Kreismitarbeiter Andreas Franz leitet das Impfzentrum in Groß-Gerau. Er und seine Mitarbeiter sehen sich gewappnet für "den großen Ansturm".
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Kreismitarbeiter Andreas Franz leitet das Impfzentrum in Groß-Gerau. Er und seine Mitarbeiter sehen sich gewappnet für "den großen Ansturm".

Gesundheit

"Den Ansturm können wir bewältigen"

Das Impfzentrum in den Sporthallen der Martin-Buber-Schule ist so gut wie betriebsbereit. Bis zu 1300 Menschen sollen dort täglich behandelt werden.

Kreis Groß-Gerau -In nur zwei Wochen hat die Kreisverwaltung in Groß-Gerau in Zusammenarbeit mit dem Katastrophenschutz ein Impfzentrum scheinbar aus dem Boden gestampft. Vom Parkhaus zwischen der Kreisklinik und der Martin-Buber-Schule (MBS) führt ein mit rot-weißem Flatterband und mit weißen Planen verhängten Absperrgittern gekennzeichneter Weg zu den beiden Schulsporthallen, in denen sich die Bürger bald impfen lassen können.

Die Fäden laufen bei Andreas Franz zusammen, dem Leiter des Impfzentrums. "Es fehlt noch die IT-Ausstattung - Scanner und Drucker", sagt Franz mit Blick auf die 15 Anmeldeschalter, die sich eng aneinanderreihen wie die Impfkabinen in der benachbarten Sporthalle. Eine Plexiglasscheibe trennt die Mitarbeiter von den zu impfenden Personen. Doch bevor die Bürger dort Platz nehmen können, damit ihre Daten und ihr Gesundheitszustand aufgenommen werden, misst eine Infrarotkamera die Körpertemperatur jedes einzelnen im Eingangsbereich - und zwar an den Augen, wie Franz erklärt. Die Werte seien sehr zuverlässig,

Reinigung der Kontaktflächen

Ist die "Patientenakte" angelegt, der Anamnesebogen ausgefüllt, die Einverständniserklärung unterschrieben und die Krankenkassenkarte ausgelesen, begeben sich die zu Impfenden in den Wartebereich. Dabei folgen sie den Wegweisern in den nächsten Raum. Bis zu 120 Menschen können sich dort aufhalten. Die grauen Plastikstühle wurden mit jeweils zwei Meter Abstand voneinander aufgestellt, um das Infektionsrisiko zu minimieren. "Die Stühle und andere Kontaktflächen werden regelmäßig desinfiziert", versichert Franz.

Wer aufgerufen wird, läuft einen Flur entlang in die benachbarte Sporthalle, wo 30 Impfkabinen in fünf Reihen nebeneinander stehen. Jede Kabine ist mit Stühlen, einem Schreibtisch, Computer und dem notwendigen medizinischen Equipment ausgestattet. Vorhänge sorgen für ein wenig Privatsphäre.

Das medizinisch geschulte Personal impft in drei Schichten von 7 und 22 Uhr, sowohl werktags als auch am Wochenende. Für jede "Impfstraße" ist ein Arzt zuständig, der bei Fragen der Patienten zur Verfügung steht und in Notfällen zur Stelle ist. "Wer hier impfen darf, muss eine dreijährige medizinische Ausbildung absolviert haben", nennt Franz die Anforderungen, die Bund und Länder an das Personal stellen.

Mehr als 700 Bewerbungen

Für den Kreis kümmere sich die Dienstleistungsagentur mfs Rettungsdienst gGmbH in Kelsterbach um die Einstellung der Fachkräfte. Mehr als 700 Bewerbungen seien bisher eingegangen, weiß Franz. "Das ist nicht viel", sagt der Leiter und verweist darauf, dass die meisten Helfer als Mini-Jobber nur wenige Stunden in der Woche einsetzbar seien. Doch zunächst wolle er mit einer kleineren Stammbesetzung impfen und diese je nach Bedarf erweitern. "Den Ansturm können wir bewältigen", ist sich Franz sicher, zumal er nicht davon ausgeht, dass sich auch alle impfen lassen, die dazu eingeladen werden.

Bevor die Geimpften die Sporthalle verlassen, vereinbaren sie an einem weiteren Schalter einen zweiten Termin, der nicht später als drei Wochen nach der ersten Impfung liegen sollte. Wer sich direkt nach dem Verabreichen der Dosis ein wenig Ruhe gönnen möchte, kann sich auf dem Weg zum Ausgang hinsetzen oder auch legen - Stühlen und Liegen stehen bereit.

Die mobilen Teams, die in den Alten- und Pflegeheimen zum Einsatz kommen sollen, würden separat vom Landratsamt aus koordiniert. "Impfstelle und Altenheime müssen in ständigem Austausch miteinander stehen, das ist nicht so einfach", sagt Franz, insbesondere bei Senioren mit gesetzlicher Betreuung.

Das medizinische Personal verabreicht den Impfstoff von Biontech. Das Vakzin werde bei etwa -70 Grad Celsius auf Trockeneis gelagert und sei in diesem Zustand etwa fünf Tage haltbar, informiert der Leiter. Um die Lagerung und die Mischung der Dosen kümmere sich Apotheker Fritz Klink. Bis zu 1300 Menschen sollen so täglich im Groß-Gerauer Impfzentrum behandelt werden. Andreas Franz sieht sich und seine Mitarbeiter dafür gut gerüstet.

Dorothea Ittmann

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