Ein Mitarbeiter der Mainzer Netze entfernt das Storchennest von der Hochspannungsleitung in der Nähe des Altrheins.
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Ein Mitarbeiter der Mainzer Netze entfernt das Storchennest von der Hochspannungsleitung in der Nähe des Altrheins.

Umwelt

Stromanbieter entfernt Nester

In Ginsheim-Gustavsburg haben sich Störche auf Strommasten niedergelassen und begonnen zu nisten. Weil das für die Tiere lebensgefährlich ist, müssen sie jetzt umsiedeln.

Ginsheim-Gustavsburg -In luftiger Höhe auf den Starkstrommasten ist am Montag und Dienstag auf der Insel Nonnenau und am Ginsheimer Deich einiges los. Mitarbeiter der Mainzer Netze klettern die Masten hinauf. Sie wollen die Nester der Störche entfernen - im Idealfall bevor die Tiere darin ihre Eier legen. Mit dabei sind auch Bernd Petri vom Nabu und Claudia Ward vom Wildtierschutzverein Deutschland, die die Aktion vom Boden aus beobachten. Die Mainzer Netze arbeiten dabei eng mit dem Nabu zusammen. So leitet Petri die Entfernung und kontrolliert zuvor die Nester auf Eier oder Jungtiere.

Michael Theurer, Pressesprecher der Mainzer Netze, sagt: "Im vergangenen Jahr haben wir in unserer Netzgruppe 46 Nester gezählt. Das Nisten auf den Hochspannungsmasten stellt für die Tiere auch eine Gefahr dar. Durch Funkenschlag kann das Nest in Brand geraten. Die erwachsenen Tiere können sich dann in der Regel retten, den Jungtieren gelingt das jedoch nicht."

Abgesehen von der Gefahr für die Tiere seien die Bauten in luftiger Höhe auch aus technischer Sicht nicht ganz unproblematisch. Denn das Gewicht der Nistplätze könne die Isolatoren und die Stahlkonstruktion der Masten beschädigen. Zudem könne es durch herabhängende Zweige des Nestes zu Spannungseinbrüchen im Netz und Störungen in den Anlagen der Kunden kommen. "In der Vergangenheit ist es sogar schon zum Ausfall von Leitungen und von ganzen Umspannwerken gekommen", bemerkt Theurer.

Nicht alle Nistplätze werden entfernt

Dem Unternehmen sei jedoch sehr daran gelegen, dass es den Tieren gut gehe. Aus diesem Grund sei die enge Zusammenarbeit mit dem Nabu so wichtig. So werden zum Beispiel Nester auf anderen Teilen der Masten, die nicht kritisch sind - also zu keinen technischen Problemen führen können - belassen. Dies ist auch in Ginsheim der Fall, wie Claudia Ward berichtet. "Es gibt noch ein Nest auf einem Mast auf der Insel Nonnenau. Da sich das Nest im unteren Bereich der Stahlkonstruktion befindet, musste es nicht entfernt werden."

Dennoch seien viele Ginsheimer traurig, dass die Storchennester abgebaut worden seien. "Die Störche sind im Ortsteil so etwas wie Maskottchen. Die Menschen sind immer gerne an ihren Nestern vorbei spaziert", sagt Ward. Um Bernd Petri habe sich nun eine kleine Gruppe von Bürgern gebildet, die gerne einen Mast als alternativen Nistplatz in der Stadt installieren wollen. "Das Problem ist nur, dass uns das die Naturschutzbehörde noch nicht mal auf Privatgrundstücken genehmigt. Doch wir werden dranbleiben. Denn die Kronen von Bäumen abzusägen, wie es uns stattdessen geraten wurde, um den Störchen einen Platz zu bieten, wollen wir nicht." Zumal die Mainzer Netze sogar angeboten hätten, einen Mast in Ginsheim zu installieren, betont Ward.

Rückkehr an den Ort der Geburt

Tatsächlich suche das Unternehmen nach der Entfernung der Nester nach Alternativen für die Vögel. Um den erneuten Bau eines Nestes auf den Hochspannungsmasten zu verhindern, haben die Mitarbeiter der Mainzer Netze nach dem Entfernen der Nester kleine Windräder an der Stelle installiert. Sollten sich die Tiere jedoch davon nicht abhalten lassen, weil die Brutzeit unmittelbar bevorsteht, würden die Nester erneut entfernt, bevor es zur Eiablage kommt.

"Störche kommen als erwachsene Tiere immer wieder dahin zurück, wo sie geboren wurden", informiert Claudia Ward. Es sei schwierig, sie dann umzusiedeln. Aus diesem Grund - und weil die Vogelart in Ginsheim so beliebt sei - hoffe sie nun darauf, dass doch noch mindesten ein Storchenmast installiert werden können. Dafür wolle die Gruppe der Bürger alles tun.

Daniela Hamann

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