Anja Töws (vorne) packt mit ihren Mitarbeitern jeden Dienstag "Seniorenkisten" mit geretteten Lebensmitteln.
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Anja Töws (vorne) packt mit ihren Mitarbeitern jeden Dienstag "Seniorenkisten" mit geretteten Lebensmitteln.

Nachhaltigkeit

Lebensmittel vor dem Abfall retten: Was steckt hinter der „Seniorenkiste“?

  • vonDr. Daniela Hamann
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Frisches Obst und Gemüse wird von den Mitarbeitern in Kisten portioniert und vom Seniorenbüro verteilt.

Ginsheim -Viele Lebensmittel landen häufig einfach in der Tonne. Das kommt nicht nur in Privathaushalten vor, sondern vor allem in Supermärkten. Das liege einerseits am nahenden Ablaufdatum. Ein weiterer Grund sei, dass das Gemüse für den Verkauf nicht „perfekt“ aussehe.

Neben Initiativen wie Foodsharing, hat es sich die Tafel Ginsheim-Gustavsburg zum Ziel gesetzt, neben der Bereitstellung von Lebensmitteln für Bedürftige, Nahrung zu retten. In Kooperation mit dem Seniorenbüro von Ginsheim-Gustavsburg hat das neue Leitungsteam der Tafel - Anja Töws und Matthias Koranzki - vor ein paar Wochen die sogenannten „Seniorenkisten“ ins Leben gerufen. Anja Töws erklärt: „Viele Senioren, bei denen es vielleicht finanziell etwas knapp ist, genieren sich, bei uns nach Unterstützung zu fragen. Dabei gibt es vor allem viele Singlehaushalte in dieser Altersgruppe, die von Altersarmut betroffen sind. Das Angebot richtet sich jedoch nicht nur an Senioren, die an der unteren Rentengrenze sind. Es geht hier auch darum, Lebensmittel davor zu retten, dass sie weggeworfen werden.“

Lebensmittel retten im Kreis Groß-Gerau: Kunden reagierten zunächst zurückhaltend

Sabine Wilde-Naujoks vom Seniorenbüro der Stadt begrüßt die Initiative. „Das ist eine gute Sache. Wir haben dieses Projekt in unseren Einkaufsdienst für Senioren mit eingebunden.“ Zunächst sei die Resonanz bei einigen Senioren eher zurückhaltend gewesen, so Wilde-Naujoks. „Doch nachdem wir alles genau erklärt haben, waren die älteren Menschen sehr positiv gestimmt. Viele sind dennoch bescheiden und sagen uns, wenn zu viel in die Kiste gepackt wurde.“

„Seniorenkiste“ Ginsheim-Gustavsburg reicht für maximal zwei Personen

Der Inhalt der Kisten variiere von Woche zu Woche, je nachdem, wie viele und welche Lebensmittel die Fahrer der Tafel bei ihren täglichen Touren zu den Supermärkten abgeholt hätten, stellt Anja Töws fest. Zudem würden die Kisten immer dienstags gepackt. Es hänge also jedes Mal davon ab, wie viele frische Lebensmittel, wie Obst und Gemüse, an diesem Tag vorhanden seien. Beim Packen der Kisten richte sich das Team der Tafel nach dem Bedarf eines Ein- bis maximal Zwei-Personen-Haushalts. Für die Adventszeit hatten sich die Mitarbeiter der Tafel noch ein kleines Extra überlegt und den Seniorenkisten eine lustig-süße Überraschung beigelegt, die sich „Advent in Tüten“ nannte.

Nach dem Packen würden die Kisten von den Mitarbeitern des Einkaufsdienstes des Seniorenbüros abgeholt, berichtet Sabine Wilde-Naujoks weiter. Bislang erhielten zehn Senioren in Ginsheim-Gustavsburg eine Kiste mit geretteten Lebensmitteln. „Gerne können es noch mehr werden“, stellt die Leiterin des Seniorenbüros fest. Auch in Bischofsheim ist das Projekt nun angelaufen. Dort werde es von Nadine Ritters von der Seniorenbetreuung umgesetzt, berichtet Anja Töws. Aktuell würden dort fünf Haushalte mit den Kisten bedacht.

„Das retten von Lebensmitteln wird immer wichtiger, denn wir produzieren im Überschuss“, betont Anja Töws, die vor ihrer Tätigkeit bei der Tafel als Lebensmitteltechnologin und Ernährungsberaterin gearbeitet hat. „Aus diesem Grund gewinnen nachhaltige Projekte wie die Seniorenkisten immer mehr an Bedeutung. Denn sie Fördern ein Umdenken in der Gesellschaft“, so die Hoffnung von Töws. (Daniela Hamann)

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