Hier geht's lang: Im Groß-Gerauer Impfzentrum läuft der Betrieb seit Februar. Foto: Anna Grösch
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Hier geht's lang: Im Groß-Gerauer Impfzentrum läuft der Betrieb seit Februar.

Corona

Es könnte noch mehr geimpft werden

  • Anna Grösch
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Der Betrieb im Groß-Gerauer Impfzentrum läuft - Aber es gibt auch Probleme

Seit mehr als zwei Monaten läuft der Betrieb im Groß-Gerauer Impfzentrum. Hinter die Absperrungen auf dem Areal rund um die Turnhalle der Martin-Buber-Schule kommt nur, wer dazu berechtigt ist und für eine Impfung zugelassen ist. Oder einen Impfling begleitet. Alles ist durchorganisiert, wer schlecht zu Fuß ist, wird direkt am Eingang mit einer Art Golfcart abgeholt. Auf dem Gelände selbst stehen hinter Absperrungen mehrere Container und weiße Zelte. Man könnte meinen, hier fände ein Festival statt, aber nein, es wird gearbeitet. Daran, dass möglichst viele Menschen aus dem Kreis Groß-Gerau möglichst schnell ihre Impfung erhalten können.

Landesportal macht Ärger

Andreas Franz ist der Leiter des Impfzentrums, Jochen Melchior sein Stellvertreter. Beide arbeiten für den Kreis Groß-Gerau, der Träger des Impfzentrums ist, Betreiber ist der MfS-Rettungsdienst. Man habe die Kapazität und das Personal, um 1800 Impfungen am Tag durchzuführen, sagen die beiden Leiter. Die Realität aber sieht anders aus. Rund 1200 Dosen würden derzeit täglich verimpft, die Tendenz steigt. Und trotzdem: Kapazitäten für mehr gäbe es. Doch woran hängt es? Probleme gebe es teilweise schon bei der Vergabe der Impftermine, erzählt Melchior. "Das Chaos, das entsteht, entsteht beim Land Hessen." Die Impfzentren machen seiner Meinung nach gute Arbeit, doch das Portal zur Vergabe der Termine sei noch zu fehleranfällig, manche Menschen warteten schon seit Monaten auf einen Termin. Andere melden sich nicht ab, wenn sie schon beim Hausarzt geimpft wurden. Das blockiert die Slots für Leute, die noch auf die Impfung warten.

Generell sei die große Bürokratie ein Problem. Erschwerend komme der schlechte Ruf des Astrazeneca-Impfstoffs hinzu, den manche Menschen nicht bekommen wollen. Dass das Vakzin dermaßen in Verruf geraten ist, ärgert Leiter Andreas Franz sehr. "Das ist ein guter Impfstoff!", sagt er. "Die Leute sind verunsichert. Hier vor Ort haben sie die Möglichkeit, noch einmal von einem Arzt beraten zu werden."

Viele entschieden sich schließlich doch für den Astrazeneca-Impfstoff. Rund 750 Dosen davon würden in Groß-Gerau pro Tag verabreicht. Wer ihn trotz allem nicht geimpft bekommen möchte, muss wieder gehen. Einen Wechsel gibt es nicht, wenn keine glaubhafte medizinische Indikation eines Arztes vorliegt. Das seien allerdings Einzelfälle, nur ein bis zwei Personen am Tag gingen ungeimpft wieder nach Hause, so Franz.

Verimpft werden auch die Impfstoffe von Biontech, und Moderna. Vorher wird am Eingang Fieber gemessen, auch etwaige medizinische Fragen können mit einem Arzt geklärt werden. Doch manche Impfwillige müssten wieder weggeschickt werden, wenn sie nicht die nötigen Dokumente dabei haben oder deren Arzt keinen klaren Grund für die Notwendigkeit der priorisierten Impfung formuliert habe. Franz bedauert das, verweist aber auf die strengen Regeln des Landes. "Wenn es nach uns ginge, würde geimpft, wer kommt."

Aber dann gibt es auch noch die Menschen, die gar nicht erst auftauchen. Pro Tag werden rund hundert Termine nicht wahrgenommen - nicht nur solche, bei denen Astrazeneca verimpft werden sollte, wie Melchior berichtet. Ärgerlich sei das. Darüber, dass Impfstoff weggeworfen werde, müsse sich in Groß-Gerau aber niemand Sorgen machen.

Viele zeigen sich dankbar

Die Spritzen werden per Hand aufgezogen, so kann die Menge angepasst werden. Blieben angebrochene Fläschchen übrig, würden diese bei der Impfbörse oder im Krankenhaus oder bei der Feuerwehr verimpft. Die Impfbörse ist ein Angebot des Kreises, bei denen sich Impfwillige anmelden konnten, um spontan übriggebliebene Dosen der Impfstoffe zu bekommen. Derzeit ist sie allerdings geschlossen, rund 2400 Menschen hatten sich vorher registriert.

Der Ablauf im Impfzentrum funktioniere sehr gut, wie Franz sagt. Einige Menschen hätten sich nach der Impfung sogar beschwert, dass so wenig los sei, weil der Wartebereich zu leer sei. Franz lacht. Kurze Wartezeiten bedeuteten schließlich, dass der Betrieb reibungslos laufe. Doch es gibt noch etwas, das den Betreibern Sorgen macht. In zwei Schichten wird von 7 bis 22 Uhr gearbeitet, der Einsatzbefehl des Landes liegt bis zum 31. August vor. Ob es dann weitergehen soll - ungewiss.

Franz und verweist auf die rund 70 Menschen pro Schicht, die medizinisch, in der Verwaltung oder im Sicherheitsbereich arbeiten. Noch hätte man vom Land keine Rückmeldung erhalten, ob der Betrieb auch nach Ende August aufrecht erhalten werden sollte. "Die werden dann arbeitslos sein." So plane man eben mit dem Ende im August. Die Impfung an sich geht schnell. Wer den Nadelstich hinter sich gebracht hat, muss vor der Abmeldung noch einmal eine Viertelstunde Platz nehmen. So sollen etwaige allergische Reaktionen oder Kreislaufprobleme direkt behandelt werden können. Viele Geimpfte seien sehr dankbar, wie Jochen Melchior sagt. Das freut ihn und seine Mitarbeiter. "Es wird so viel Kuchen und Süßes zur Zweitimpfung mitgebracht, wir kommen mit dem Essen gar nicht hinterher." agr

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