Die früheren Verwaltungschefs Enno Siehr (links) und Richard von Neumann haben sich zum vielfach diskutierten Schwerlastverbot geäußert. Foto: Ralph Keim
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Die früheren Verwaltungschefs Enno Siehr (links) und Richard von Neumann haben sich zum vielfach diskutierten Schwerlastverbot geäußert.

Verkehr

Bürgermeister hätte längst handeln müssen

Frühere Gustavsburger Verwaltungschefs äußern sich zum Schwerlastverbot an der Bahnunterführung

Nach mehr als einem halben Jahrhundert Diskussionen, Planungen und zuletzt den mehrjährigen Bauarbeiten ist es jetzt nur noch eine Frage weniger Tage, bis die neue Gustavsburger Bahnunterführung ihrer Bestimmung übergeben wird. In einem Punkt gehen die Diskussionen allerdings munter weiter. Die Frage lautet: Soll Schwerlastverkehr mit mehr als 7,5 Tonnen die Unterführung nutzen dürfen oder soll es offiziell verboten werden?

Derzeit sieht es nach einer Zustimmung zugunsten des Schwerlastverkehrs aus. Denn Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha (parteilos) hatte dazu immer auf die Zustimmung (oder Ablehnung) von Institutionen wie Hessen-Mobil verwiesen und bekräftigt, dass der Schwerlastverkehr zumindest technisch gesehen die Unterführung problemlos nutzen kann. Sogar eine unmittelbare Begegnung zweier Laster im Bereich der Unterführung würde keine Probleme verursachen.

Dabei hätte er kraft Amt als Bürgermeister und damit als Leiter der in diesem Fall zuständigen Straßenverkehrsbehörde das vielfach geforderte Verbot problemlos anordnen können. Darauf haben jetzt Enno Siehr und Richard von Neumann (beide SPD) bei einem Ortstermin hingewiesen. Siehr amtierte von 1988 bis 1992 als Bürgermeister von Ginsheim-Gustavsburg, danach bis 2010 als Landrat. Richard von Neumann war von 1992 bis 2016 Bürgermeister.

Siehr erinnerte daran, dass es bereits Ende der 60er Jahre - damals noch unter Bürgermeister Gottlieb Brunner (SPD) - Überlegungen gegeben habe, eine Bahnunterführung bauen zu lassen. Damals sei das "hinter" dem Bahnübergang gelegene, aber längst nicht mehr existierende Unternehmen MAN mit mehr als 3000 Beschäftigten der Hauptarbeitgeber der Kommune gewesen. Und nicht nur diese Schar an Mitarbeitern sei von den mitunter extrem langen Wartezeiten an geschlossenen Bahnschranken betroffen gewesen. Alt-Bürgermeister Richard von Neumann erinnerte daran, dass Anfang der 90er Jahre der notwendige Bebauungsplan im Rahmen eines Normenkontrollverfahrens auf den Weg gebracht worden sei.

Mehr Lärm befürchtet

Damit wurde überprüft, ob das Vorhaben mit höherrangigem Recht vereinbar war. Hintergrund waren die von einer Bürgerinitiative vorgetragenen Bedenken, dass eine Unterführung mehr Verkehr und damit für die Anwohner eine höhere Lärmbelastung nach sich ziehe.

In diesem Zusammenhang erinnerten Siehr und von Neumann auch daran: "Es bestand in all den Jahrzehnten der Diskussionen und Planungen immer Konsens unter allen Beteiligten aus Politik und Verwaltung, dass der Schwerlastverkehr ab 7,5 Tonnen die Unterführung nicht passiert." Ausgenommen seien - und auch das sei schon immer klar ausgesagt worden - der ÖPNV mit seinen Linienbussen und die Fahrzeuge der Feuerwehr.

Nach Aussagen von Richard von Neumann hätte Thies Puttnins-von Trotha kraft Amt als Bürgermeister von seiner Möglichkeit, das Schwerlastverbot zu erlassen, längst Gebrauch machen können und müssen. Eine Verkehrsregelung dieser Art über den Bebauungsplan zu erlassen, sei jedoch nicht möglich. Damit entgegnete von Neumann früheren Aussagen seines Nachfolgers, wonach der Anfang der 90er Jahre beschlossene Bebauungsplan keine Hinweise auf ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen vorsehe.

Der langjährige SPD-Bürgermeister hält es für ausgesprochen ungünstig, den Schwerlastverkehr zunächst zuzulassen, um dann Messungen hinsichtlich Lärm und Abgase vorzunehmen, um ihn dann nach einiger Zeit zu untersagen. "Die seit Monaten anhaltende Vollsperrung des früheren Bahnübergangs hat bewiesen, dass es für den Schwerlastverkehr auch ohne Unterführung funktioniert." Das Gros des Schwerlastverkehrs meide sowieso die Darmstädter Landstraße. "Und die Laster des Containerterminals am Mainufer haben mit der Unterführung nichts zu tun", stellt von Neumann fest.

Mit rund 42 Millionen Euro schlägt die Bahnunterführung zu Buche. Die finanzielle Beteiligung der Stadt Ginsheim-Gustavsburg, die einmal mit rund 800 000 Euro taxiert war, wird nach Aussagen von Bürgermeister Puttnins-von Trotha wohl geringer ausfallen. Ralph Keim

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