Den Bauunternehmen fällt es immer schwerer, die nötigen Arbeitsmaterialien zu beschaffen. FOTO: knapp
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Den Bauunternehmen fällt es immer schwerer, die nötigen Arbeitsmaterialien zu beschaffen.

Unternehmen

Mangelware Baustoffe

  • VonWalter Scheele
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Preise zum Teil auf das Dreifache gestiegen

Mit Sorge blicken nicht nur die 33 mittelständischen Bauunternehmen des Kreises Groß-Gerau in die Zukunft, sondern auch ihre mehr als 2200 Mitarbeiter. Sie suchen zwar dringend Kollegen, aber die Arbeit bei den Betrieben geht schleppend voran. Der Grund: Den Unternehmen fällt es immer schwerer, die nötigen Arbeitsmaterialien zu beschaffen.

Selbst Zement ist nicht mehr zu haben

Bei Baumaterial sind, so der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, inzwischen dramatische Preissteigerungen an der Tagesordnung. Immer weniger Bauherren könnten sich unter diesen Umständen leisten, ihr Bauvorhaben in Angriff zu nehmen. Aufträge ans Handwerk würden deshalb zeitlich verschoben, was zum Teil die Betriebe an den Rand ihrer Existenz bringen könnte.

Andererseits seien die Preise in den vergangenen drei bis fünf Monate nicht nur bei Holz, so Wollseifer, explodiert. Die durchschnittliche Steigerungsrate habe bei 20 bis 30 Prozent gelegen, manche Preise hätten sich sogar verdreifacht. Selbst Zement werde in gewissen Regionen inzwischen zur Mangelware und sei nur für Höchstpreise zu haben. "Alles, was man zum Bauen eines Hauses, zur Renovierung oder zum Umbau braucht, ist kaum noch zu bekommen. Selbst elektronische Bauteile und simple Stromkabel sind kaum noch zu haben."

Wartezeiten von bis zu drei Monaten

Im durchschnittlichen Handwerksbetrieb müssten Kunden im Kreis Groß-Gerau ab der Auftragserteilung "mindestens acht Wochen" warten, bis ein Handwerker sich der Sache annehmen kann. Nicht weil es an Fachkräften mangelt, sondern weil es einfach keine Bau- oder Ersatzteile gibt. Im Bau oder Ausbaubereich könne man sogar mit zehn bis 15 Wochen rechnen, ehe ein Auftrag ausgeführt und abgerechnet werde.

Im Kreis Groß-Gerau sind aktuell 98 Wohn- und 104 gewerbliche Bauten kurz vor der Fertigstellung oder angefangen. Die 2219 Mitarbeiter der 33 Bauunternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern im Kreis haben, so das Hessische Statistische Landesamt (HSL) 7176 Millionen Euro Bruttoentgelt bezogen. Der Umsatz der Betriebe lag im Wohnbau bei 11,43 Millionen Euro, im gewerblichen Bau bei 10,7 Millionen Euro. Am wenigsten gab die öffentliche Hand für Baumaßnahmen aus. Hier lag der Umsatz der Unternehmen bei schlappen 7,5 Millionen Euro. Der gesamte Umsatz am Bau belief sich im Kreis, so das HSL, gesamt auf 29,6 Millionen Euro. sc

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