Neben realistischen Bildern erschafft der Künstler Joachim Kreiensiek auch codierte Datenbilder. Foto: CLaus Krieger
+
Neben realistischen Bildern erschafft der Künstler Joachim Kreiensiek auch codierte Datenbilder.

Kunst und Kultur

Mit Bescheidenheit, Fleiß und Glück durch die Krise

Der Künstler Joachim Kreiensiek bekommt die Auswirkungen der Pandemie deutlich zu spüren

Auch Joachim Kreiensiek hat die Corona-Krise in den vergangenen zwölf Monaten deutlich gespürt. Dabei hat der Künstler einen wirklich bescheidenen Lebensstil. Lediglich etwa 1200 Euro brauche er im Monat zum Leben - das sei schon vor der Pandemie der Fall gewesen. Doch selbst diesen Betrag im vergangenen Jahr aufzubringen, sei nicht immer leicht gewesen.

Trotzdem sagt Kreiensiek, dass ihn die Pandemie nicht so schlimm getroffen habe wie andere Menschen. Und wie er erzählt, habe er "ein paar Mal Glück" gehabt. Zu Hause zu arbeiten, sei er schon lange gewöhnt, erklärt der Künstler. "Ich habe meine Kunst schon immer in meinen eigenen vier Wänden erstellt. Für Menschen, die sonst eigentlich im Büro arbeiten, war diese Umstellung bestimmt viel schlimmer."

Einige Bilder verkauft

Glück gehabt zu haben, bezieht der Gustavsburger darauf, dass er zum einen finanzielle Hilfen erhalten hat und davon aufgrund seines einfachen Lebensstils rund vier Monate leben konnte. Zum anderen hat er einige seiner Bilder verkauft. "Ich habe mich dafür allerdings auch sehr ins Zeug gelegt und meine Kontakte durchforstet."

So habe er im Sommer Besuch von der Leiterin des Kunsthauses in Wiesbaden erhalten, die ihm eines seiner Werke abgekauft hat. Auf ihn aufmerksam geworden ist auch der Kanzler der Technischen Universität Darmstadt, der Bilder für das neue Institut mit dem Namen "Verantwortungsbewusste Digitalisierung" suchte und bei Kreiensiek in dessen kreativ eingerichteten alten Bahnhofsgebäude von Gustavsburg fand. "Das ehrt mich schon sehr", sagt Joachim Kreiensiek bescheiden.

Sein historisches Zuhause hat der Künstler seit seinem Einzug vor ein paar Jahren auch als Veranstaltungsort genutzt. In der ehemaligen Wartehalle organisierte er Ausstellungen, bei denen er immer auch Musikern eine Bühne bot. Die bisher letzte Veranstaltung dieser Art fand im Februar 2020 - kurz vor Beginn der Pandemie in Deutschland - unter dem Motto "Winterreise" statt und sei mit 50 Besuchern ein voller Erfolg gewesen.

"Es war ein tolles Beisammensein, wie mir viele Gäste im Nachhinein sagten, als wir schon im ersten Lockdown waren." Im Laufe des Abends habe er so viele Spenden für die Musiker gesammelt, dass er ihre Gage voll auszahlen konnte. Kreiensiek bewegt die Sorge, "ob diese Veranstaltungen nach der Pandemie auch wieder so unbeschwert und schön sein werden." Er hoffe es jedenfalls sehr.

Ein wenig Hoffnung habe er auch, dass eine Einzelausstellung, die mit seinen Werken im Museum von Boppard am Rhein am 20. Juni stattfinden soll, nicht abgesagt wird. "Ich bin im März 60 Jahr alt geworden. Als Künstler ist es ohnehin nicht leicht, aber als älterer Künstler ist es noch schwerer, eine Einzelausstellung zu bekommen." Der Organisator habe ihm bereits mitgeteilt, dass eine Vernissage nicht stattfinden wird. Die Ausstellung würde jedoch derart konzipiert, dass immer ein Haushalt durch das Museum gehen kann, um sich die Werke anzusehen.

Zwei Monate lang sollen die Bilder von Joachim Kreiensiek in Boppard ausgestellt werden. Vielleicht sei es am Ende - im August - dann möglich, eine Finissage zu veranstalten. Dankbar sei er für diese Gelegenheit auf jeden Fall in großem Maße, betont der Künstler.

Kleine, aber feine Galerie

Kreativ hat Kreiensiek das vergangene Jahr genutzt, um weiter an seiner abstrakten, aber auch an seiner realistischen Kunst zu arbeiten. Neu ist eine realistische Malerei, die zwei Menschen auf einem leicht verschneiten Feldweg zeigen. Sie ist im Internet unter www.heinrich-lee.de zu sehen.

Um seine Bilder möglicherweise im kommenden Sommer den Menschen auch hautnah zeigen zu können, hat sich der Künstler in der Nähe von Bingen einen Raum angemietet, den er als kleine, aber feine Galerie nutzen möchte. "Vielleicht kann ich so ein paar Menschen für meine Kunst begeistern", wünscht sich Kreiensiek. Daniela Hamann

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare