Nachgestellte Szene einer Geldübergabe: t ihren Anrufen versetzten die Betrüger ihre Opfer in Angst und Schrecken. Einer der Täter zeigt sich zwar geständig, der Richter greift jedoch hart durch. FOTO: dpa
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Nachgestellte Szene einer Geldübergabe: t ihren Anrufen versetzten die Betrüger ihre Opfer in Angst und Schrecken. Einer der Täter zeigt sich zwar geständig, der Richter greift jedoch hart durch.

Gericht

Haftstrafe für Enkeltrick-Betrüger

  • VonWalter Scheele
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Geldgier soll 22-jährigen Angeklagten angetrieben haben

Nur 15 Tage nach seinem 21. Geburtstag startete ein Karosseriebauer seine kriminelle Karriere. Dafür muss der jetzt 22-Jährige die nächsten drei Jahre und drei Monate im Gefängnis verbringen. Als Mitglied einer kriminellen Gruppierung hat er tatkräftig dabei geholfen, Seniorinnen mit dem Enkeltrick um Schmuck und ihr Erspartes zu bringen. Die 12. Große Strafkammer des Landgerichts Darmstadt sprach am Freitag nach einer einstündigen Beratung das Urteil.

Die bandenmäßige Begehung der angeklagten sechs Straftaten sah das Gericht nicht. Auch wenn, so Vorsitzender Richter Christoph Trapp, "vieles dafür spricht. Doch die bisher nicht gefassten Täter müssten dazu befragt werden können". Einer von ihnen ist den Strafverfolgungsbehörden bekannt, sitzt sicher und warm im türkischen Antalya und betreibt mit seiner in Friedberg lebenden Familie seine dreckigen Geschäfte munter weiter.

Vorwürfe der Anklage bestätigt

In allen Punkten sah Staatsanwältin Eda Öztürk-Kayrakt in ihrem Plädoyer die Vorwürfe der Anklage bestätigt. Sie forderte deshalb nicht nur die Einziehung des erzielten Gewinns aus den Straftaten von rund 100 000 Euro, sondern wegen bandenmäßig begangenen Betruges vier Jahre und zehn Monate Haft.

Verteidiger Thorsten Peppel sah die Sache in wesentlich milderem Licht. Er bat das Gericht zu bedenken, dass sein Mandant ja "fast noch unter das Jugendstrafrecht gefallen wäre". Denn er sei ja gerade nur sehr knapp nach der Volljährigkeit "von einem Freund zu den Taten verführt worden", gab er dem Gericht zu bedenken. Außerdem habe sein Mandant einen festen Job und eine Freundin. Deshalb bestehe keine Gefahr, er könne sich ins Ausland absetzen oder wieder straffällig werden. Zumal er ja angefangen habe, seine Taten wieder gut zu machen.

Das sah Vorsitzender Richter Trapp nicht so. Obwohl der Verurteilte tätige Reue zeige, einen Teil der Schuld bereits wieder gutgemacht habe, bestehe doch die Gefahr, dass er sich ins Ausland absetzen werde. Denn dort lebe in guten Verhältnissen jener Mittäter, der ihn bei seinen Straftaten "geführt und bezahlt" habe. Deshalb bleibe er auch bis zur Rechtskraft des Urteils, gegen das Revision möglich ist, in Untersuchungshaft.

In Angst und Schrecken versetzt

Als besonders "perfide Masche" bezeichnete es Richter Trapp, dass einer der drei Täter, die dem Gericht bekannt wurden, die Seniorinnen im Kreis Groß-Gerau wie im gesamten Rhein-Main-Gebiet nachts mit "schockierenden Alarmmeldungen" in Angst und Schrecken versetzte. "Denn wer legt denn klaren Kopfes seine Bankkarte mit PIN-Nummer unter die Fußmatte oder aufs Fensterbrett, damit die Polizei sie in Sicherheit bringen kann?", stellte der Richter eine rhetorische Frage.

Die bandenmäßige Begehung der Straftaten sah der Vorsitzende der 12. Großen Strafkammer nicht als nachgewiesen an. Denn dafür müsse bewiesen werden, dass sich die Bandenmitglieder entsprechend für die Taten verabredet hätten - was in diesen Fällen nicht nachzuweisen sei, auch wenn vieles dafür spreche.

Dass auch der 22-Jährige mit erheblicher krimineller Energie und aus Geldgier bei den Taten mitgewirkt hat, sah die Strafkammer ebenfalls als erwiesen an. Denn er sei teilweise Hunderte von Kilometern gefahren, um bei den von Mittätern am Telefon "weich gekochten" Seniorinnen vorzugsweise EC-Karten und weniger gern Schmuck abzuholen. Das spreche schon für nicht geringen Eifer bei der Ausführung der Taten.

Besonders perfide sei, dass die Täter sich immer wieder als Polizisten oder gar Staatsanwälte ausgaben. "Sie kommen immer wieder auf neue Tricks, aber das Ziel bleibt immer das gleiche: Seniorinnen ihr Erspartes aus der Tasche zu ziehen." Walter Scheele

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