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Christina Müllender hat zuletzt zur einem Buchvorstellungsabend in die Villa Herrmann eingeladen. Ein wenig Normalität in der Krisenzeit. Foto: Dorothea Ittmann

Literatur

Die Liebe für Bücher bleibt

Lesungen sind momentan passé. Deshalb hofft Buchhändlerin Christina Müllender auf das Weihnachtsgeschäft.

Gustavsburg -Die Buchhändlerinnen Christina Müllender und Wibke Simon begrüßten am letzten Freitag im Oktober sieben Gäste in der Villa Herrmann zum Buchvorstellungsabend. Zu der Zeit durften laut Allgemeinverfügung des Kreises noch bis zu zehn Personen bei öffentlichen Veranstaltungen zusammenkommen. Solche Treffen sind seit 2. November nicht mehr erlaubt. "Kriminelle Zeiten!" lautete das Motto des Abends, an dem Müllender und Simon markante Szenen aus neu erschienenen Kriminalromanen vorlasen.

Die sieben Zuhörer hatten es sich in der Galerie gemütlich gemacht, in der normalerweise 50 Menschen Platz finden. Für den kleinen Durst gab es Prosecco und Apfelwein in Dosen. Die Buchhändlerinnen versuchen, den Buchvorstellungsabend so schön wie möglich zu gestalten. Die Gäste seien sehr dankbar, berichtet Christina Müllender: "Eine Frau hat sich für den schönen Abend bedankt. Sie war froh, dass etwas Normalität in ihr Leben zurückgekehrt ist." Die nächste Buchvorstellung ist für den 30. November, 19.30 Uhr, in den Räumen der Buchhandlung Villa Herrmann geplant - einen Tag nach Auslaufen der aktuellen Beschränkungen. Ob dann dieser Termin abgesagt werden muss, entscheidet sich an der Entwicklung der Infektionszahlen.

Autorenlesungen hat Müllender erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Aber eines vermisse sie ganz besonders: "Lesen für Kinder" für Eineinhalb- bis Dreijährige. "Ich habe den Kindern immer freitags vorgelesen. Zwischendurch haben wir zusammen Musik gemacht und viel Spaß gehabt. Das fehlt mir sehr", sagt Müllender, als sie am leeren Gruppenraum im Obergeschoss der Buchhandlung vorübergeht.

"Viele Kunden sind verunsichert"

Das Klicken der Eingangstür ist zu hören, eine Kundin betritt das Geschäft. Sie möchte ein Buch bestellen. Mit telefonischen Buchbestellungen halte sich der kleine Gustavsburger Laden über Wasser. "Viele Kunden sind verunsichert. Sie wissen oft nicht, ob wir geöffnet haben." Ältere Menschen wiederum blieben lieber vorsorglich daheim. Dem widerspricht eine resolute Seniorin, die wenige Minuten später hereinspaziert: "Bücher faszinieren mich. Ich werde meine Lieblingsschmöker mit ins Grab nehmen", scherzt diese.

Nicht mehr als sieben Kunden gleichzeitig dürfen sich in der Buchhandlung aufhalten, aber die Kundenfrequenz sei ohnehin nicht so hoch, weiß die Inhaberin. Laufkundschaft gebe es in der Mozartstraße kaum.

Müllender hofft auf das Weihnachtsgeschäft wie so viele Einzelhändler. Dafür möchte sie eine Abholecke einrichten, damit sich nicht zu viele Leute gleichzeitig im Eingangsbereich vor der Kasse aufhalten. Weiter hinten im Geschäft könnten die Lese-Geschenke festlich verpackt werden. Und von dort ginge es durch den Hintereingang wieder raus - eine perfekte "Einbahnstraße" für Kunden, wie es sie bereits in Kaufhäusern, Ämtern und Schulen gibt. Und noch eine Idee hat die Buchhändlerin: Wer in Ruhe und mit möglichst geringem Infektionsrisiko in der Villa nach Weihnachtsgeschenken stöbern möchte, der kann die Geschäftsräume für eine Stunde lang für sich reservieren - stöbern und einkaufen hinter geschlossenen Türen. Müllender bietet vorab drei feste Termine an: am Samstag, 14. November, von 14 bis 15 Uhr und von 15.30 bis 16.30 Uhr sowie am Donnerstag, 3. Dezember, von 18 bis 19 Uhr. Wer andere Terminwünsche hat, der kann sie unter (0 61 34) 56 69 60 oder buchhandlung@villa-herr mann.de mitteilen.

Krimis für den Herbst

Warum auf die Feiertage warten, um neuen Lesestoff in die Finger zu bekommen? Müllender kann für die herbstlichen Tage einige Romane empfehlen. Darunter "Der Gesang der Flusskrebse" von Delia Owens, eine naturverbundene Erzählung vom Erwachsenwerden. Oder "Wenn die Blätter sich rot färben" von der vielfach ausgezeichneten kanadischen Kriminalschriftstellerin Louise Penny.

Welche lustige Überraschungen stressgeplagte Väter im Homeoffice erwartet, wenn das Kind beschäftigt werden will, erfahren die Leser im liebevoll bebilderten Kinderbuch "Seepferdchen sind ausverkauft" von Constanze Spengler und Katja Gehrmann. Also Stöbern lohnt sich. Dorothea Ittmann

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