Stefan Sauer (CDU) gratuliert Melanie Wegling (SPD) zu ihrem Wahlerfolg im Kreis Groß-Gerau. FOTO: Ittmann
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Stefan Sauer (CDU) gratuliert Melanie Wegling (SPD) zu ihrem Wahlerfolg im Kreis Groß-Gerau.

Bundestagswahl/Direktmandat

Melanie Wegling (SPD) zieht für den Kreis Groß-Gerau in den Bundestag ein

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Sozialdemokratin mit deutlichem Vorsprung - Enttäuschung bei Stefan Sauer (CDU)

Schon früh am Abend stand fest: Die SPD ist nicht aufzuhalten - weder die Direktkandidatin, Melanie Wegling, für den Kreis Groß-Gerau noch die Bundespartei. Dass der Wahlverlauf mit 33,5 Prozent der Stimmen so eindeutig sein würde, hätte Wegling nicht gedacht. "Ich dachte, wir werden zittern bis zum Schluss", sagt die 31-Jährige aus Ginsheim-Gustavsburg.

Sie ist am Abend ins Landratsamt nach Groß-Gerau gekommen, um auf der Leinwand die Hochrechnungen zu verfolgen - mit dabei ihre Familie und der fünf Monate alte Sohn. Der Wettbewerb mit den anderen Parteien sei hart gewesen, gesteht Wegling. Rund 1000 Haushalte habe sie mit ihren Parteikollegen im Kreis besucht. Die Resonanz sei fast durchweg positiv gewesen.

Andere Erfahrungen hat ihr stärkster Konkurrent und bisheriger Mandatsinhaber Stefan Sauer (CDU) gemacht. Bei den Hausbesuchen habe ihm mancher Wähler mitgeteilt, dass er nicht mehr die Union wählen werde. "Viele Menschen haben sich ganz von der CDU abgewandt", bedauert Sauer. Er habe gehofft, dass die Wählerschaft seiner Person eine Chance gibt, stattdessen wird Sauer gestern Abend von der Bundespolitik eingeholt. Mit 27,8 Prozent liegt er 5,7 Prozentpunkte hinter Wegling. "Wir sind enttäuscht", sagt er wenig später abseits des Trubels. Er habe mit einem knappen Wahlausgang gerechnet. Zugute halten könne er sich lediglich, bei der Erststimme mehr Wählerstimmen auf sich vereint zu haben als die Christdemokraten mit der Zweitstimme (21,4%) im Kreis holen konnten.

Groß-Gerau hält die Treue

Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren hatte Sauer noch mit 35,1 Prozent vor seinem Konkurrenten von der SPD, Jan Deboy, (32,4 Prozent) gelegen. Wenigstens haben dem CDU-Politiker die Kreisstadt Groß-Gerau und Gernsheim die Treue gehalten. Dort holte er 37 beziehungsweise 31 Prozent der Stimmen. Über die Landesliste werde er wohl nicht in den Bundestag einziehen, schätzt Sauer. Was das nächste politische Ziel des Groß-Gerauers ist, wisse er noch nicht.

Lars Nitschke ist mit seinem Wahlergebnis von 11,7 Prozent zufrieden, schließlich stünden die Grünen an dritter Stelle hinter SPD und CDU. Der 24-Jährige aus Nauheim ist für die Grünen im Kreis als Direktkandidat angetreten. Seine politische Karriere steht noch ganz am Anfang. Unterstützt wird Nitschke an dem Abend unter anderem vom grünen Rüsselsheimer Bürgermeister Dennis Grieser und MdL Nina Eisenhardt, die vor vier Jahren als Direktkandidatin für die Grünen ins Rennen gegangen war.

Zufriedene Gesichter machen auch Stephan Dehler und Peter Engemann. Dehler ist der Direktkandidat für die FDP im Kreis. "Die FDP ist zweistellig, das ist für den Kreis ein deutlich besseres Ergebnis als noch vor vier Jahren", sagt der Treburer. Damals hatte die FDP 9,6 Prozent der Stimmen geholt, diesesmal sind es 11,8 Prozent der Zweitstimmen. Als Direktkandidat kann Dehler 8,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinen und liegt somit knapp hinter Thorsten Blümlein (AfD) mit 8,6 Prozent. Blümlein ist erleichtert, dass sich die Wahlpleite der Kommunalwahl im März 2021 nicht ein weiteres Mal wiederholt. Er wisse von AfD-Wählern, die sich entschlossen hatten, am Sonntag CDU zu wählen, um einen "Linksrutsch" im Bundestag zu verhindern.

Jörg Cezanne (Die Linke) kann nicht an sein Ergebnis von 2017 anknüpfen. Mit knapp vier Prozent liegt er 2,7 Prozentpunkte zurück. Achim Weidner, der für die Freien Wähler in den Ring gestiegen ist, holt 2,7 Prozent der Stimmen. Thomas Unverzagt (Die Basis) und Daniel Weber (Die Partei) fallen unter "Sonstige" und erreichen gemeinsam 3,4 Prozent.

Mitbewerber gratulieren

Die Stimmverteilung bei der Zweitstimme entspricht grob der Abstimmung über die Direktkandidaten: Der Abstand zwischen SPD und CDU ist hier größer. Die SPD holt knapp 29,8 Prozent, die CDU lediglich 21,4 Prozent. Die Grünen legen mit 14,9 Prozent im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 ganze 5,9 Prozentpunkte zu.

Am Ende des Abends bleibt den Kandidaten nur eines: der Siegerin gratulieren und sich auf die nächste Ereignis vorbereiten. Das ist die Landratswahl am 5. Dezember.

Melanie Wegling blickt derweil mit großer Freude auf ihre erste Legislatur als Bundestagsabgeordnete. "Mein Leben hat eine Wendung genommen", sagt sie. Auch wenn die Ginsheim-Gustavsburgerin zukünftig auch in Berlin die Hand hebt, bleibe sie im Herzen eine Kommunalpolitikerin. Für Wegling geht es nun Schlag auf Schlag. Am heutigen Montag werde sie zu einer ersten Fraktionssitzung nach Berlin fahren.

Dorothea Ittmann

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