Julia Christensen ist die neue Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Ginsheim. Ein Grund für ihre Entscheidung war die idyllisch am Rhein gelegene Kirche. FOTO: Susanne Rapp
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Julia Christensen ist die neue Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Ginsheim. Ein Grund für ihre Entscheidung war die idyllisch am Rhein gelegene Kirche.

Porträt

"Ich wollte immer schon für die Menschen da sein"

  • VonDr. Susanne Rapp
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Julia Christensen ist die neue Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde

Seit August ist Julia Christensen die neue Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde in Ginsheim. Sie ist die Nachfolgerin von Pfarrer Wilfried Ritz, der Ende Dezember 2020 in den Ruhestand ging. Von Februar dieses Jahres an übernahm Pfarrerin Eva Maria Bernhard bis zur Amtsübernahme durch Christensen die Vakanzvertretung.

Aufgewachsen ist die 30-Jährige im Main-Taunus-Kreis und studierte in Hamburg, Heidelberg und ein Semester lang auch in Schweden. Von Beginn an sei ihr Ziel gewesen, an verschiedenen Universitäten zu studieren, da jede ihre eigene Prägung habe. Das Semester in Schweden, ein Land, zu dem sie große Affinität hat, kam zustande, da die Universität in Hamburg eine Kooperation mit einer Hochschule in Schweden hat. Bereits mit sieben Jahren wurde Christensen Pfadfinderin in Hofheim und erinnert sich gern an Pfadfinderausflüge nach Schweden.

Zurück ins Rhein-Main-Gebiet

Der Verband Christlicher Pfadfinder hat auch in Ginsheim einen Stamm. Einmal im Jahr wird ein gemeinsamer Gottesdienst gefeiert. Das gebe ihr die Möglichkeit, ihr Amt und ihr Ehrenamt zusammenzubringen. Die junge Pfarrerin freut sich sehr darüber, in Ginsheim einen Jugendpool durch die Pfadfinder zu haben. "Das sind Menschen, die anpacken und mithelfen, wenn es darum geht, etwas auf die Beine zu stellen."

Ihre Vikariatszeit absolvierte Christensen in drei Dorfgemeinden in der Nähe von Limburg. Ein Grund, weshalb sie sich für die Kirchengemeinde in Ginsheim entschied, war ihr Wunsch, wieder zurück ins Rhein-Main-Gebiet zu kommen. Auch der Internetauftritt der Gemeinde habe ihr zugesagt und die Lage der Kirche, "öffentlichkeitsnah an der Promenade gelegen". Der große Pfarrgarten sei für sie als Naturverbundene ebenfalls ein Anreiz gewesen, sich in Ginsheim niederzulassen.

Wichtig ist für sie, im Team mit Menschen zusammen zu arbeiten. "Das ist schöner und gewinnbringender." Das Arbeiten im Team sei etwas, das sie schon früh bei den Pfadfindern gelernt habe.

Warum sie sich für den Beruf als Pfarrerin entschieden hat, begründet sie damit, einen guten Religionslehrer in der Schule gehabt zu haben. "Ich komme nicht aus einer Pastorenfamilie", erklärt sie schmunzelnd. Der Konfirmandenunterricht habe ihr viel Spaß gemacht. Alles, was es dort zu lernen gab, hätte sie sehr interessant gefunden. Der Beruf einer Pfarrerin sei spannend wegen der vielen sozialen Kontakte, die alle Altersgruppen überspannen. Denn es seien nicht nur die Gottesdienste, die zu ihren Aufgaben zählen. Gespräche, Kontakte mit Menschen im Altersheim und vieles mehr gehöre dazu.

Vorrangig gehe es darum, Teil der Menschen und ihrer Leben zu sein. Und dann die Freude darüber, Vertrauen zu erfahren. Der Beruf einer Pfarrerin sei so vielseitig. Das fasziniere sie. "Man wird aus verschiedenen Perspektiven heraus gefordert."

Nach dem Theologiestudium war Christensen klar, dass für sie nur die Arbeit in und für eine Gemeinde in Frage käme. "Ich wollte immer schon für die Menschen in einer Kirchengemeinde da sein."

Zwischen ihrer Vikariatszeit und dem Amtsantritt ging sie mit dem Rucksack auf eine fünfeinhalbmonatige Weltreise, mit der sie sich nach der neunjährigen Ausbildung zur Pfarrerin einen Wunsch erfüllte. Sie startete in Mexiko und reiste allein weiter nach Costa Rica, Panama, Brasilien, Südafrika, Namibia, Tansania, Ägypten, Jordanien, Armenien bis in die Türkei, von wo aus sie zurück nach Hause reiste. Zwei bis drei Wochen verbrachte sie in jedem Land und schilderte, dass alles durch die Pandemie beschwerlicher wurde.

Vernetzung steht im Vordergrund

Eine längerfristige Planung sei nicht möglich gewesen. Nur ein bis zwei Tage vorher konnten Entscheidungen getroffen werden, da die Reisebedingungen sich ständig geändert hätten. Freunde, mit denen sie in Kontakt stand, hätten sie beneidet, so lange Urlaub machen zu können. Doch sie habe ihnen erklärt, es fühle sich nicht wie Urlaub an, sondern wie ein Vollzeitjob, da so vieles organisiert und geplant werden müsse.

Mit Blick auf ihre künftigen Aufgaben sagt sie: "Es braucht seine Zeit, bis man Fuß fasst in einer Gemeinde." Sie freut sich darauf, alle kennenzulernen. Der neue Kirchenvorstand startet im September mit seiner Arbeit. "Ich wünsche mir eine gute Vernetzung, sowohl innerkirchlich, als auch außerhalb."

Susanne Rapp

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