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Als Bach und von Trotha (von rechts) auf die Initiatoren der Petition treffen, entwickelt sich eine hitzige Diskussion zwischen den Teilnehmern.

Termin mit Bürgerinitiative

Angespannte Stimmung bei Petitionsübergabe

Dass zwischen den Mitgliedern der Bürgerinitiative gegen die geplante Umgehungsstraße und Bürgermeister Thies Puttnins von Trotha sowie Stadtrat Mario Bach am Mittwochabend kein Konsens bestand, war mehr als spürbar. So wurde die Übergabe der Online -Petition zu einem emotionalen Austausch mit verhärteten Fronten.

Etwa vor einem Jahr gründete sich in Ginsheim eine Interessengemeinschaft (IG) gegen den Bau der geplanten Umgehungsstraße. Seitdem haben die Initiatoren rund um Mirco Vorwerk mit einer im vergangenen Jahr gestarteten Online-Petition 657 Unterschriften gesammelt.

Darunter sind nicht nur direkt von der Ortsentlastungstraße betroffene Bürger. Am Mittwochabend versammeln sich mehr als 20 Mitglieder und Unterstützer der IG vor dem Rathaus in Ginsheim. Um 17.30 Uhr wollen sie Bürgermeister Thies Puttnins von Trotha (parteilos) einen Ordner mit den gesammelten Unterschriften übergeben.

„Wir erhoffen uns, dass er unsere Argumente anhört und uns Antworten gibt“, sagt Claudia Erbar von der IG. „Die Umgehungsstraße wurde in den 60er Jahren geplant, als ganze Ortsteile von Ginsheim noch nicht existierten. Sie ist einfach nicht zeitgemäß und wir glauben nicht, dass sie den Ort entlasten wird“, sagt sie. Vielmehr denken man, dass sie das Verkehrsaufkommen rund um den alten Ortskern von Ginsheim steigern und die Schulkinder der dortigen Grundschule in Gefahr bringen wird.

„Wir wünschen uns, dass Herr von Trotha das realisiert und nicht nur an seinem Wahlversprechen festhält, dass er den einflussreichen Ginsheimer Familien gegeben hat, die ihm in das Amt des Verwaltungschefs der Stadt geholfen haben“, stellt Erbar deutlich fest.

Deutlich ist dann auch die Abneigung zwischen von Trotha, seinem ersten Stadtrat Mario Bach (CDU) und den Überbringern der Petition zu spüren. Statt einer freundlichen Begrüßung schießen beide Parteien sofort mit emotionalen Äußerungen aufeinander ein.

Kinder schauen erstaunt

Ursprünglich war als Ort für die Übergabe der Unterschriften der Konferenzraum im ersten Stock des Rathauses vorgesehen. Doch dahin schaffen es die Gesprächspartner aufgrund der aufgeheizten Stimmung nicht. Selbst die vier anwesenden Kinder schauen ob der schneidenden Bemerkungen der Erwachsenen erstaunt.

Um Sachlichkeit bemüht, bedankt sich Mirco Vorwerk bei von Trotha für seine Zeit und übergibt den Ordner mit den Unterschriften an den Rathauschef.

„Wir haben die Online-Petition nun erst einmal gestoppt. Das notwendige Quorum von 390 Unterstützern ist ohne Probleme weit überschritten. In dieser Mappe befinden sich 657 Unterschriften. Wir sind sicher, dass noch viele weitere dazu kommen werden, wenn wir die Petition wieder freischalten“, sagt Vorwerk. „Lesen Sie doch die Unterschriften der Menschen, die im alten Ortskern wohnen“, bittet Claudia Erbar den Bürgermeister ernst. Das werde er tun, verspricht von Trotha mit einem offenbar ironischen Unterton und blättert dann kopfschüttelnd in der Unterschriftensammlung. Vor allem die Unterschriften der Anwohner des von der Umgehungsstraße unmittelbar betroffenen Neubaugebiets rufen in von Trotha ein anscheinend sarkastisches Lächeln hervor. „Es tut mir leid. Aber diese Bürger haben doch bestimmt den Bebauungsplan gelesen und wussten vor Erwerb ihrer Immobilie, was sie erwartet“, stellt der Bürgermeister fest. Es gehe nicht nur um die Anwohner, sondern auch um die Natur, argumentieren die Mitglieder der IG weiter.

Diskussion geht weiter

„Die Umgehungsstraße würde durch den letzten Grünstreifen führen, den die Stadt noch hat. Hier befinden sich Biotope und seltene Tierarten. Wie kann man das auch im Hinblick auf die aktuellen Diskussionen um Klima und Umweltschutz noch befürworten. Viel besser wäre doch ein intelligentes Verkehrskonzept, wie es in vielen anderen Gemeinde mit historischem Ortskern bereits umgesetzt wurde “, sagt IG Mitglied Monika Steyer fast verzweifelt. Um verbale Partizipation bemüht meint Bach als Antwort, dann sollten doch alle ihre Autos verkaufen und auf Fahrräder umsteigen. Nach rund 30 Minuten mit hitzigen Diskussionen verspricht von Trotha dennoch, er werde sich die Petition durchlesen. Weitere Zugeständnissen wolle er jedoch nicht machen, bevor ihm das Ergebnis der Verkehrszählung vom vergangenen Sommer vorliege, so der Rathauschef. Sie werden nicht aufgeben, versprechen die Mitglieder der IG im Gegenzug.

von DANIELA HAMANN

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