Andreas Franz (links) und Jochen Melchior leiten das Impfzentrum (Hintergrund) in Groß-Gerau. Dieses wird bald geschlossen, so dass die beiden Kreismitarbeiter wieder an ihre eigentlichen Arbeitsplätze zurückkehren können. Foto: Ralph Keim
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Andreas Franz (links) und Jochen Melchior leiten das Impfzentrum (Hintergrund) in Groß-Gerau. Dieses wird bald geschlossen, so dass die beiden Kreismitarbeiter wieder an ihre eigentlichen Arbeitsplätze zurückkehren können.

Corona

Impfzentrum stellt Ende des Monats seinen Betrieb ein

Ein großes Kapitel der Corona-Krise schließt

Wenn in nicht einmal zwei Wochen am Abend des 30. Septembers der letzte Piks verabreicht ist, geht in Groß-Gerau ein wichtiges Kapitel der Corona-Krise zu Ende. Denn dann wird das in der Sporthalle der Martin-Buber-Schule untergebrachte Impfzentrum geschlossen. Für den Leiter der Einrichtung, Andreas Franz, und seinen Stellvertreter Jochen Melchior Zeit für einen Rückblick.

"An manchen Tagen hatten wir bis zu 1800 Impfungen." Andreas Franz und Jochen Melchior erinnern sich selbstverständlich noch bestens, als die Corona-Impfungen in Deutschland endlich auf Hochtouren liefen. Im Mai und im Juni war das gewesen, als im Impfzentrum bis zu 350 Menschen beschäftigt waren und von 7 bis 22 Uhr geöffnet war.

Es gibt nur noch wenig zu tun

Inzwischen "tröpfelt" es nur noch. Lediglich ab und zu kommt ein Impfwilliger vorbei. Und oft genug dreht das längst reduzierte Personal Däumchen. Und das liegt nicht nur daran, dass die Impfquote seit etlichen Wochen nun schon nur kriechend steigt und dass ebenso nicht wenige ihren Impftermin sausenlassen. Längst impfen auch Ärzte und längst kann man sich auch anderswo impfen lassen, beispielsweise auf Parkplätzen von Supermärkten oder im Urlaub. "Was aber auch auf uns zutrifft: Wir haben beispielsweise zahlreiche Erntehelfer geimpft, die hier in der Region tätig sind", erläutert Jochen Melchior.

Bis zum Abend des vergangenen Mittwochs verließen 87 898 doppelt Geimpfte mit einem Pflaster am Oberarm das Impfzentrum, wo am 9. Februar der erste Piks verabreicht wurde. Hinzu kommen 9401 Einmal-Impfungen. Im ganzen Landkreis waren es bis dahin insgesamt allein 185 510 Impfungen, darunter 313 Dritt-Impfungen, die im Zentrum verabreicht wurden.

Pro und Contra, Unsicherheiten, Falschmeldungen, Appelle und Verweigerungen - seit Ende vergangenen Jahres vergeht kaum ein Tag, an dem das Impfen gegen Corona nicht Thema ist. Andreas Franz und Jochen Melchior haben dazu eine klare Meinung und denken dabei an Alt-Bundespräsident Joachim Gauck, der Impfgegner erst kürzlich als "Bekloppte" bezeichnet hatte.

Wobei "die Bekloppten" im Impfzentrum nicht das Problem gewesen seien, bekräftigen Franz und Melchior: "Es gab keine Demos, keine Blockaden, keine störenden oder gar gewalttätigen Aktionen", kann Andreas Franz wenige Tage vor der Schließung bilanzieren.

Viel Lob, Dank und Anerkennung

Was er und Jochen Melchior allerdings monieren: Vom zwischenzeitlichen Impfstopp für Astrazeneca, was Mitte März allgemein für große Verunsicherung gesorgt hat, haben sie und die anderen Mitarbeiter zuerst aus der Presse erfahren. "Besser wäre gewesen, wenn wir es direkt von den Entscheidungsträgern erfahren hätten", bekräftigt Jochen Melchior. "Wir haben damals tatsächlich falsche Todesanzeigen geschickt bekommen", nennt Andreas Franz ein Beispiel für "Bürgerprotest".

Aber es habe auch sehr viel Lob, Dank und Anerkennung gegeben. Einmal habe eine zu impfende Frau Kuchen mitgebracht. Und immer wieder seien die Mitarbeiter des Impfzentrums mit kleinen Geschenken bedacht worden. "Und einmal hatten wir sogar eine komplette Hochzeitsgesellschaft. Geimpft wurde die Braut, die ihren Termin nicht sausenlassen wollte", erinnert Jochen Melchior an den vielleicht schönsten Moment in den überwiegend trüben Monaten der Pandemie.

Einen Monat wird es nach der Schließung dauern, bis der Sporthallenkomplex der Martin-Buber-Schule wieder als solcher genutzt werden kann. Im Laufe des Monats Oktober wird alles, was mit dem Impfzentrum zu tun hatte, abgebaut und abtransportiert. Danach folgt eine umfangreiche Grundreinigung. Dann steht die Halle wieder den Schülern und den Vereinen zur Verfügung.

Andreas Franz und Jochen Melchior kehren dann wieder zu ihren eigentlichen Arbeitsplätzen in der Kreisverwaltung zurück. Denn beide sind zu ihren Aufgaben im Impfzentrum gekommen "wie die Jungfrau zum Kind": Andreas Franz ist Leiter des Rechnungsprüfungsamtes der Kreisverwaltung, Jochen Melchior ist der Leiter des Kulturbüros des Kreises. "Man hat uns gefragt, ob wir uns die neue Aufgabe vorstellen können", erläutert Andreas Franz. "Und wer könnte da schon Nein sagen", ergänzt Jochen Melchior. Ralph Keim

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