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Kita-Satzung

Längere Betreuungszeiten zum Wohle der Kinder

Ein gemeinsames Mittagessen in der Kita sei wichtig, betonen die Erzieher. Sie sind verärgert, dass ihre Meinung in der Sitzung zur neuen Kita-Satzung kaum Gehör fand.

Die Neufassung der Kita-Satzung in Ginsheim-Gustavsburg sorgt für Wirbel bei den Betroffenen. Während ein Großteil der Eltern an dem 13-Uhr-Modell in den Kitas festhalten will, sprechen sich die Erzieherinnen für Betreuungsmodule mit Abholzeiten ab 12, 14 Uhr und später aus. Zu einer Einigung war es in der Sondersitzung am vergangenen Dienstag nicht gekommen. In einem offenen Brief wenden sich nun die Leiterinnen der Kitas in Ginsheim-Gustavsburg an die Eltern und die politischen Fraktionen.

Sie appellieren an die Adressaten, dem Ergebnis der Kita-Kommission zuzustimmen, was sowohl die neue Gebührensatzung als auch die Anpassung der bisher buchbaren Module betrifft. „Das 13-Uhr-Modul wurde zugunsten längerer Betreuungszeiten eingeschränkt. Wir sehen keine Möglichkeit, das Modul räumlich und personell für alle Kinder einzurichten. Nur einer ausgewählten Gruppe diese Möglichkeit zu bieten, halten wir für das falsche Signal“, heißt es im offenen Brief.

„Wir gestalten den Tagesablauf der Einrichtungen so, dass es den Bedürfnissen der Kinder entgegenkommt.“ Besonders die Mahlzeiten, die bei den letzten Veranstaltungen sehr unterschiedlich diskutiert wurden, hätten in der Kita und im Bildungsplan einen pädagogisch hohen Stellenwert. „Essen in der Kita bedeutet nicht nur satt werden. Essen ist eine sinnliche Erfahrung, bei der sich Kinder ohne Stress wohlfühlen sollen“, betonen die Kita-Leiterinnen. Die Mahlzeiten unterbrächen den Tagesablauf und brächten Ruhe in den sonst turbulenten Tag.

Gesellschaftlich wichtige Formen wie Tisch- und Sprachkultur würden beim gemeinsamen Mittagessen vermittelt. Das Essen biete viele Anlässe, die Selbständigkeit zu fördern. Dazu brauche es einen entsprechenden Rahmen sowie pädagogische Fachkräfte. „Dies alles wird nicht gewährleistet, wenn im Flur oder der Turnhalle gegessen wird“, so die Erzieher. Aus pädagogischer Sicht sei eine Essensgruppe von zehn Kindern und einer Erzieherin nötig, um das Konzept umsetzten zu können.

Letztlich stehe dabei immer das Wohlergehen der Kinder im Vordergrund. „Wir sind sehr verärgert über die geringe Wertschätzung, die der Arbeit in den Kitas entgegengebracht wird“, äußern sich die Kita-Leiterinnen enttäuscht. Das pädagogische Fachpersonal der Stadt habe sich seit Jahren kontinuierlich durch Fortbildung, Konzeptentwicklung, Fachliteratur und besonders durch das persönliche Engagement der Erzieherinnen und Leitungen weiterentwickelt. „Nun wird diese Arbeit derart infrage gestellt, da ein geringer Teil der Elternschaft einen einzelnen Punkt des neuen Satzungsentwurfes kritisiert.“

Um für mehr Transparenz und Verständnis zu sorgen, laden die Kita-Leiterinnen die Eltern und Fraktionen ein, sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen. „Verschaffen Sie sich einen Einblick über die Räumlichkeiten, den Tagesablauf, die intensive Mittagszeit mit Abholen und Essen.“ Die Stadt hat für heute Abend um 19.30 Uhr erneut eine Sondersitzung im Gustavsburger Bürgerhaus anberaumt. Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha (parteilos) hofft, dass der erarbeitete Entwurf in der kommenden Stadtverordnetenversammlung beschlossen wird. red/dit

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