Letzte Ehre

Freunde und Familie verabschieden sich von Thomas Hess

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So viele Trauernde haben sich in Geinsheim wohl noch nie versammelt. Biker, Rocker und Metaller erwiesen ihrem Freund die letzte Ehre.

Lautes Dröhnen der Motoren, ein Chopper nach dem anderen fährt vor den Friedhof des beschaulichen Treburer Ortsteils Geinsheim vor. Es hat sich bereits eine große Menschenmenge vor dem Tor versammelt. Bärtige Männer, tätowiert, Sonnenbrillen auf der Nase. Ihre Kutten weisen sie als Mitglieder der Motorradclubs „Black Devils“, „Bones“ und „Golden Drakes“ aus. Andere tragen Wacken-Fan-Shirts, sie sind extra mit dem Reisebus mit Itzehoer Kennzeichen angereist. Hunderte haben sich an dem sonnigen Donnerstagnachmittag am Friedhof versammelt, um einem von ihnen die letzte Ehre zu erweisen.

Am 5. April ist Thomas Hess im Alter von 57 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben.

Viel zu früh

, sagen die Trauernden. Sie haben sich vor der Halle aufgestellt, denn im Gebäude ist kein Platz mehr. Über Lautsprecher hören sie im angrenzenden Friedhof die tröstenden Worte der Pastorin. Hess hatte sich einen Namen als Gründer und Geschäftsführer der Sicherheitsfirma IH Security (1991) mit Sitz in Bad Soden gemacht. Als solcher leitete er ab 1996 die Produktion des Wacken Open Airs, damals noch als Tourmanager der deutschen Rockband „Böhse Onkelz“.

„Er hat das Wacken mitgeprägt“, sagte Thomas Jensen in seiner Ansprache, der seit 28 Jahren das bekannte Heavy-Metal-Festival organisiert. „Thomas agierte in seinen Bereichen stets nach dem Motto ,Stillstand ist Rückschritt’. An allen Ecken und Kanten versuchte er die Arbeit der Crew zu erleichtern, die Ergebnisse zu verbessern und die Abläufe zu optimieren. Wirkliche Probleme gab es für ihn nie, nur Herausforderungen, die einer Lösung bedurften.“

Seine Wegbegleiter beschreiben ihn als Mann mit harter Schale und weichem Kern. „Sein mal grober, mal feiner Humor sorgte immer wieder für ausgelassenes Gelächter auf Produktionen und in Meetings“, charakterisiert ihn Jensen. Die ein oder andere Anekdote bringt dann auch die Trauergäste zum Lachen. „Thomas hinterlässt eine gewaltige Lücke.“

Die hinterlässt er auch bei den „Böhsen Onkelz“. Bis zur vorläufigen Auflösung der Band im Jahr 2005 hatte er die Rocker auf ihren Touren begleitet. „Den dicken Mann zu markieren ist einfacher, als hier oben zu stehen“, sagt Bandleader Stephan Weidner vor den Trauergästen. „Keiner außer ihm trug die ,Onkelz’ so im Herzen. Ohne Thomas wäre die Geschichte der ,Onkelz’ anders verlaufen, das steht fest.“ Nicht umsonst hatte Hess auch den Spitznamen „der fünfte Onkel“ inne.

Die „Böhsen Onkelz“ verabschieden sich von ihrem früheren Tourmanager und Freund mit ihrem Lied „Ihr hättet es wissen müssen“: „Uns kann’s nicht immer geben, sehen uns im nächsten Leben, am Ende einer Reise, auf unsere eigene Weise.“ 2004 hatte die Band den Song auf dem Album „Adios“ veröffentlicht. Einmal mehr bestätige sich, dass das Leben ein Balanceakt sei und jeder eines Tages abstürze, philosophierte Weidner.

Schließlich wurde Hess in einer Urne bei „I Will Always Love You“ von Soul-Diva Whitney Houston zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Geinsheimer Friedhof getragen.

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