Mit der SPD-Politikerin Susanne Redlin hat Ginsheim-Gustavsburg erstmals eine Erste Stadträtin. Foto: Ralph Keim
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Mit der SPD-Politikerin Susanne Redlin hat Ginsheim-Gustavsburg im Kreis Groß-Gerau erstmals eine Erste Stadträtin.

Interview

Erste Stadträtin Redlin: "Ich habe mich noch nie verbiegen lassen"

Susanne Redlin, Erste Stadträtin in Ginsheim-Gustavsburg (Kreis Groß-Gerau), spricht im Interview über Frauen in der Politik und ihre Aufgaben als Stadträtin.

Ginsheim-Gustavsburg – Mit Susanne Redlin (SPD) hat Ginsheim-Gustavsburg erstmals eine Erste Stadträtin. Ralph Keim sprach mit der streitbaren Politikerin - unter anderem über die Rolle der Frau in Familie und Politik sowie die Zusammenarbeit mit dem parteilosen Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha.

Frau Redlin, mit Ihnen wurde erstmals in der Geschichte von Ginsheim-Gustavsburg eine Erste Stadträtin gewählt. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Es erfüllt mich mit Stolz, als einfaches Arbeiterkind eine solche Position besetzen zu dürfen und für unsere Bürgerinnen und Bürger da zu sein. Nach 75 Jahren Gemeindevertretung und Stadtverordnetenversammlung wurde es Zeit für eine Frau. Dass ich es bin, freut mich besonders.

Ginsheim-Gustavsburg im Kreis Groß-Gerau: Stadträtin Redlin für mehr Frauenpower

Immerhin, die neue Stadtverordnetenversammlung ist weiblicher geworden. Wie bewerten Sie das?

Das ist sehr wichtig und liegt mir am Herzen, dass mehr Frauen in der Politik tätig sind. Frauen müssen immer noch besser sein als die männlichen Kollegen, um das Gleiche zu erreichen. Vor wenigen Jahrzehnten mussten wir als Frauen unsere Väter oder Ehemänner noch um eine Unterschrift bitten, damit wir arbeiten gehen, ein Konto eröffnen oder den Führerschein machen konnten.

Auch in Ihrem Elternhaus?

Ich bin dank meiner Eltern anderes groß geworden. Mein Vater arbeitete, meine Mutter kümmerte sich um Kinder, Haus und Garten und ums Finanzielle. Als ich drei Jahre war, ging sie arbeiten. Meine Eltern beharrten darauf, dass wir Töchter einen Beruf erlernen und den Führerschein machen. In meinem Elternhaus wurde Emanzipation also schon früh gelebt. Das war gut so, somit konnten wir nach dem frühen Tod meines Vaters 1980 besser zurechtkommen.

Stadträtin Susanne Redlin Kreis Groß-Gerau: Drei große K

Warum haben, Ihrer Meinung nach, Frauen in der Kommunalpolitik noch immer nicht selten einen schweren Stand?

Weil viele Jahrzehnte für Frauen die drei großen K gesetzt waren: Kinder, Küche, Kirche. Das schien unsere Aufgabe zu sein. Dadurch, dass Frauen oft weniger verdienen, sind es häufig rein wirtschaftliche Entscheidungen, dass Frauen zu Hause bleiben und ihre Arbeitszeit reduzieren, wenn Kinder geboren werden. Das ist dann noch immer der Karriereknick. Die Mehrfachbelastung und dann oft noch die Pflege der älteren Generation überlastet viele Frauen. Sich dann am Abend auch noch politisch einzubringen, ist dann häufig einfach Zuviel. Gut, dass die neue Männergeneration mehr familiäre Aufgaben übernimmt und so kommen endlich mehr junge Frauen in die Politik.

Auf eine Bürgermeisterin muss Ginsheim-Gustavsburg aber noch warten, oder?

(lacht) Auf eine Bürgermeisterin Susanne Redlin sicherlich!

Erste Stadträtin Susanne Redlin in Ginsheim-Gustavsburg: Etwas anderes machen

Als Erste Stadträtin fungieren Sie als Stellvertreterin des Bürgermeisters. Wie sieht das eigentlich in der Praxis aus?

Ich habe den Bürgermeister um einen Gesprächstermin gebeten, damit wir uns austauschen können, wie unsere Zusammenarbeit verlaufen soll. Ich habe da einige Ideen, aber dazu werde ich sicher erst später mehr dazu sagen können.

Sie saßen bereits in der vorausgegangenen Legislaturperiode im Magistrat, davor waren Sie viele Jahre Stadtverordnete beziehungsweise Gemeindevertreterin. Warum der Wechsel?

Durch die Betreuung und Pflege meines schwerst- und mehrfach behinderten Sohnes Mirko war ich zeitlich sehr eingespannt. Ich hielt mich bei den Besetzungswünschen zurück. In 27 Jahren SPD besetzte ich unterschiedlichste Positionen. Nach dem plötzlichen Tod Mirkos 2011 kam ich dann 2016 auf die Nachrückerliste für den Magistrat. 2017 rückte ich für Franz Birle nach. Ich wollte noch einmal etwas anderes machen.

Susanne Redlin Ginsheim-Gustavsburg: Gute Beziehung zu Bürgermeister

Sie sind eine Politikerin, die Ihre Meinung klar und deutlich zum Ausdruck bringt. Machen Sie auch im Magistrat den Beteiligten Dampf unterm Hintern, wie man so schön sagt?

Ich darf aus dem Magistrat nichts berichten, da wir nichtöffentlich tagen. Aber über mich darf ich ja berichten: Ich bin, wie ich bin und so bin ich auch im Magistrat. Ich habe mich noch nie verbiegen lassen, nicht von einem Mann, einem Vorgesetztem oder einem politischem Amt. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, der gerne lacht, der weinen kann, mal lauter wird und wenn es sein muss, auch mit der Faust auf den Tisch haut. Das werde ich auch beibehalten. Im Magistrat pflegen wir aber einen guten Umgang miteinander über alle Parteien hinweg. Ich wünsche mir, dass es in der neuen Zusammensetzung so bleibt.

Auch bei Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha?

Wir beide sind nicht immer einer Meinung und können auch hart miteinander diskutieren. Wenn wir keinen gemeinsamen Konsens finden, stimme ich auch mal mit Nein. Wir können aber auch flapsig miteinander umgehen und Spaß haben. Aber wenn ich dampfe, dann dampfe ich!

Das Interview führte Ralph Keim.

Zur neuen Ersten Stadträtin in Ginsheim-Gustavsburg im Kreis Groß-Gerau wurde Susanne Redlin im April diesen Jahres gewählt.

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