Die Impfstrategie von Bund und Ländern geht auf, findet Klinik-Chefin Erika Raab. Die Fallzahlen und Krankheitsraten nehmen an der Kreisklinik in Groß-Gerau zurzeit nicht zu. Die Kreis-Inzidenz ist dagegen auf über 130 gestiegen. Foto: dpa
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Die Impfstrategie von Bund und Ländern geht auf, findet Klinik-Chefin Erika Raab. Die Fallzahlen und Krankheitsraten nehmen an der Kreisklinik in Groß-Gerau zurzeit nicht zu. Die Kreis-Inzidenz ist dagegen auf über 130 gestiegen.

Corona

"Befinden uns auf einem guten Weg"

  • vonDirk Beutel
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Das Infektionsgeschehen im Kreis nimmt an Fahrt auf. Doch die stationären Fallzahlen an der Kreisklinik bleiben stabil. Seit Wochen gibt es auch keine Patienten mehr aus Alten- und Pflegeheimen.

Groß-Gerau -Seit Tagen schlagen Intensivmediziner bundesweit Alarm. Grund ist die sich wieder zuspitzende Infektionssituation. Manche Experten sprechen schon jetzt von einer Belegung der Intensivstationen mit Corona-Patienten, die so hoch sei, wie in der ersten Corona-Welle und forderten vor den Beratungen der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel einen strengeren Lockdown mit schärferen Kontaktbeschränkungen.

Auch im Kreis Groß-Gerau hat das Infektionsgeschehen in den vergangenen Tagen an Fahrt aufgenommen. Derzeit liegt die kreisweite Inzidenz bei 130,9 mit 255 Todesfällen (Stand: 25. März). Doch die Kreis-Inzidenz gibt nicht die Lage auf der Intensivstation der Kreisklinik wieder, erläutert deren Geschäftsführerin Erika Raab. "Die Impfstrategie geht auf. Seit mehreren Wochen schon haben wir auf unserer Covid-Station keine Fälle mehr aus Alten- und Pflegeheimen behandelt. Die Inzidenzzahlen geben nur ein relatives Bild des Infektionsgeschehens wieder.

Aufgrund der aktuellen veränderten Test-Strategie steigen zwar die Inzidenzwerte an, gleichzeitig nehmen jedoch die stationären Fallzahlen und die Krankheitsraten nicht zu." Der Entscheidung eines strengeren Lockdowns müsse laut Raab stets die Frage der Verhältnismäßigkeit vorangehen und abgewogen werden: "Ich denke, dass mit Hilfe der Schnelltests und Impfungen Öffnungsstrategien möglich sind. Auch müssen wir hier den Blick auf das Positive richten. Wir stehen nicht mehr am selben Punkt wie noch vor sechs oder zwölf Monaten. Wir haben uns weiterentwickelt. Mit den FFP2-Masken, den Impfungen und auch der Luca-App können wir das Infektionsgeschehen viel besser managen. Auch verfügt der Kreis über ausreichend Testmöglichkeiten."

Vermehrt junge Menschen infiziert

Derzeit werden auf der Intensivstation der Kreisklinik sechs Covid-Patienten versorgt, 15 auf der Covid-Normalstation, hinzukommen zwei Verdachtsfälle. Die Geschäftsführerin bestätigt, dass sich nun vermehrt jüngere Menschen mit dem Coronavirus infizieren. "Auch, wenn die Krankheitsverläufe grundsätzlich milder verlaufen als bei Älteren, ist es schwierig, konkrete Aussagen über Covid-Spätfolgen zu treffen", so Raab. Aus diesem Grund sei es wichtig, weiter umsichtig zu handeln und umfassend vorbereitet zu sein. Heißt: Die medizinische Abteilung stellt sich bereits jetzt für die Behandlung von Long-Covid-Folgen auf. Raab: "Insbesondere in den Bereichen der Inneren Medizin, wie Pneumologie und Kardiologie haben wir uns verstärkt."

Im Vergleich zur Situation der Kreisklinik im Winter, als man täglich an der Belastungsgrenze arbeitete, habe sich die Situation zum gegenwärtigen Zeitpunkt deutlich entspannt. "Trotzdem sind wir weiter vorsichtig und haben zur Lage-Absicherung mit dem Ministerium abgesprochen, unsere Kapazitäten auf der Intensivstation vorerst für Covid-Fälle freizuhalten", erklärt Erika Raab.

Damit die Lage so bleibt, komme es in den nächsten zwei Wochen wesentlich auf das Verhalten der Bürger an, vor allem während der Osterfeiertage. Raab: "Wir befinden uns auf einem guten Weg, den wir jetzt nicht durch Nachlässigkeit in den Kontaktbeschränkungen und Hygieneregelungen gefährden sollten." Dirk Beutel

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