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Purzel spendet Trost: Silke Jürgen als gestiefelter Kater und Stefan Dörr als Müller Martin im Saalbautheater.

Saalbautheater

Der gestiefelte Kater feiert Premiere

Einige ungewöhnliche Gestalten in schillernden Kostümen – schon gelingt der Bühnenauftritt? Keineswegs, weiß das Saalbautheater und verteilt geschickt die Sympathiewerte seiner Darsteller.

Von der ersten Minute an wissen die Kinder im Saalbau, wem sie die Daumen drücken müssen. In der Aufführung „Der gestiefelte Kater“, die am Samstagabend Premiere feierte, schlägt sich das junge Publikum zielstrebig auf die Seite von „Purzel“, dem cleveren Kerlchen mit Samtpfoten. Andere Protagonisten werden gleichsam geliebt – oder gefürchtet.

Purzel hat es einfach. Sille Jürgen ist in die Hauptrolle geschlüpft und zieht die Kleinen im Saalbau flugs in ihren Bann. Sie miaut immerfort, bewegt sich flink übers Parkett und vereinnahmt den Nachwuchs mit der Bitte, nichts zu verraten, wenn sie sich neben Müller Martin, ihrem von Stefan Dörr gespielten Herrchen, heimlich ins Schloss schleicht, um zu lauschen.

Klar, dass die Mädchen und Jungen im Saal nichts ausplaudern. Sie haben Purzel ja „ein großes Katzenehrenwort“ gegeben. Im Schloss sehen die zwei- und vierbeinigen Verbündeten Diener Bodo, den Carolin Traiser routiniert wie ein Profi mimt. Schnell sackt Bodo mit neunmalklugen Kommentaren („Mit Löffel aß ich die Weisheit“) in der Beliebtheitsskala nach unten.

Ganz im Gegensatz zu Anton, einen bemitleidenswerten Diener des Zauberers, den Sabrina Schmidt so darstellt wie der nette Kumpel von nebenan. Anton kann nicht schreiben, aber schreien, was er zur Freude der jungen Zuschauer ausgiebig hören lässt. Und er kann nicht lesen, aber essen. Solche Wortspielchen vergnügt die Kinder, sogar die Erwachsenen spenden einen extra Applaus.

Den verdient sich ebenso Stefan Dörr, dem alle die Daumen drücken, nachdem er als Müller Martin seine Liebe zur Prinzessin gesteht. Helena Bootz interpretiert diese Rolle liebreizend und sanft. Beim Näherkommen der beiden schmelzen die Mädchen nur so hin vor Hoffnung und Glückseligkeit.

Alles scheint, wie es sich für die heile Welt von Kindern gehört, wenn da nicht plötzlich ein kollektives Hassobjekt durch den Saal poltert und die Bühne unsicher macht: Florian Marx als Roderich, der böse Zauberer, der nur Unheil im Schilde führt und sogar das Mühlrad von Martin zum Stehen bringt. Sein schadenfrohes Lachen dürfte manchen Kindern noch abends beim Einschlafen in den Ohren geklungen haben.

Zum Glück gibt es noch eine Reihe weiterer Figuren, über die sich die jungen Besucher herzlich amüsieren, etwa Königin Ludowika (Simone Rotzal), die so viel in sich reinfuttert, dass sie schwerfällig mit ausgestreckten Beinen aufs königliche Sofa plumpst. Oder Sebastian, der Hofgelehrte (Anett Schick), der gleich zu Beginn tollpatschig über einen Sack Mehl stolpert; letztlich auch das Hofgefolge, das von Tim Jürgen, Pala Traiser und Joris Wendorff in Nebenrollen dargestellt wird.

Am Beifall zur Pause und nach dem letzten Vorhang geizt das Publikum – darunter viele Eltern, die ihre Kleinen begleiten – keinesfalls mit Sympathiebekunden für die Akteure hinter den Kulissen, allen voran Regisseurin Silvia Neugeborn und Souffleuse Irene Marx. Viel Lob verdienten sich ebenfalls Bühnenbauer, Requisiteure, Maskenbildner, Helfer in der Technik und Lothar Marx am Akkordeon.

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