Langes Warten am Bahnübergang soll mit dem Bau der Unterführung ein für allemal vorbei sein. Die Anwohner befürchten jedoch mehr Auto- und Lkw-Verkehr, sobald die Arbeiten abgeschlossen sind. Foto: dpa
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Langes Warten am Bahnübergang soll mit dem Bau der Unterführung ein für allemal vorbei sein. Die Anwohner befürchten jedoch mehr Auto- und Lkw-Verkehr, sobald die Arbeiten abgeschlossen sind. Foto: dpa

Verkehr

Anwohner fühlen sich betrogen

Der Schwerlastverkehr darf durch die Bahnunterführung fahren. Jetzt kritisieren Bürger, dass eine Sperrung für Lastwagen gar nicht möglich sei.

Ginsheim-Gustavsburg -Erneuter Wirbel um den Bau der Bahnunterführung in Gustavsburg. Die Anwohner sprechen von einer "ganz bösen Überraschung". In einem offenen Brief, den 32 Nachbarn, unterschrieben haben, prangern sie die Stadtverwaltung an. Auf Veranlassung einer Anwohnerin waren die Bewohner der Hermann-Löns-Allee, der Pfarrer-Haus-Straße, der Gustav-Adolf-Straße, der Pestalozzistraße und weiterer Straßen zu einem Treffen mit Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha (parteilos) und Vertretern von Hessen-Mobil eingeladen worden, um noch offene Fragen stellen zu können.

Als der zu erwartende Lkw-Verkehr zur Sprache kam, hieß es, die Unterführung dürfe auch von Schwerlastern mit mehr als 7,5 Tonnen befahren werden. Ein Sperrung sei seitens der Stadt nicht möglich, da es sich um eine Landesstraße handle. Dies widerspreche den Aussagen, die die Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren gemacht hatte, schreiben die empörten Anwohner, die eben diese Sperrung für Schwerlastverkehr gefordert hatten.

"Jetzt erstmals gibt unser Bürgermeister, der zuvor noch anderes verbreitet hat, unumwunden zu, dass eine Sperrung gar nicht möglich sei", kritisieren die Anwohner. Die Bedingungen für eine solche Sperrung seien nicht einmal gegeben, habe Puttnins-von Trotha den besorgten Bürgern erklärt, die nach Fertigstellung der Unterführung mit "beträchtlichem Mehrverkehr" rechnen. Die Stadt habe die Anwohner mit "Falschaussagen besänftigt", werfen sie den Verantwortlichen vor. Die Stadt Rüsselsheim habe ein Durchfahrverbot für Schwerlaster. "Warum ist das nicht in Gustavsburg möglich?", fragen die Anwohner.

Bürgersteige barrierefrei bauen

Ein Mitarbeiter von Hessen-Mobil habe die Bürger zudem verärgert, als er behauptete, eine Entfernung von 1000 Meter zwischen Wohnung und Parkplatz sei zumutbar. Diese Distanz entspreche etwa dem Fußweg von der Unterführung zur Schleuse, erläutern die Betroffenen.

Einen Silberstreif am Horizont der Bauplanung bildete die neue Verkehrsführung zu den Häusern Hermann-Löns-Allee 22 bis 34, nach der nun auch Liefer- und Rettungsfahrzeuge zu den Häusern gelangen können, heißt es im offenen Brief. Erfreulich sei ebenfalls, dass die Bürgersteige an der Kreuzung Gustav-Adolf-Straße zum Rad- und Fußweg der Hermann-Löns-Allee auf Anregung der Anwohner nachträglich barrierefrei umgebaut werden.

Bürgermeister Puttnins-von Trotha reagiert auf die Kritik der Anwohner. Er habe Verständnis für die Anliegen und die Sorgen der Bewohner im Bereich der Hermann-Löns-Allee. "Von dem Gespräch haben wir ein Protokoll angefertigt. Darin werden die von den Anwohnern gestellten Fragen beantwortet. Das Protokoll werden wir den Anwohnern zuleiten, damit alle umfassend informiert sind", verspricht er.

Die Aussage, dass die Unterführung für die Durchfahrt von Lastwagen gesperrt werden soll, sei schon weit vor seiner Amtszeit getroffen worden, widerspricht Puttnins-von Trotha dem Vorwurf, die Verwaltung habe die Anwohner hinters Licht geführt. Die Verwaltung plädiere nach wie vor dafür, keine Lastwagen durch die Unterführung fahren zu lassen. "Die Straßenverkehrsbehörde Hessen-Mobil und die Polizeistation Groß-Gerau lehnen dies jedoch ab und darüber können wir uns leider nicht hinwegsetzen", macht der Bürgermeister deutlich. Denn für ein Durchfahrtsverbot müssten zwingende Gründe vorliegen, wie eine außerordentliche Gefahrenlage oder Überschreitungen zulässiger Lärmpegel. "Nach aktuellem Stand liegen seitens Hessen-Mobil und der Polizeidirektion Groß-Gerau keine solchen Gründe vor."

Grenzwerte überschritten

In Rüsselsheim seien deshalb Lastwagen im gesamten Stadtbereich verboten, weil dort die Stickstoffdioxidgrenzwerte überschritten werden. "In Gustavsburg sind Grenzwertüberschreitungen nicht zu erwarten", so der Bürgermeister.

Zur Parkplatzsituation: Parkplätze würden nur in der Pfarrer-Haus-Straße im Bereich der Einmündung auf die L 3040 entfallen. Insbesondere betreffe das den Bereich der Verkehrsinsel. "In der übrigen Straße werden wieder dieselben Parkplätze wie vor der Baumaßnahme zur Verfügung stehen", beruhigt Puttnins-von Trotha die Gemüter.

Obgleich die Großbaustelle mit viel Lärm und Schmutz für die Anwohner verbunden ist, handele es sich beim Bau der Bahnunterführung um eine "äußerst bedeutsame und schon lange überfällige Infrastrukturmaßnahme", bittet der Rathauschef um Verständnis. red/dit

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