Viele Frauen erstatten bei häuslicher Gewalt keine Anzeige. FOTO: dpa
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Viele Frauen erstatten bei häuslicher Gewalt keine Anzeige.

Analyse

Häusliche Gewalt hat deutlich zugenommen

Kriminalstatistik und Wohnraumanalyse in Sondersitzung vorgestellt

Die Kriminalstatistik für Ginsheim-Gustavsburg der Jahre 2018, 2019 und 2020 sowie die Wohnraumsituation in der Doppelstadt bekamen die Stadtverordneten im Rahmen einer Sondersitzung erläutert.

575 Straftaten im Jahr 2018, zehn mehr im Jahr 2019 und 642 Fälle im vergangenen Jahr. Die 642 Straftaten machen gut fünf Prozent der Fälle im Landkreis aus. Zur Kriminalstatistik berichtete der Erste Polizeihauptkommissar Burkhard Benkelberg, Leiter der Polizeistation in Bischofsheim. Darunter fielen 2020 auch 14 Fälle gegen Vollstreckungsbeamte. Zudem sei ein hoher Anstieg bei Drogendelikten (49, 52, 68) zu beobachten.

2020 gab es ein Opfer, das in der Statistik unter "Straftat gegen das Leben" verbucht wird. In allen drei Jahren dominieren Diebstähle: 184 im Jahr 2018, 13 mehr im Jahr 2019 und 159 im vergangenen Jahr.

"Wir haben allerdings derzeit erfreulicherweise eine erhöhte Aufklärungsquote von 63 Prozent, sogar 85 Prozent bei Drogendelikten", führte Benkelberg weiter aus. Bei den ermittelten Personen seien grundsätzlich deutlich mehr Männer als Frauen dabei. Das Personal in Bischofsheim sei in den vergangenen Jahren junger, mobiler und ehrgeiziger geworden, begründete Benkelberg die guten Aufklärungsquoten. Auffallend sei, dass Ginsheim-Gustavsburg in der Region zu einem Hotspot bei häuslicher Gewalt geworden sei. "Dies kann freilich mit einer der Auswirkungen der Corona-Pandemie erklärt werden." Unter "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung" gab es 2018 acht Fälle, zwei weniger als 2019. Im vergangenen Jahr dagegen gab es bereits 16 Fälle. Die Polizei arbeite in solchen Fällen eng mit Opfer-Institutionen zusammen.

Aber es gebe eine hohe Dunkelziffer, da einige Frauen keine Anzeige erstatten. Das Spektrum bei häuslicher Gewalt reiche vom Schubsen bis hin zu schwerer Körperverletzung. Seien Kinder betroffen, werde grundsätzlich und sofort das Jugendamt eingeschaltet. Benkelberg erinnerte zudem daran, dass 2020 in Ginsheim-Gustavsburg sogenannte Leon-Hilfe-Inseln eingerichtet wurden. Das sind Geschäfte und öffentlich zugängliche Einrichtungen, in denen besonders Kinder in Notsituationen Hilfe und Schutz finden können.

Schutzmann ist Personalfrage

Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha (parteilos) verwies auf die gemeinsamen Kontrollen der Polizei mit der Stadtpolizei, was den laufenden Verkehr angeht.

Bei den Leon-Hilfe-Inseln sei noch kein Fall bekannt. Franz-Josef Eichhorn (CDU) fragte nach dem "Schutzmann vor Ort". Dazu verwies der Polizeihauptkommissar, dass es auf Länderebene entsprechende Bemühungen gebe. Aber es sei nun einmal eine Personalfrage.

Er selbst zeigte sich vorsichtig optimistisch, was Ginsheim-Gustavsburg und Bischofsheim angehe. Derzeit könne seine Dienststelle eine Streife besetzen, was für zwei Kommunen nicht viel sei. Nicolas Traut, Projektleiter Integrierte Stadtentwicklung bei der Nassauischen Heimstätte, erläuterte die mehr als 120-seitige Wohnraumanalyse. Die Analyse geht zurück auf einen Auftrag der Stadt zusammen mit der Kommunalen Wohnungsgesellschaft (KWG) und der Baugenossenschaft Mainspitze an die Nassauischen Heimstätte. 1145 Bürger nahmen teil.

Wohnfläche nimmt zu

Aus der Studie geht unter anderem hervor, dass 92 Prozent der Befragten in Ginsheim "eher zufrieden" bis "sehr zufrieden" mit ihren Wohnverhältnissen sind. In Gustavsburg waren dies 84 Prozent der Befragten. Die meisten Teilnehmer gaben laut Studie an, etwa ein Drittel ihres Einkommens für die Miete zahlen zu müssen. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Je höher das monatliche Einkommen der Befragten, desto eher besitzen sie Wohneigentum.

Die Analyse weist zudem aus, dass von 2005 bis 2019 die Wohnfläche in Ginsheim-Gustavsburg von 596 000 auf 682 000 Quadratmeter anstieg. Die durchschnittliche Wohnfläche habe in diesem Zeitraum von 81,5 auf 85,4 Quadratmeter zugenommen. Zwischen 2005 und 2018 seien 125 Wohnhäuser und 682 Wohnungen neu gebaut beziehungsweise fertiggestellt worden. Ralph Keim

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