Eine Jagdgesellschaft ist mit ihren Hunden auf der Rheininsel unterwegs.
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Eine Jagdgesellschaft ist mit ihren Hunden auf der Rheininsel Langenau in Hessen unterwegs. Dabei kommt es zu einem Vorfall, der viele Zeugen erschüttert.

Jagd im Kreis Groß-Gerau

Hetzjagd nach Reh schockiert Spaziergänger – „Das ist Tierquälerei“

  • VonDr. Daniela Hamann
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Zeugen berichten von einem Schock-Vorfall. Spaziergänger beobachten eine Hundemeute auf der Insel Langenau, die bei einer Drückjagd ein Reh jagen. 

Ginsheim-Gustavsburg – Eigentlich wollten die Erholungssuchenden am Sonntagmorgen (29.11.2020) bei einem Spaziergang auf der Rheininsel Langenau entspannen. Doch was sie dann mit ansehen mussten, werden viele lange nicht vergessen können. Claudia Ward ist Ansprechpartnerin für die Sektion Hessen des Vereins Wildtierschutz Deutschland. Sie lebt in Ginsheim-Gustavsburg (Kreis Groß-Gerau) und sei am Sonntag zufällig Zeugin einer Jagd geworden.

Entsetzen über Jagd im Kreis Groß-Gerau: „Die Hunde waren im Blutrausch“

Ward ist noch ganz bewegt davon, was sich vor ihren Augen abspielte: „Wir waren auf der Höhe des Bootsstegs, als plötzlich lautes Bellen und Rufen zu hören war. Kurz danach sahen wir etwa fünf Hunde, die ein älteres Rehkitz erst von der Mutter trennten und dann verfolgten und zum Ufer trieben. Dort stürzten sie sich auf das Tier und bissen zu.“ Das Reh habe geschrien und um sein Leben gekämpft.

„Die Hunde waren im Blutrausch. Neben mir standen Leute, die sofort die Polizei angerufen haben. Das war eindeutig eine Hetzjagd. Das ist in Deutschland so nicht erlaubt. Die Hunde der Jäger dürfen das Wild nicht reißen“, sagt die Wildtierschützerin. Die Jagdgesellschaft habe das tote Tier in die Büsche gezogen und sich dann wieder der Jagd gewidmet. Die empörten Rufe der Spaziergänger auf der anderen Uferseite hätten sie ignoriert.

Auch wegen Corona-Richtlinien: Polizei prüft Verstöße bei Jagd

Bernd Hochstädter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Südhessen, bestätigt, dass der Vorfall von mehreren Zeugen gemeldet worden war. Die Polizei prüfe, ob ein Strafbestand vorliege. Neben den Geschehnissen bei der Drückjagd sei der Polizei auch ein Verstoß gegen die Corona-Auflagen gemeldet worden.

Laut Claudia Ward bestand die Jagdgesellschaft aus mindestens zehn Personen, die - so auch die Angaben weiterer Zeugen - keine Mund-Nase-Bedeckung getragen hätten. „Nachdem mehrere Anrufe bei der Polizei in Bischofsheim eingingen, ist eine Streife zum Ort gefahren und hat mit dem Jagdleiter gesprochen“, berichtet Hochstädter. Dieser habe ihnen mitgeteilt, dass er die Jagd kurze Zeit später abgebrochen habe.

Entsetzen über Jagd: „Die Schreie des Rehs werde ich so schnell nicht vergessen“

Eine weitere Zeugin des Geschehens hat ihre Beobachtungen wenige Stunden danach auf Facebook geschildert. Sie bezeichnet das Geschehnis als „unschöne Szene“ und bemerkt: „Die Schreie des Rehs werde ich so schnell nicht vergessen.“

Rund 112 Menschen haben den Beitrag inzwischen kommentiert. Viele von ihnen wollen den Vorfall beobachtet haben. „Ja, die Herren Jäger dürfen machen, was sie wollen und haben dicht gedrängt ohne Mundschutz auf einem Anhänger gesessen“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer meint: „Das ist Tierquälerei. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie sehr das Reh leiden musste.“

Hunde erlegen Reh: Jagd auf der Insel Langenau fotografisch dokumentiert

Nachdem die Hunde das Reh erlegt hatten, sei die Jagdgesellschaft weiter Richtung Steindamm gelaufen und habe ein weiteres Reh aufgeschreckt, berichtet Claudia Ward. Schließlich habe sie die Schreie eines Wildschweins und Schüsse gehört.

Die Hunde-Meute gerät bei der Jagd außer Kontrolle und hetzt ein Reh.

Die Wildtierschützerin war nach dem Abbruch der Jagd auf die Insel gefahren, um sich den Ort des Geschehens genauer anzusehen und fotografisch zu dokumentieren. „Ich habe leere Weinflaschen im Gras gefunden. Außerdem habe ich den Jagd-Plan entdeckt, der an einem Baum angebracht war.“ Sie und andere Zeugen hoffen, dass das Fehlverhalten der Jäger geahndet wird und dass das Wild in Zukunft nicht mehr auf diese grausame Weise bejagt wird.

Jagdleiter verteidigt die Jagd: Hunde seien außer Kontrolle geraten

Jagdleiter Klaus Faber sagte gegenüber dieser Zeitung, es tue ihm leid, was an dem Tag geschehen ist. Eigentlich habe man nur Wildschweine jagen wollen. „Normalerweise halten sich keine Rehe im Gebiet von Wildschweinen auf“, so Faber. Die Hunde seien außer Kontrolle geraten, als sie das Reh witterten. Ein Jäger habe es mit einem Messerstoß von seinem Leiden erlöst.

Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha, der auf der Rheininsel wohnt, gibt folgende Stellungnahme ab: „Bei der von Ihnen genannten Jagd handelt es sich um eine gesetzlich zulässige, revierübergreifende Drückjagd auf Schwarzwild. Sie fand gestern auf der Insel Langenau statt. Eine solche Drückjagd wird beim Kreisgesundheitsamt angemeldet und genehmigt. Die Stadtverwaltung wird hierbei nicht eingebunden.“ (Daniela Hamann)

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