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Für die Kitas der Stadt Ginsheim-Gustavsburg steht eine Neufassung der Satzung an. Wegen der vielfältigen Elternwünsche gleicht diese Aufgabe der Entwirrung des Gordischen Knotens.

Sondersitzung

Neufassung der Kita-Satzung erhitzt die Gemüter

Auf große Resonanz stieß die erste von zwei Sondersitzungen zur Neufassung der Kita-Satzung. Schnell wurde deutlich, dass sich unterschiedliche Positionen ineinander verbeißen. Eine für alle Beteiligten tragbare Lösung scheint unmöglich.

Keine Frage: Das Bild der Familie hat sich gravierend gewandelt. Die Familie muss auf die ebenfalls gravierenden Veränderungen in der Arbeitswelt reagieren. Eltern von kleinen Kindern im Vorschulalter fordern und erwarten daher von den Kindertagesstätten Flexibilität bei den Betreuungszeiten. Die Kommune wiederum muss zusehen, wie sie in einem grundsätzlich defizitären Bereich, in welchem zudem fachlich ausgebildete Arbeitskräfte Mangelware sind, diesen Forderungen gerecht wird.

Vor diesem Hintergrund gleicht die notwendige Neufassung der Kita-Satzung der Stadt Ginsheim-Gustavsburg dem Lösen des Gordischen Knotens. Dummerweise kann Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha (parteilos) nicht – wie Alexander der Große – ein Schwert ziehen und diesen einfach zerschlagen. Stattdessen wird endlos lange diskutiert und auf Maximalforderungen gepocht.

Bei der Sondersitzung der Ausschüsse zur Neufassung der Kita-Satzung wurde schnell deutlich, dass hier gleich mehrere Protagonisten aufeinander treffen: die Eltern, die Verwaltung, die Kita-Mitarbeiterinnen und die Politik, wobei letztere Seite sich noch zusätzlich aufspaltet.

Beispiel 13-Uhr-Modell: Auf die Möglichkeit, das Kind um 13 Uhr abholen zu können, wollen einige Eltern partout nicht verzichten. Die Erzieherinnen verweisen auf pädagogische Aspekte und raten ab, das Kind mittags aus der Gemeinschaft zu reißen. Die Verwaltung zeigt auf, dass dies auf Dauer die personellen Grenzen sprengen würde. Die SPD will Maximalforderungen durchsetzen und das 13-Uhr-Modell für alle Kitas einführen. Die Freien Wähler möchten das 13-Uhr-Modell auf eine Einrichtung beschränkt sehen. CDU und FDP setzen auf die vereinfachte Aussage: Man kann (auch als Eltern) heutzutage nicht alles haben.

In der Zwickmühle stehen die Erzieherinnen, besonders die Kita-Leiterinnen. Sie nehmen selbstverständlich ihren beruflichen Auftrag ernst und wollen beispielsweise nicht, dass das gemeinsame Mittagessen einfach nur der Nahrungsaufnahme dient. Doch einem „pädagogischen Mittagessen“ stehe das 13-Uhr-Modell im Wege, argumentierten sie während der Sondersitzung mehrfach und sichtlich genervt.

Mit dem Ergebnis der mehrstündigen Sitzung ist Bürgermeister Puttnins-von Trotha keinesfalls zufrieden. „Ich befürchte, die Argumente, besonders die der Kita-Leiterinnen, haben bei einer Vielzahl der Politiker kein Gehör gefunden.“ Der Bürgermeister verteidigte im Laufe der Sondersitzung noch einmal die Notwendigkeit der neuen Kita-Satzung – nicht nur wegen der von der Schwarz-Grünen Landesregierung beschlossenen Beitragsfreiheit. Eigentlich hätte auch das Defizit im Betreuungsbereich reduziert werden sollen. Doch das sei wegen der innerhalb der Kita-Kommission bereits geschlossenen Kompromisse nicht gelungen.

Am kommenden Dienstag steht eine weitere Sondersitzung an. Zu ihrem Verlauf äußert sich Puttnins-von Trotha ebenfalls wenig optimistisch: „Es sind viele Themen offen geblieben. Ich bin sehr skeptisch, dass wir im Sinne der Eltern einen Beschlussvorschlag für die nächste reguläre Sitzungsrunde erarbeiten werden.“ Für den Bürgermeister gibt es keinen Spielraum für weitere Zugeständnisse, wenn das Defizit im städtischen Haushalt nicht größer werden soll.

Puttnins-von Trotha appelliert an alle Fraktionen, bei der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 21. Juni die neue Kita-Satzung zu verabschieden, um den Eltern greifbare Fakten zu liefern. Ansonsten bliebe die alte Satzung bestehen und damit das 13-Uhr-Modell. „Aber dafür sind wir personell und räumlich nicht aufgestellt.“

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