhorn bietet dieses Jahr nicht nur den acht bis zwölfjährigen Teilnehmern einen Einblick in zukünftige Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Vorlesung wird zum ersten Mal mit tatkräftiger Unterstützung mehrerer Studenten des Fachbereichs Umwelttechnik abgehalten. Ein bisschen aufgeregt sind die jungen Frauen und Männer, doch gehen auch sie aufmerksam auf die Rückfragen der Mädchen und Jungen ein.

Beim ursprünglich ausgeschriebenen Thema „Aus dem Reisetagebuch eines T-Shirts“ haben die Dozenten kurzfristig das T-Shirt gegen die Jeanshose getauscht. Und so erfahren die Schüler, wie viele Arbeitsschritte ab dem Anbau der Baumwolle nötig sind, bis eine fertige Jeans im Ladenregal liegt. Und dass jeder dieser Arbeitsschritte an einem anderen Ort der Welt stattfindet, unter häufig sehr belastenden Bedingungen für die Arbeiter und die Umwelt.

Zum Schluss erfahren die jungen Zuhörer, dass von einer Jeans, die im Laden 100 Euro kostet, nur ein Euro an alle daran beteiligten Arbeiter – also Baumwollpflücker, Weber, Färber, Näher und Veredler – geht. Am meisten verdiene der Einzelhandel, mit 50 Prozent, gefolgt 25 Prozent für die Markenfirmen.

Ein wenig theorielastig sei die Vorlesung, berichtet ein Vater im Anschluss. Während es sonst meist auch ein kleines Experiment oder Anschauungsmaterial gegeben habe, sind diesmal kurze Filmeinspieler die einzige Auflockerung.

Der neunjährige Nuay von der Goethe-Schule ist aber dennoch sehr angetan. „Ich wusste gar nicht, woraus eine Jeans besteht“, sagt er. Nächstes Jahr wolle er auf jeden Fall wieder kommen, denn „ich will noch mehr wissen“, beteuert er.

Im Museum werden die Kinder in zwei Gruppen eingeteilt. Während die eine Hälfte durch die Ausstellung geführt wird, dürfen die anderen eine Tasche aus einem alten T-Shirt basteln. Hier treffen wir den kleinen Nuay wieder. Eifrig kämpft er mit den Tücken des Materials. Es ist gar nicht so leicht, ein T-Shirt-Bündchen mit einer kleinen Bastelschere durchzuschneiden. Mit tatkräftiger Unterstützung von Studentin Lisa Sommer gelingt es dann aber doch.

Auch dieses Jahr darf der Nachwuchs auf einem Flipchart Themenwünsche für das nächste Jahr eintragen. Die Bandbreite der Wünsche ist groß: Sie reicht von der Frage „Wie entstehen Bleistifte?“ bis zum Wunsch zu erfahren, wie die Erde entstanden ist.

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