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Die Impfkabinen im Corona-Impfzentrum des Kreises werden derzeit aufgebaut. Foto: Kreisverwaltung

Kreis Groß-Gerau

Impfungen gegen Corona: So sehen die Impfkabinen aus

  • Dorothea Ittmann
    vonDorothea Ittmann
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Mindestens 1000 Menschen sollen bald im Kreis Groß-Gerau pro Tag geimpft werden. Einige Eltern haben jedoch Bedenken und starteten eine Online-Petition.

Groß-Gerau – Die Arbeiten am Corona-Impfzentrum des Kreises Groß-Gerau gehen voran. „Wir werden wie vorgegeben die Turnhallen an der Martin-Buber-Schule (MBS) bis Mitte Dezember fertigstellen“, sagt Kreisbrandinspektor Friedrich Schmidt, Leiter des Fachbereichs Gefahrenabwehr der Kreisverwaltung. Nach Abschluss dieser vorbereitenden Arbeiten, für die eine Messebaufirma aus dem Kreis beauftragt worden war, werde der Katastrophenschutz die Verantwortung fürs Impfzentrum an das Leitungsteam übergeben: an Andreas Franz (Leitung), Jochen Melchior (stellvertretende Leitung), Grazina Giarmana (ärztliche Leitung) und Ina Nold (stellvertretende ärztliche Leitung).

Ab dann kann geimpft werden. Der genaue Beginn - zwischen den Jahren oder von Januar an - stehe noch nicht fest. Er hänge auch vom Zeitpunkt der Zulassung des Impfstoffes ab, informiert der Kreis. Fest stehe aber, dass das Land - nicht der Kreis - auf die Menschen zukommen und sie zur Impfung einladen wird. Dann erhielten die zu impfenden Personen nähere Informationen zum Ablauf.

Rund 1300 Corona-Impfungen pro Tag geplant

Der Kreis habe in jedem Fall die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die vorgegebene Impfquote von rund 1300, mindestens jedoch 1000 Menschen am Tag in den beiden umfunktionierten Sporthallen geimpft werden können. Die Verträge mit Betreiber, Sicherheitsdienst, Sanitätsdienst und Caterer seien geschlossen. Geimpft werden soll täglich von 7 bis 22 Uhr.

Der Kreis habe sich zunächst für einen Standort entschieden, weil mehrere Standorte die Personalgewinnung, Aufbau und Organisation des Zentrums erschwert hätten und die Zeit drängte. Für den Standort in Groß-Gerau spreche die zentrale Lage und die Nähe zu wichtigen Einrichtungen wie Kreisklinik, MVZ, Kreisverwaltung und Gefahrenabwehr. "Nicht ohne Grund spielt die Martin-Buber-Schule mit ihren Hallen eine wichtige Rolle bei der Katastrophenschutzplanung des Kreises", sagt Landrat Thomas Will (SPD). Er bittet um Verständnis dafür, dass die Entscheidungen sehr schnell getroffen werden mussten und dies auch Konsequenzen für Vereine und MBS hat.

Landrat fürchtet keine Einschränkungen durch Corona-Impfungen

Thomas Will wie auch die Leitung des Groß-Gerauer Corona-Impfzentrums rechnen nicht mit Beeinträchtigungen durch die zu impfenden Menschen: „Wir reden da von rund 70 Besuchern in der Stunde.“ Zumal Besucher- und Schülerströme getrennt voneinander geleitet würden. Es gebe ausreichend Stellplätze für Autos, das Impfzentrum könne aber auch per Bus, Fahrrad oder zu Fuß erreicht werden.

Bauzäune trennten Schulgebäude und -hof sowie den Weg zu den Hallen voneinander ab. Der hintere Hof der MBS bleibe in den Unterrichtspausen etwa zur Hälfte für die Schüler zugänglich. Mit Lärmbelästigung durch die zu impfenden Menschen sei nicht zu rechnen, so dass der Unterricht nicht gestört werden wird. Autos führen in der Regel nicht zu den Hallen; nur gehbehinderte Menschen erhielten eine Ausnahmegenehmigung.

Mit dieser Erklärung geht der Landrat auf die Bedenken der Eltern ein. Seit die MBS als Standort für das Impfzentrum feststand, hatte sich der Widerstand formiert und in einer Online-Petition niedergeschlagen. Die Unterzeichner sind nicht per se gegen die Errichtung eines Impfzentrums, lehnen es aber ab, dass dies in der Sporthalle auf dem Schulgelände geschieht. „Dadurch ist jetzt schon klar, dass die Schüler mindestens ein Jahr lang keinen Sportunterricht haben werden und auch einer erhöhten Ansteckungsgefahr aufgrund eines erhöhten Publikumsverkehrs ausgesetzt werden“, heißt es in der Petition. Die Unterstützer sammeln auf der Plattform openpetition.de Unterschriften, die dem Landrat übergeben wollen. Bis gestern hatten 184 Menschen die Petition unterschrieben.

Eltern starten Onlinepetition gegen Impfzentrum

„Wir fordern, diesen Plan nicht umzusetzen und nach sinnvollen Alternativen zu suchen“, fordert Sina Messinger, die die Petition gestartet hat. Sie schlägt die leeren Opel-Hallen vor. Opel-Chef Michael Lohscheller hatte selbst Flächen und Gebäude des Unternehmens für diesen Zweck angeboten. „Nur, weil der Ort im Kreis nicht zentral genug ist und eventuell Miete kostet, kann es kein Grund sein, dafür die Gesundheit unserer Kinder und dadurch vieler Familien in Gefahr zu bringen“, kritisiert Messinger die Entscheidung des Kreises. Durch die Infrastruktur der MBS sei es nicht möglich, die Menschen, die zu einer Impfung kommen, so umzuleiten, dass sie nicht über das Schulgelände laufen müssen, heißt es in der Petition.

Zwar verspreche das Landratsamt, eine „Schleuse“ zu bauen, damit kein Kontakt zwischen den Schülern und den Menschen, die zur Impfung kommen, entsteht. Von seiten der Elternschaft könne man sich aber nicht vorstellen, dass dies funktioniert. Zum einen sei das Impfzentrum zu den „Stoßzeiten“ der Schule geöffnet. Darüber hinaus müssten die zu Impfenden das Schulgelände queren, um die Sporthallen zu erreichen, worin das Zentrum untergebracht ist. „Ein Kontakt ist somit unausweichlich“, schlussfolgert Sina Messinger.

Noch weniger Platz für Schüler durch Corona-Impfzentrum?

Auch hätten die Schüler dadurch noch weniger Platz auf dem Schulhof, da Bauzäune den Weg zum Impfzentrum abtrennen. „Weniger Platz bedeutet, die Kinder stehen enger zusammen. Damit ist die mögliche Ansteckungsgefahr deutlich höher.“ Nicht umsonst werde über Wechselunterricht diskutiert.

„Schulen als mögliche Hotspots, Klassen, die in Quarantäne müssen, sind jetzt schon allgegenwärtig. Aber bei einem Impfzentrum auf dem Schulgelände der MBS, wodurch fremde Leute das Gelände betreten, sich vermehrt in der nahen Umgebung aufhalten und unweigerlich sowohl mit Schülern als auch Lehrern zusammenkommen, wird nicht diskutiert“, lautet die Kritik. Bei Infektion der Schüler wären Haushalte unter anderem in Groß-Gerau, Klein-Gerau, Büttelborn, Trebur, Astheim, Nauheim, Königstädten, Worfelden, Geinsheim betroffen, befürchten die Unterzeichner. red/dit

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