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Wie die Freunde Sprenglingens Heckenborn aufwerten wollen

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Von: Nicole Jost

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Die Freunde Sprendlingens wollen nicht nur die örtliche Geschichte bewahren. Sie bemühen sich auch darum, dass die Bürger sich mit dem schönen Stadtteil identifizieren. Jetzt hat der Verein ein neues Projekt angestoßen.

Vorsitzender Wilhelm Ott hat ein Faible für schöne und geschichts-

trächtige Steine, und auch die Brunnen rund um die Dreieich liegen ihm am Herzen. Nun haben Ott und seine Mitstreiter ein ganz besonderes Projekt für die Sprendlinger Neubürger im Baugebiet Heckenborn angestoßen.

Mit der Erschließung des Areals zwischen der Herrnröther Straße in Richtung A 661 erforschten die Herren die Herkunft des Namens. „Alles spricht für einen Brunnen – eben einem Born – in der Hecke“, erläutert Wilhelm Ott. Die Männer machten sich auf die Suche und fanden auch ein Wasserloch am Rande des Borngrabens in der Nähe der Autobahn. „Bei genauerem Hinsehen hat sich aber gezeigt, dass das Wasser aus einem Eisenrohr läuft. Es stammt aus einem alten Überlaufbecken“, so Ott. Das war also schon mal die falsche Spur.

Graben zugeschüttet

Der Vorsitzende griff dann zur Literatur des Lehrers und Heimatforschers Karl Nahrgang und wurde in einem seiner Bücher aus den 1960er Jahren auch schnell fündig: „Nahrgang schreibt davon, dass der Heckenborn vom Gänsgraben entwässert wird. Leider gibt es den Gänsgraben inzwischen nicht mehr. Er ist zugeschüttet. Doch wir haben ihn auf alten Karten entdeckt.“ Die engagierten „Freunde Sprendlingens“ haben die Spur des Wasserlaufs verfolgt und schließlich standen sie in ihren dornenfesten Jacken und Gummistiefeln auch tatsächlich im Wasser.

Natürlich hätten sie dort am liebsten wieder einen echten Heckenborn gesetzt. „Aber da haben uns die Untere Naturschutzbehörde und die Wasserschutzbehörde einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das ist Außengelände, und damit ein Eingriff nicht erwünscht. Das verstehen wir “, sagt Ott.

Die Idee, einen echten Heckenborn wieder zum Leben zu erwecken und damit für das Neubaugebiet einen „sinnstiftenden“ Treffpunkt zu schaffen, hat Ott jedoch nicht aufgegeben. „Zum Glück haben wir mit Stadtrat Martin Burlon einen Fürsprecher, der sich für unser Vorhaben begeistern konnte“, berichtet Ott.

Das Neubaugebiet bekommt eine großzügige Grünzunge zwischen die Häuserzeilen. Dort entstehen Bäume und ein Spielplatz. Am unteren Ende der Anlage, Richtung Wiesen und Autobahn, wollen die Vereinsmitglieder im kommenden Jahr in rund 30 Meter Entfernung einen kleinen Platz mit Sitzgelegenheit, einem Heckenborn mit Wasserpumpe, einem Baum und einem Stein errichten.

Bank und Hainbuche

Es wären nicht die Freunde Sprendlingens, wenn sie sich nicht jedes geschichtsträchtige Detail für dieses Projekt überlegt hätten. Der Brunnenstein wird ein alter Kanzelstein aus Sandstein aus der Erasmus Alberus Kirche in Sprendlingen. Den hatte Wilhelm Ott vor drei Jahren aus dem damals verkauften Areal des Kirchgartens gesichert. Er war von 1969 bis 1986 in der Kirche verbaut. Dieser Stein soll mit einer Pumpe ausgestattet werden, damit vor allem spielende Kinder Wasser hoch pumpen können. Mit einer Bank und einer Hainbuche soll der kleine, dreieckige Platz zum Verweilen einladen. Außerdem wird auch noch ein alter Güterstein seinen Platz auf dem Gelände bekommen.

„Wir möchten mit dieser finanziell ganz überschaubaren Aktion den neuen Dreieichern im Heckenborn die Möglichkeit geben, sich mit ihrer neuen Heimat zu identifizieren“, erklärt der engagierte Heimatforscher. Der Plan der Freunde Sprendlingens sieht jetzt vor, dass zunächst die Grünzunge von der Stadt gestaltet und dann der Weg hergerichtet wird. Wilhelm Ott geht davon aus, dass im Frühjahr 2019 dort schon das Wasser gepumpt werden kann. Eine Idee für den Namen des Pfades hin zum neuen Heckenborn hat Ott auch schon: „Die Sprendlinger haben diesen Weg, der einst entlang eines Pilgerpfades zwischen Frankfurt, Götzenhain und Dieburg lag und offiziell „Am katholischen Weg“ hieß, immer den Katzenpfad genannt. Das würde doch jetzt auch ganz gut passen.“

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