+
Die Bundeswehr besucht auch immer wieder Rüsselsheimer Schulen, um dort für eine Berufsausbildung bei der Berufsarmee zu werben, wie hier Oberleutnant Markus Bayer an einem Gymnasium in Baden-Württemberg.

Kein Verständnis für Bundeswehr-Kritiker

Gewerbeverein verteidigt Beteiligung der Streitkräfte am Berufsinfoabend von Schulen

Die Beteiligung der Bundeswehr an einem Berufsinformationsabend an der Immanuel-Kant-Schule wurde von nur mäßigen Protesten begleitet. Anfang Februar werden die Streitkräfte erneut bei Rüsselsheimer Jugendlichen um Nachwuchs werben.

Wenn am 2. Februar an der Werner-Heisenberg-Schule die vom Gewerbeverein in Kooperation mit der Stadt organisierte Ausbildungsmesse über die Bühne geht, wird auch wieder die Bundeswehr dabei sein und bei Jugendlichen um Nachwuchs werben. Dies teilte der Präsident des Gewerbevereins, Dirk Schäfer, auf Nachfrage mit. Er sehe keinen Grund, die Bundeswehr von dieser Veranstaltung auszuschließen.

Schäfer reagierte damit auch auf die Kritik – unter anderem auch von Landrat Thomas Will (SPD) – an der Beteiligung der Bundeswehr an einem Berufsinformationsabend am vergangenen Montag an der Immanuel-Kant-Schule (IKS) – wir haben berichtet.

„Diskussionen, Proteste und Kritik sind in solch einem Fall selbstverständlich gestattet, sofern sie sachlich verlaufen“, unterstrich Schäfer. Nach Auskunft von IKS-Leiter Rainer Guss sei die angekündigte Protestaktion moderat und ohne Zwischenfälle verlaufen. Lediglich vier Friedensaktivisten hätten vor Ort Handzettel verteilt.

„Skrupellos“

Im Vorfeld des Infoabends hatte der „Arbeitskreis Kriegsgegner_innen“ von einer „Propagandaveranstaltung der Bundeswehr“ und einer „skrupellosen Rekrutierung von minderjährigen Soldaten“ gesprochen.

Ein Vorwurf, den Schulleiter Guss entschieden von sich gewiesen hat. Auch Dirk Schäfer hat für diese Art der Kritik kein Verständnis.

„Zumal die Bundeswehr heute freiwillig ist. Es ist die freie Entscheidung eines jeden einzelnen, ob er zur Bundeswehr geht oder nicht.“ Und diese Freiwilligkeit bleibe allerdings nur erhalten, wenn die Bundeswehr ausreichend Nachwuchs finde.

Ähnlich wie die IKS hält es auch das Neue Gymnasium (NG). Nach Auskunft des Stellvertretenden Schulleiters Matthias Lein war die Bundeswehr in diesem Jahr erstmals bei den Berufs- und Studienorientierungstagen am NG dabei, neben 16 weiteren Institutionen aus Gesellschaft, Industrie, Wirtschaft, Forschung und Lehre. „Bereits zuvor sind die Schüler zu ihren Informationswünschen befragt worden.“ Dabei habe sich ein großes Interesse daran ergeben, auch die Bundeswehr einzuladen.

Reifliche Überlegung

„Für eine Karriere bei der Bundeswehr entscheiden sich unsere abgehenden Schüler freiwillig und nach reiflicher Überlegung – auch und gerade innerhalb der Familien“, ist Lein überzeugt.

„Insofern können wir die im Falle der IKS geäußerte Kritik nicht nachvollziehen.“ An der Max-Planck-Schule ist die Bundeswehr nicht mehr in die interne Berufsberatung einbezogen. „Früher war das so, aber 2014 haben wir uns diesbezüglich umorientiert und den Fokus der Berufsberatung auf Institutionen und Firmen aus dem Einzugsgebiet von Rüsselsheim gerichtet“, erläutert Schulleiter Marc Rhein.

Allerdings gebe es in der Klassenstufe 9 im Fach Geschichte Exkursionen, die über die Bundeswehr abgewickelt würden, beispielsweise zur Grenzgedenkstätte Point Alpha, zum Haus der Geschichte oder zum Museum des Kalten Krieges, beide in Bonn. „Hier wird aber lediglich die Fahrt über die Bundeswehr organisiert. Es handelt sich nicht um eine Werbe- oder Informationsveranstaltung“, bekräftigt Rhein.

Der Berufsinformationsabend an der IKS wurde von den beiden Rotary-Clubs Hochheim-Flörsheim/Oberer Rheingau und Rüsselsheim-Mainspitze organisiert.

Neben der Bundeswehr präsentierten weitere 26 Firmenvertreter den angehenden IKS-Abiturienten unterschiedliche Berufsbilder. Der Abend war Teil einer hessenweiten Berufsinformation unterschiedlicher Rotary-Clubs.

Ralph Keim

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare