Mehr als 120 Bürger demonstrieren am Samstagnachmittag vor der Groß-Gerauer Stadthalle gegen die darin stattfindende AfD-Veranstaltung. FOTO: Ralph Keim
+
Mehr als 120 Bürger demonstrieren am Samstagnachmittag vor der Groß-Gerauer Stadthalle gegen die darin stattfindende AfD-Veranstaltung.

Politik

AfD in Groß-Gerau: Bürger protestieren gegen Intoleranz und Hass

Eine Veranstaltung der AfD ruft in Groß-Gerau mehr als 120 Bürger auf den Plan. Sie demonstrieren gegen Antisemitismus, Rassismus und Hass.

Groß-Gerau – Drinnen im Saal ging es um die Versäumnisse des Rechtsstaats - zumindest aus Sicht der AfD. Draußen auf der Straße ging es darum, dass eben jener Rechtsstaat Veranstaltungen billigen muss, auch wenn sie sich mehr oder weniger offen gegen den Rechtsstaat wenden.

Als bekannt geworden war, dass die AfD in der Stadthalle von Groß-Gerau am Samstagnachmittag eine Infoveranstaltung abhalten wolle, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Kritiker und Gegner unter der Regie des Groß-Gerauer Aktionsbündnisses gegen Rechtsextremismus formiert hatten: Gut 120 Demonstranten waren es vor der Stadthalle, knapp 40 Besucher zählte die AfD-Infoveranstaltung.

"Der Rechtsstaat und die Gesellschaft müssen eine solche Veranstaltung akzeptieren", bekräftigte Erhard Walther (CDU), Bürgermeister von Groß-Gerau. Denn die mehr oder weniger offen ausgesprochene Frage, warum die Kommune eine AfD-Veranstaltung toleriere beziehungsweise überhaupt genehmigt habe, war förmlich greifbar. Selbstverständlich verwies auch der christdemokratische Rathauschef - wie die zahlreichen Redner an diesem Nachmittag vor der Stadthalle ebenfalls - auf die Werte und Grundsätze dieses Staates: Toleranz, Achtung der Menschenwürde, Meinungs- und Pressefreiheit. Werte und Grundsätze, die die AfD mit Füßen trete.

Groß-Gerau: Demo gegen Intoleranz und Hass der AfD - "Verbale Gewalt gefährdet Frieden"

Gewerkschafter, Kommunalpolitiker aller Couleur, Mitglieder der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend, Kirchenleute und "Omas gegen Rechts" zeigten an diesem schwülwarmen Nachmittag vor der Stadthalle stundenlang Flagge. Die Gesellschaft dürfe keinerlei Intoleranz hinnehmen, lautete der Tenor. Jegliche Form von Hass, Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus müsse bekämpft werden. Redner wie der Vorsitzende des DGB-Ortsverbands Groß-Gerau, Bruno Walle, richteten sich vehement gegen die AfD und deren meist menschenverachtenden Aussagen. "Diese verbale Gewalt gefährdet den sozialen Frieden."

Die Besucher der AfD-Veranstaltung trafen derweil nach und nach ein. Am Eingang zur Stadthalle standen Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, drinnen waren es Mitarbeiterinnen, die die Besucher empfingen. Direkt am Eingang ließen sich hin und wieder AfD-Gastgeber sehen: in erster Linie Ingeborg Horn-Posmyk, die für die AfD im Kreistag sitzt, und die Rüsselsheimer AfD-Politikerin Irmgard Horesnyi.

Groß-Gerau: Schweigeminute sorgt für Unmut aufseiten der AfD

Als die Teilnehmer der Kundgebung mit einer Schweigeminute Esther Bejarano gedachten, kam bei den AfDlern Unmut auf. "Warum gibt es keine Schweigeminute für die Opfer von Würzburg?", fragte Ingeborg Horn-Posmyk. Zur Erinnerung: Esther Bejarano (15. Dezember 1924 bis 10. Juli 2021) war Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Später engagierte sie sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten. In Würzburg tötete vor gut zwei Wochen ein Somalier mit seinen Messerattacken drei Frauen und verletzte zahlreiche Menschen.

Die von der AfD geforderte Schweigeminute wurde später im Saal nachgeholt: Irmgard Horesnyi sprach dabei von Opfern, die vom Staat im Stich gelassen worden seien. Der Täter sei nur deshalb ins Land gekommen, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel in unverantwortlicher Weise die Grenzen geöffnet habe.

Irmgard Horesnyi sprach weiterhin von einer unerhörten Schande und von "Opfern zweiter Klasse". Dasselbe gelte für Leonie in Österreich. Zur Erinnerung: Das 13 Jahre alte Mädchen war vor gut zwei Wochen in Wien unter Drogen gesetzt, missbraucht und getötet worden. Die mutmaßlichen Täter sollen unter anderem aus Afghanistan stammen. Und dann hatten in der Stadthalle AfD-Spitzenpolitiker das Wort: Jan Nolte, Mariana Harder-Kühnel und Markus Frohnmaier sitzen für die AfD im Bundestag. In ihren Reden ging es unter anderem um die Versäumnisse und das Versagen der Politik und des Rechtsstaates - zumindest aus Sicht der AfD. (Ralph Keim)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare