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Kreisklinik Groß-Gerau

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Kreisklinik Groß-Gerau macht höheren Verlust als erwartet

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Um die Kreisklinik ist es nicht sehr gut bestellt. Das Defizit ist mit 9,5 Millionen Euro nun drei Millionen Euro höher als geplant. Das Krankenhaus soll weiter erhalten bleiben.

So hatten sich Klinik-Geschäftsführer Reinhold Linn und Landrat Thomas Will (SPD) den Jahresabschluss für die Kreisklinik sicherlich nicht vorgestellt. Das Krankenhaus wird das Jahr 2018 mit einem Defizit von rund 9,5 Millionen Euro abschließen. In der Beschlussvorlage für die aktuelle Sitzungsrunde im Kreistag ist noch von 5,9 Millionen Euro die Rede.

Vor zwei Wochen sei der Landrat über die zusätzlichen drei Millionen Euro informiert worden. „Das hat mich überrascht“, sagt Will. Gleichzeitig betont er immer wieder, dass die Klinik auf keinen Fall geschlossen werde. Nun müsse der Kreistag entscheiden, wie es weitergeht. Will und Linn haben dabei schon einen Krisenplan entworfen.

Der Landrat skizziert grob das Vorgehen: Drei Millionen Euro könnten im Nachtragshaushalt 2018 zur Verfügung gestellt werden. Weitere 3,5 Millionen Euro an Restbeträgen, die im laufenden Haushaltsjahr nicht ausgegeben wurden, könnten darüber hinaus für die Klinik verwendet werden. Übrig bleiben drei Millionen Euro, die im nächsten Jahr fortgeschrieben werden sollen.

Sparsam wirtschaften

Für 2019 rechne die Kreisverwaltung mit einem geschätzten jährlichen Defizit von rund sechs Millionen Euro, so Thomas Will. „Der Kreis wird nicht die Städte und Gemeinden zur Kasse bitten“, beteuert er. Mit einer sparsamen Haushaltsführung und der mit dem Umbau einhergehenden steigenden Wirtschaftlichkeit der Klinik könne das Defizit ab 2020 jährlich um rund 500 000 Euro verringert werden.

Rund zwei Millionen Euro des aktuellen Defizits seien allein auf gestiegene Kosten für Personal und Umbaumaßnahmen zurückzuführen. Sind diese abgeschlossen, werde sich die finanzielle Lage stabilisieren, hofft Will.

Geschäftsführer Linn hält weiter an seinem Konzept fest: „Wir passen unser Angebot an die Bedürfnisse der Bürger an, wir sind auf dem richtigen Weg.“ Die Patientenzahlen seien im vergangenen Jahr sogar gestiegen. Das schlage sich aber nicht positiv auf dem Umsatz der Klinik nieder, denn die Behandlungen leichter Fälle werden schlechter vergütet als die von schweren Fällen. Trotzdem wolle die Klinik auch verlustreiche Stationen wie die Geburtshilfe weiterführen. „Die Gynäkologie ist ein Zuschussgeschäft“, so Linn. Weil die Bürger aber Wert auf die Geburtshilfe legten, solle dieses Angebot erhalten bleiben.

Zentrum ist zugelassen

Das neue Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) soll kein Zuschussgeschäft werden, sondern sogar die finanzielle Situation der Klinik verbessern, denn die Leistungen über das MVZ werden anders berechnet als die der Klinik, erklärt Linn. Am Montag sei das MVZ endlich offiziell zugelassen worden, verkündet Will.

Anfang Januar soll das Zentrum erstmals seine Türen öffnen und Patienten ambulant versorgen. Denn „es gibt immer weniger niedergelassene Ärzte, deshalb brauchen wir das MVZ“, sagt Dr. Roxana Sauer, leitende Oberärztin für Innere Medizin. Sie habe bereits ein zuverlässiges Team zusammengestellt, das in den vier Praxisräumen arbeiten wird.

Das Zentrum profitiere von seiner Nähe zum Klinikum, ist sie sich sicher. Mit der Eröffnung werde eine groß angelegte Werbekampagne für das MVZ gestartet. „Wir streben eine schwarze Null an“, beteuert Sauer mit Blick auf die aktuelle Situation der Groß-Gerauer Kreisklinik.

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