Dem aserbaidschanischen Journalisten Elzar Aghajev steht Verena Scholian Rede und Antwort. Foto: Ralph Keim
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Dem aserbaidschanischen Journalisten Elzar Aghajev steht Verena Scholian Rede und Antwort.

Seltene Rasse

Das Karabagh-Pferd ist ihre Leidenschaft

Ein TV-Team aus Aserbaidschan dreht einen Beitrag auf der Ranch von Verena Scholian. Die züchtet seit mehr als 25 Jahren die eurasische Pferderasse.

Ginsheim-Gustavsburg -Der Karabagh - hört der Pferdeliebhaber diesen Begriff, geht ihm mit Sicherheit das Herz auf. Die kaukasische Pferderasse, die hauptsächlich in Aserbaidschan zu Hause ist, ist hierzulande auf den Pferdekoppeln eine Seltenheit. In Ginsheim dagegen leben einige Karabagh-Pferde, genauer gesagt auf der außerhalb von Ginsheim gelegenen Ranch von Verena Scholian.

Die frühere Lehrerin und kürzlich neu gewählte Stadtverordnete (Die Linke) ist eine Koryphäe, was Karabagh-Pferde angeht. Sie selbst züchtet seit einem Vierteljahrhundert Karabagh-Pferde, amtiert seit mehr als 25 Jahren als Vorsitzende der international agierenden IG "Karabagh und eurasische Pferderassen", ist außerdem Autorin zahlreicher Artikel zu diesem Thema und eine - auch in Aserbaidschan - gefragte Fachfrau, wenn es beispielsweise um das Verifizieren von genetische Stammbäumen von Karabagh-Pferden geht.

90 Minuten Filmmaterial

Das hat irgendwann auch das Interesse des aserbaidschanischen Staatssenders AZ-TV geweckt, der seinen europäischen Sitz in Paris hat. Am Samstag kam ein zweiköpfiges Team angereist, um über Verena Scholian und ihre züchterische Aktivitäten einen Beitrag zu produzieren. Der aserbaidschanische Journalist Elzar Aghajev und seine Kollegin Lale Eyvazova drehten 90 Minuten lang auf der Ranch von Scholian. Der fertige Beitrag ist für eine Sendung vorgesehen, in der aserbaidschanisches Leben, Traditionen und Gepflogenheiten außerhalb von Aserbaidschan im Mittelpunkt stehen.

Dazu stand Verena Scholian gerne Rede und Antwort. Und sie stellte den beiden Journalisten aus Aserbaidschan unter anderem die beiden Pferde Ilkay und Sirli vor, die sich bei ihr auf dem Hof sichtlich wohlfühlen. Sogar bei Fremden zeigen sie - wie für Karabagh-Pferde typisch - keine Scheu. Im Gegenteil: Zumindest die Karabagh-Pferde von Verena Scholian sind zutraulich und hegen dem Menschen gegenüber keine Berührungsängste.

"In Deutschland Karabagh-Pferde zu züchten, ist nicht einfach. Europaweit gibt es gerade einmal 20 Zuchtpferde. Sechs davon leben hier bei mir in Ginsheim", erläuterte Verena Scholian. Denn es sei verboten, Tiere aus Aserbaidschan einzuführen. Eine schwangere Stute ist daher durchaus eine Besonderheit. Samen von Hengsten werden tiefgefroren, um damit Stuten zu befruchten. Nachwuchs in einem der wenigen Karabagh-Standorte ist daher ein höchst freudiges Ereignis. Bei der derzeit trächtigen Perestroika, die als gepachtetes Pferd ebenfalls auf Scholians Ranch lebt, wird es wahrscheinlich im Mai so weit sei.

Einst ein Statussymbol

Vor 200 Jahren war der Karabagh mit seinem eleganten Körperbau ein prestigeträchtiges Statussymbol, wurde von gekrönten Häuptern gehalten und verschenkt, auf Ausstellungen präsentiert. Das edle Pferd hatte einen Stellenwert vergleichbar mit dem Auto heute. Doch Anfang des 20. Jahrhunderts setzte der Verfall der Rasse ein. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rasse von sowjetischen Fachleuten wiederbelebt, was allerdings staatlich kontrolliert wurde.

Heutzutage gibt es zahlreiche private Züchter, darunter Verena Scholian, die sich 1990 ein Pferd gekauft hat. Ohne es zunächst zu wissen, war sie Besitzerin eines Karabaghs geworden. Es war der Beginn einer seit inzwischen drei Jahrzehnte währenden Liebe, die die heute 72-Jährige am liebsten auf den wenigen Galoppstrecken auskostet, die es in der dicht besiedelten Region noch gibt. Ralph Keim

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