Bei einigen Brunnen, die von der Landwirtschaft zur Bewässerung der Felder genutzt werde, kann es zu einer Überschreitung des Vorsorgewerts kommen. Foto: dpa
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Bei einigen Brunnen, die von der Landwirtschaft zur Bewässerung der Felder genutzt werde, kann es zu einer Überschreitung des Vorsorgewerts kommen.

Gesundheit

Kreis Groß-Gerau: Verbotener Stoff belastete Grundwasser – Gefahr für Tiere und Lebensmittel

Im Kreis Groß-Gerau sollen Verbraucher das Grundwasser nicht nutzen. Der Vorsorgewert eines verbotenen Stoffs wird an einigen Stellen überschritten.

Kreis Groß-Gerau – Das Grundwasser im Kreis Groß-Gerau ist derzeit nur mit größter Vorsicht zu genießen. Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz und Landwirtschaft rät sogar komplett von einer Nutzung ab. Grund ist ein mittlerweile verbotener Stoff, der schon vor Jahren in den Boden des hessischen Rieds gelangt – nicht ohne Folgen.

Der Wirkstoff Dikegulac ist schon Ende des Jahres 2018 bei einem landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Groß-Gerau in Spinat festgestellt worden. Daraufhin hat das Umweltministerium ein Messprogramm zu diesem Mittel durchgeführt. Zwar wurde in keiner der untersuchten Grundwasserproben der Leitwert für Trinkwasser, der bei 1000 Mikrogramm je Liter liegt, überschritten. Doch der Vorsorgewert (50 Mikrogramm/l) wurde in fünf der insgesamt 45 untersuchten Grundwasserproben überschritten.

Groß-Gerau: Verbotener Stoff Dikegulac im Grundwasser – Konzentration wird langsam abnehmen

Um die Entwicklung der Dikegulac-Konzentrationen im Grundwasser abschätzen zu können, hatte das Land eine Modellierung in Auftrag gegeben, wie das Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz informiert. "Die Ergebnisse zeigen, dass die Dikegulac-Konzentrationen an keiner Stelle über dem Trinkwasser-Leitwert liegen. Sie werden außerdem über die Jahre immer weiter abnehmen. Trotzdem kann es bei einigen Brunnen, die von der Landwirtschaft für die Bewässerung der Felder genutzt werden, zu einer Überschreitung des Vorsorgewertes kommen.

„Zur Einhaltung des Minimierungsgebotes sollte bei diesem Wert das Grundwasser nicht unmittelbar für die Bewässerung beim Lebensmittelanbau oder zum Tränken von Tieren verwendet werden“, erklärte Umweltministerin Priska Hinz jüngst. Für die Modellierung wurden in einem etwa 190 Quadratkilometer großen Teilgebiet des Hessischen Rieds die Grundwasserströme genau untersucht. Von den insgesamt seit den 1940er Jahren über das Abwasser emittierten 7600 Tonnen Dikegulac befänden sich aktuell noch etwa 94 Tonnen im Grundwasser, die sich über die Jahre weiter verdünnen werden.

Frühwarnsystem für Grundwasser in Groß-Gerau eingerichtet: Abfallprodukt der Vitamin-C-Produktion

Aufgrund der Trockenheit der letzten Jahre werde jedoch davon ausgegangen, dass nur eine langsame Verdünnung stattfinden wird. Um die Aussagen der Modellprognosen fortlaufend zu überprüfen, wurde ein Überwachungssystem eingerichtet. "Die Modellierung und die weiteren Messungen ermöglichen damit ein Frühwarnsystem für die landwirtschaftlichen Betriebe. Wir haben die Beregnungsverbände über die Ergebnisse informiert. Bei der Beprobung der Brunnen werden wir die Landwirtinnen und Landwirte bei Bedarf unterstützen. Sollte dort der Vorsorgewert überschritten werden, helfen wir dabei, alternative Wasserressourcen und technische Lösungen für die Bewässerung zu finden," ergänzte Hinz.

Seit den 1940er Jahren ist Diacetonketogulonsäure (Dikegulac) als Abfallprodukt der Vitamin-C-Produktion der Firma Merck in großen Mengen über das Abwasser in die Umwelt gelangt.

Abwasserbehandlung der Fima Merck im Kreis Groß-Gerau 1989 veranlasst

Nach Bekanntwerden der Dikegulac-Befunde im Grundwasser im Kreis Groß-Gerau im Jahr 1989 wurde behördlich veranlasst, dass die Abwasserbehandlung des Industriebetriebes um eine weitere Stufe ergänzt wurde. Hierdurch konnte die Dikegulac-Fracht deutlich verringert werden. Der Produktionsprozess, bei dem das Nebenprodukt Dikegulac entstand, wurde 1999 eingestellt.

Der Trinkwasserleitwert gibt die Höchstkonzentration im Trinkwasser an, die ein Leben lang ohne gesundheitliche Schäden aufgenommen werden kann. Das Minimierungsgebot besagt, dass die Konzentrationen so gering zu halten sind, wie dies mit vertretbaren Aufwand möglich ist. (red)

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