Carsten Albermann und Susanne Kühn-Benning vom Hospizverein sind für alle Menschen da, die beim Thema Sterben und Abschied Unterstützung brauchen. FOTO: Johanna Thaben
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Carsten Albermann und Susanne Kühn-Benning vom Hospizverein sind für alle Menschen da, die beim Thema Sterben und Abschied Unterstützung brauchen.

Trauer

Sterbebegleitung funktioniert nicht digital

Corona hatte die Arbeit des Hospizvereins Mainspitze beinahe zum Stillstand gebracht

Der Hospizverein Mainspitze begleitet schwer kranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige. Corona hatte die überwiegend ehrenamtlichen Helfer jedoch dazu gezwungen, Abstand zu halten, wo Nähe gefragt ist. Allmählich nehmen die Anfragen aber wieder zu, informiert Vereinsvorsitzende Susanne Kühn-Benning auf Nachfrage von Kerstin Geis (SPD). Die Landtagsabgeordnete erkundigte sich bei ihrer Sommertour, wie der Hospizverein bislang durch die Krise gekommen ist.

Nachdem die Arbeit der Hospizhelfer vorübergehend beinahe zum Erliegen gekommen war, gehe es nun Stück für Stück wieder bergauf. "Wir können langsam auch wieder in die Heime", freut sich Kühn-Benning. Doch was sie dort zu sehen bekommt, damit hätte sie nicht gerechnet. "Es ist erschreckend, wie sich der Zustand der Betroffenen nach anderthalb Jahren geändert hat, wie die Persönlichkeit gelitten hat", schildert Kühn-Benning. Den Eindruck kann Veronika Weizsäcker, leitende Koordinatorin beim Hospizverein, nur bestätigen: "Manche können gar nicht mehr richtig kommunizieren."

Da die Hospizarbeit nicht zum Bereich der Pflege zählt, durften die ehrenamtlichen Helfer erst relativ spät wieder in die Heime, erläutert Weizsäcker. "Wir werden sehr spät informiert, so dass es oft gar nicht erst zur Begleitung kommt und die Menschen vorher schon gestorben sind", bedauert sie. Doch nicht nur die Hospizhelfer seien nicht zu den Patienten gekommen, auch Angehörige durften erst ganz zum Schluss zu ihnen. "Ihnen ist die Phase des Verabschiedens genommen worden, darunter leiden die Menschen", schildert Kühn-Benning die Situation.

Pflegepersonal ist überfordert

Das Personal in den Heimen habe mit dieser Situation ebenfalls zu kämpfen und sei oftmals überfordert. "Wir haben gemerkt, dass wir unsere Arbeit auch für das Pflegepersonal, das einen schweren Stand hat, anbieten", so Kühn-Benning. Generell habe es in den zurückliegenden Monaten viele Anfragen und Beratungen zu Patientenverfügungen und -vollmachten gegeben, ergänzt Weizsäcker. Ebenso hätten die Trauerberatungen zugekommen, da beispielsweise mit den ausgefallenen Bibelkreisen Orte des Austauschs weggebrochen seien. Der Hospizverein selbst sei jedoch zu jeder Zeit arbeitsfähig gewesen, nicht zuletzt dank der 2019 vollständigen Umstellung der IT-Struktur im Verein. So fanden Gruppenberatungen und Coachings während dieser Zeit allesamt online statt. "Was aber nicht funktionieren wird, ist eine Sterbebegleitung auf elektronischen Weg", schränkt Carsten Albermann, der als Beisitzer den Verein mit digitaler Technik ausstattet, ein. Trotz der vielen Chancen und Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, freue sich Kühn-Benning, wenn die Beratungen jetzt wieder von Angesicht zu Angesicht stattfinden können.

Demenz-WG in der Mainspitze

Neben den Herausforderungen der Corona-Krise fordert ein weiteres Großprojekt das Engagement der Mitglieder im Hospizverein. Neben einem Tageshospiz soll es in der Mainspitze eine Demenz-WG und eine Lebens-WG für Menschen geben, die wegen einer schweren Erkrankung ihre Wohnung aufgeben mussten. Das Konzept sehe vor, dass Ressourcen des Hospizvereins optimal gebündelt werden können. Der Verein befinde sich momentan in Gesprächen mit möglichen Kooperationspartnern. "Dafür werden wir alle Unterstützer brauchen, die wir bekommen können", blickt Kühn-Benning in eine Zukunft, in der Corona nicht mehr die Hauptrolle spielt. Johanna Thaben

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