+
Die britische Premierministerin Theresa May verhandelt den Austritt aus der Europäischen Union. Ein harter Brexit könnte die deutsche Wirtschaft schwer treffen.

Wirtschaft

Mittelständler im Kreis Groß-Gerau könnte der Brexit hart treffen

  • schließen

Mittelständische Unternehmen im Kreis erzielen große Gewinne auf dem britischen Markt. Ein ungeregelter Brexit könnte dies schnell ändern.

Rund 5000 Betriebe im Kreis Groß-Gerau, hauptsächlich mittelständische, befürchten mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union einen wichtigen Absatzmarkt zu verlieren, geben die Unternehmerverbände an. Die im Kreis mit 61,6 Prozent stärkste Branche, zu der in Rüsselsheim der Autobauer Opel als größter Arbeitgeber gehört, erzielt knapp zwei Drittel ihrer Umsätze mit Exporten nach Großbritannien.

Nicht nur die britische Wirtschaft wird unter dem Brexit leiden, auch Deutschland dürfte es hart treffen, besonders bei einem ungeregelten Austritt. „Beim Brexit drohen massive Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft“, sagt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer. „Das kann zum Verlust von Jobs und Wohlstand führen.“ Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Dieter Kempf, spricht von einer „dramatischen Situation“.

Folgen für Arbeitnehmer

Laut dem Statistischen Landesamt (HSL) gehen für ganz Hessen Waren im Wert von 41,1 Milliarden Euro in Länder der EU. Neben dem Pharmariesen Merck mit Produktionsstandort in Gernsheim und Opel in Rüsselsheim sind es besonders die mittelständischen Unternehmen, die Waren ins Vereinigte Königreich liefern. Wenn es hier zu neuen Zöllen oder sogar Handelsbeschränkungen käme, könnte das für ihre Mitarbeiter dramatische Folgen haben. Umsatzbedingte Entlassungen werden nicht mehr kategorisch ausgeschlossen.

Unternehmen im Kreis sind derzeit mit fast der Hälfte an den Exporten im Wert von 2,3 Milliarden Euro mit Geschäftspartnern in England beteiligt. Von den hier produzierten Fahrzeugen gingen laut HSL 27,6 Prozent über den Ärmelkanal. Dieser Anteil ist von 40,4 Prozent aller ausgeführten Fahrzeuge schon 2017 merklich zurückgegangen. Hier machen sich bereits die Unsicherheiten bezüglich der künftigen Bestimmungen zum grenzüberschreitenden Warenverkehr mit Großbritannien bemerkbar.

„Es droht eine unmittelbare Rezession in der britischen Wirtschaft, die auch an der Bundesrepublik nicht unbemerkt vorbeiziehen würde“, so Kempf. Deutsche Unternehmen seien mit rund 120 Milliarden Euro und weit über 2000 Beteiligungen in Großbritannien engagiert. „Sie bereiten sich intensiv auf das Szenario eines harten Brexits vor. Für ihre jeweiligen Branchen haben die Unternehmen eine umfangreiche Folgenabschätzung getroffen. Dabei geht es natürlich auch um mögliche Produktionsverlagerungen“, so seine Einschätzung.

Bereits zurückgegangen

DIHK-Präsident Schweitzer: „Großbritannien ist der fünftgrößte Exportmarkt Deutschlands. Mehr als 750 000 Arbeitsplätze hängen vom Export nach Großbritannien ab. Unser Exportvolumen mit Großbritannien ist seit dem Brexit-Entscheid schon um mehr als fünf Prozent zurückgegangen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare